Chaparral 2D Daytona 1966 – Bausatz von MA Scale

Die Geschichte der Chaparral-Rennsportwagen über die Jahre 1961 bis 1967 war bereits vor einem Jahr (2019) Gegenstand eines ausführlichen Berichts. Im Folgenden geht es um das erste Rennen des Chaparral 2D im Rahmen der Prototypen-Saison 1966 bei den 24 Stunden von Daytona und um die 1:43-Replika des US-Modellherstellers „MA Scale“.

Chaparral 2D, Daytona 1966 (Modell von MA Scale)

Zur Erinnerung: Der Texaner Jim Hall entwickelte 1963 den Chaparral 2. Mit Mittelmotor und Fiberglas-Monocoque sowie ab 1965 mit beweglichem Heckspoiler und automatischem Getriebe war er weltweit der modernste Rennsportwagen. Ab 1964 beherrschte er die amerikanische Sportwagenszene mit Rennen über kurze und mittlere Distanzen. Und spätestens im Frühjahr des folgenden Jahres 1965 drangen die Bilder und Daten des Chaparral dann auch nach Europa, nach dem überraschenden Sieg bei den 12 Stunden von Sebring – die Texaner konnten also auch bei internationalen Endurance-Rennen bestehen.

Von April bis August 1965 folgten die Rennen der amerikanischen USRRC-Meisterschaft, die vom Chaparral komplett beherrscht wurden: In neun Rennen siegte man achtmal, meist trat man mit zwei Fahrzeugen an (001, 002 oder 003), die wie bei  Chaparral üblich von Rennen zu Rennen weiterentwickelt wurden. Jim Hall gewann allein fünf Rennen, Hap Sharp zwei. Die Herbstsaison mit einigen auch international bekannten Rennen (u.a. Laguna Seca, Riverside, Nassau) war ebenfalls ein voller Erfolg für Chaparral: Sechs Siege in sieben Rennen (zweimal Hall, fünfmal Sharp). Damit war der Chaparral 2 international anerkannt der „Rennwagen des Jahres“ 1965.

Chaparral 2, Sieger in Sebring 1965 (Modell von Pro Line)

1966 – Endurance Rennen mit dem 2D Coupé

Die neue Saison 1966 war zweigeteilt: Von Februar bis Juni nahmen die Chaparral-Leute mit dem Typ 2D, einem aus dem US-Roadster entwickelten und mit dem FIA-Prototypenreglement kompatiblen Coupé, an einigen Langstreckenrennen der „Internationalen Trophäe für Sport-Prototypen“ teil, danach standen wieder die kürzeren Rennen in den USA im Programm. Zwei 2D-Coupés wurden auf Basis der beiden Roadster 001 und 002 von 1964/65 (mit Fiberglas-Monocoques) aufgebaut, die Nr. 001 war erstmals im Januar bei den 24 Stunden von Daytona zu sehen. In Sebring starteten beide 2D, aber bei beiden US-Klassikern fielen die Fahrzeuge früh aus. Dann ging die 001 nach Europa und fuhr am Nürburgring (1000 km) und in Le Mans. In der Eifel gelang ein überraschender Gesamtsieg mit Jo Bonnier und Phil Hill am Steuer gegen starke europäische Konkurrenz.

Chaparral 2D, Sieger am Nürburgrung 1966, Marsh Models (built by John Simons)

Beim Saisonhöhepunkt in Le Mans kam der einzige 2D allerdings nicht über die Distanz. Wie von Jim Hall und seinem Team gewohnt, änderten sich von Rennen zu Rennen einige Karosseriedetails, insbesondere die Heckpartie betreffend – dazu gleich mehr.

