Prototyp Museum in Hamburg

Felge des Petermax Müller VW Spezial

Bericht von 2011

Die Menschen aus dem Norden Deutschlands mit besonderem Interesse an Autos mit rennsportlichen oder historischen Wurzeln blicken mit Wehmut (oder Neid) auf den Westen und den Süden der Republik mit seinen zahlreichen Automuseen und einschlägigen Veranstaltungen.

Der Süden genießt den Vorteil der Standorte deutscher Premium-Hersteller und ihrer glorreichen Historie, der Westen profitiert vom Nürburgring als Traditionsstandort für aktuellen und historischen Rennsport und allgemein von seiner Bevölkerungsdichte, die es Veranstaltungen erleichtert, hohe Besucherzahlen auch aus den Nachbarländern anzuziehen. Wir im hohen Norden leben im Vergleich dazu eher in einer Art Diaspora, allerdings mit einigen Ausnahmen, quasi Leuchttürmen in einer eher dünn besiedelten „Autowüste“. Mag sein, dass dies ein überzeichnetes Bild ist, jedenfalls sind wir Nordlichter über jeden neuen Impuls in der Autolandschaft dankbar.

So wurde die Eröffnung des kleinen, aber feinen Automuseums in der Hamburger Hafen-City im Jahr 2008 freudig begrüßt. Nach langer Zeit hat die Hansestadt nun wieder eine Attraktion im Automobilia-Sektor, eine würdige Nachfolge des früheren Automuseums Hillers in Hamburg und in Tremsbüttel nördlich der Metropole. Zusammen mit der Winter-Motorshow „Bremen Classic“ (immer im Februar), dem Oldtimermarkt in Bockhorn (jährlich im Juni) und dem VW Museum in Wolfsburg ist der Norden seitdem mit dem „Prototyp“-Museum wieder etwas besser aufgestellt.

Die Prototyp-Ausstellung hat sich in einem denkmalgeschützten, traditionellen Lagerhaus am Rand der historischen Hamburger Speicherstadt eingerichtet. In fußläufiger Entfernung liegt außerdem das sehenswerte „Internationale Maritime Museum Hamburg“, das neben maritim Interessierten auch Modellbauer anspricht: Hier sind über 25 Tausend (!) Schiffsmodelle ausgestellt. Für Modellbauer steht natürlich auch die benachbarte weltweit größte Modellbahnanlage „Miniatur Wunderland“ auf dem Speisezettel, neben vielen anderen Attraktionen in der alten