Renneinsätze des Chaparral 2D im Jahr 1966 (mit 5,4-Liter-Chevrolet-Motor):

Daytona, Fzg. 001, Startnr. 65, Bonnier – Phil Hill, Ausfall (Training: Platz 2)

Sebring,  Fzg. 001, Startnr. 12, Bonnier – Phil Hill, Ausfall (Training: Platz 8)

Sebring,  Fzg. 002, Startnr. 11, Hall –Sharp, Ausfall (Training: Platz 6)

Nürburgring, Fzg. 001, Startnr. 7, Bonnier – Phil Hill, Gesamtsieg (Training: Platz 2)

Le Mans, Fzg. 001, Startnr. 9, Bonnier – Phil Hill, Ausfall (Training: Platz 10)

Renneinsätze des Chaparral 2D im Jahr 1967 (mit 7-Liter-Chevrolet-Motor):

Daytona, Fzg. 001, Startnr. 14, Jennings – Johnsson, Ausfall (Training: Platz 8)

Sebring, Fzg. 001, Startnr. 5, Jennings – Johnsson, Ausfall (Training: Platz 4)

Bei seinem Debut in Daytona 1966 hatte der 2D insbesondere im Heckbereich noch vom später in Europa eingesetzten Coupé stark abweichende Karosseriedetails. Die beiden wichtigsten Merkmale: Hinter dem Cockpit war die Karosserie offen mit freiem Blick auf die acht Ansaugstutzen, der ab Nürburgring installierte Ansaugschnorchel fehlte also noch. Und am Heck hatte der 2D einen Querflügel, die späteren Versionen dagegen nur einen kleinen Heckspoiler. Weitere kleine, von Rennen zu Rennen vorgenommene Detailänderungen können dem mittlerweile im Internet leicht zugänglichen Bildmaterial entnommen werden.

Die bekannten 1:43-Modelle des Chaparral 2C (Diecast- und Resincast-Modelle von IXO, Minichamps, True Scale usw.) können also nur für die in Europa gestarteten Fahrzeuge verwendet werden, bei den Versionen von Daytona und Sebring 1966 sowie Daytona 1967 muss man dagegen auf Bausätze zurückgreifen, die allesamt schon recht alt und daher kaum noch zu beschaffen sind. Die Daytona 1966-Version wurde von Marsh Models (Metall-Bausatz bzw. Fertigmodell vom Marsh-Hersteller John Simons), von Provence Moulage (Resine-Kit) und von MA Scale (Resine-Kit) produziert. Nach mehrjähriger Suche nach einem Marsh-Modell des 2D von Daytona 1966, der gut zu meinen beiden Marsh-Models 2D (Nürburgring 1966) und 2F (Targa Florio 1967) gepasst hätte, gab ich letztlich auf und bestellte bei Mike Ahrensdorf per Email den Daytona-2D, der dann auch prompt geliefert wurde.

Marsh Models und Provence Moulage dürften – nach meiner Erfahrung mit Modellen dieser Hersteller – sehr gute und relativ einfach zu bauende Kits abliefern, außerdem sind die von John Simons angefertigten „Factory Built“-Modelle von vorzüglicher Qualität, wenn auch nach meinem Geschmack etwas zu üppig lackiert. Da Simons außerdem Klarlack verwendet, sind seine Chaparral-Modelle – möglicherweise erst nach einigen Jahren in der Vitrine? – nicht vorbildgerecht reinweiß sondern ein wenig „cremig“ im Farbton.

Zur Maßstabtreue der Modelle: Basis der Vermessung waren hier der Radstand und die Länge des Modells bzw. des Originals: Chaparral 2D, Radstand wie beim 2F: 2,31m = 5,37cm im Maßstab 1:43; Länge 4,13m = 9,60cm beim 2D bzw. 3,94m = 9,16cm beim 2F. Daran gemessen sind die Marsh-Chaparrals (2D und 2F) etwas zu klein, sie haben etwa den Maßstab 1:44. Dies gilt übrigens genauso für das hier präsentierte MA Scale-Modell, es kann also in der Vitrine gut neben die Chaparrals von Marsh Models gestellt werden. Dagegen sind z.B. die Minichamps-Modelle (2D und 2F, jeweils Le Mans-Autos) etwas zu groß geraten (Maßstab ca. 1:42), das fällt im gemeinsamen Kabinett dann schon auf. Zur Maßstabtreue des Provence Moulage-Modells kann ich keine Aussagen machen, hier liegen mir nur Fotos vom Modell vor.

Allerdings gefallen mir die auf den Fotos abgebildeten Felgen beim Provence Moulage-Modell nicht besonders, die Speichen der Alu-Felgen sind gemessen am Vorbild und z.B. im Vergleich zu den Felgen des Marsh-Modells zu grobmaschig. Beide Hersteller liefern in ihren Bausätzen mehrteilige Felgen mit gedrehtem Felgenring und geätztem Innenteil – im Prinzip sehr schön und aufwändiger als beim MA Scale-Modell: Dort werden einteilige Felgen aus Weißmetallguss verwendet, die man entsprechend farblich bearbeiten muss. Im Ergebnis zeigen die im Grunde besseren Felgen von Marsh und Provence Moulage allerdings zu viel Glanz, sofern man die gedrehten Felgenringe nicht mit Alu-Lack bearbeitet. Hochglanz- oder gar Chromfelgen gab es im Motorsport Mitte der 1960er Jahre meist noch nicht. Im Übrigen verweise ich bei diesem Thema (Chromdarstellungen bei Modellen kleinerer Maßstäbe) auf einen Kurzkommentar („Standpunkt des Herausgebers“), der demnächst auf dieser Webseite erscheint.

MA Scale begann bereits Ende der 1970er Jahre mit der Produktion von Resine-Bausätzen, das waren noch die Zeiten von John Day, FDS oder im Resine-Bereich von MRF/Record. Auch wenn Mike Ahrensdorf seine Modellreihe bis heute immer wieder erweitert hat, entspricht die Ausführung der Kits immer noch etwa dem Standard der 1980er Jahre – für den Modellbauer also eine eigentlich ganz nette Herausforderung und ein Stück Modellbau-Nostalgie. Belohnt wird man dabei, wenn es ans Bezahlen geht, denn im Vergleich zum Marsh-Bausatz ist der MA Scale-Kit deutlich günstiger, sofern man den Preis in den USA (2019: 45 Dollar=40 Euro) heranzieht. Man kann die MA Scale-Modelle wie gesagt direkt, z.B. per Email, bei Mike Ahrensdorf in den USA bestellen, im Internet unter „mamodels“, das ist eine im Übrigen für einen Überblick über alle MA Scale-Modelle sehr gut nutzbare Webseite. Für eine „normale“ Bestellung aus Deutschland kommen dann allerdings noch erhebliche Kosten für Verpackung/Porto und für Zoll hinzu, am Ende landet man dann bei ca. 80 Euro. Günstiger wird es, wenn man bei der Transaktion Freunde oder Verwandte in den USA oder eine eigene Reise in die Staaten nutzen und den Kit ins private Fluggepäck packen kann.

Die Liste der Einzelteile ist beim MA Scale-Modell genauso übersichtlich wie die Bauanleitung: Der Kit enthält mit der Karosserie und dem Unterteil (Chassis, Cockpit) zwei Resine-Teile, die noch viel Nacharbeit erfordern, die Karosserieform des Originals wird aber gut getroffen. Weitere Teile bestehen aus Weißmetall: Die einteiligen Felgen, der Heckspoiler und einige Kleinteile, z.B. die Ansaugrohre über dem Motor. Dann noch die Reifen, der Decalsatz und die Scheibeneinheit sowie der Versuch einer Nachbildung der vorderen Scheinwerferabdeckungen – das war´s im Grunde. Ein paar Teile, z.B. das Lenkrad, den Pantograph-Scheibenwischer oder die Haubenbefestigungen, sollte der Modellbauer aus seiner gut sortierten Ersatzteilkiste ergänzen. Abgesehen davon ist der  Montageaufwand recht gering.

Einzelteile des MA Scale-Bausatzes

nach der Grundierung

Teile nach der Lackierung

Die Räder (Reifen plus Felgen) sind relativ groß geraten, sie passen nur mit Mühe in die Radkästen, das Modell ist danach jedenfalls nicht rollfähig. Die Optik entscheidet sich damit, wie geschickt der Innenteil der Felgen farblich gestaltet wird: Zur realistischen Darstellung sollte man bei den zuvor alu-lackierten Felgen verdünnten Schwarz-Matt-Lack in die Lücken zwischen den Speichen laufen lassen, damit die Felgen optisch mehr Tiefe erhalten.

Der Scheibeneinsatz (Einheit aus Frontscheibe und je zwei Seitenscheiben) ist, gemessen an der Gussqualität des Bausatzes, erstaunlich passgenau geraten. Wer den Aufwand nicht scheut, sollte die Scheiben allerdings einzeln ausschneiden und einkleben. Leider fehlen im Decalsatz Vorlagen für die schwarzen Scheibenränder der Seitenscheiben und der Frontscheibe. Hier ist also Improvisation gefragt, entweder mit geschicktem Pinselstrich oder mit zugeschnittenen schwarzen Streifen aus der Decal-Reserve des Modellbauers. Optimal wäre es noch, wenn die kleinen Chromschrauben (oder Nieten?) der Seitenscheiben nachgebildet werden, das wäre aber dann schon etwas für Spezialisten.

Für eine korrekte und realistische Darstellung der Scheinwerfer-Einheiten sind die im Bausatz enthaltenen Schablonen nur bedingt einsetzbar, hier müsste man mit etwas „Kristal Klear“ und/oder Klarlack nachhelfen, eine bei modernen Bausätzen übliche Qualität ist allerdings kaum erreichbar.

Der kleine Decalsatz ist bis auf die fehlenden Scheibenränder und goldfarbenen Reifenringe komplett und gut gelungen, allerdings sind die Decals sehr dünn, also Vorsicht beim Ablösen und Auftragen auf die Karosserie! Das gilt insbesondere für die goldfarbenen „Firestone“-Reifenaufkleber.

Auf drei weitere Detailmängel sollte noch hingewiesen werden: Die kleine Strebe unter dem Heckspoiler (zur Höhenverstellung) fehlt, ebenso fehlt eine Darstellung der kleinen Lüftungsöffnungen in den Seitenfenstern. Und die dem Kit beigefügten Ansaugstutzen (je zwei Vierereinheiten) sind gemessen an den Originalfotos wohl etwas zu kurz geraten.

Bei der Gestaltung der Heckpartie war ich trotz einiger Fotos vom Rennen in Daytona unsicher, da sich die Bilder in einigen Details unterscheiden (Fotos vom Training oder vom Rennen). Unklar ist, ob und wann das mittlere Hecksegment (mit den beiden Auspuffrohren) offen oder von einem Schutzgitter abgedeckt war.

Das Ergebnis kann sich trotz dieser Detailmängel durchaus sehen lassen. Letztlich muss aber der Modellsammler selbst entscheiden, ob er geduldig darauf wartet, dass der Marsh Models- oder Provence Moulage-Bausatz doch noch irgendwo auftaucht bzw. bis Resincast- oder Kit-Modelle aktueller Qualität erscheinen, oder ob man den MA Scale-Bausatz kauft und die Defizite mit mehr oder weniger Aufwand korrigiert.

hinten der spätrere Sieger, Ford GT40 Mk II (Miles – Ruby), Modell von Starter

Quellen:

Fotos zu diesem Bericht: Modelle aus der Minerva-Modellsammlung

Literatur: Siehe Rubrik „Über diese Seite“ → „Anmerkungen zu Minerva Endurance“

Insbesondere: Richard Falconer, Doug Nye, Chaparral, Complete History of Jim Hall´s Chaparral Race Cars 1961-1970, Motorbooks International, 1992.

Interessante Webseiten: “143chaparralmodels”, „racingsportscars“ und “ultimatecarpage”

Die Internet-Suche liefert unter „Chaparral 2D Dayona 1966“ viele Fotos und Schnittzeichnungen, wobei man immer beachten sollte, dass es sich tatsächlich um Fotos vom Rennen in Daytona 1966 handelt.

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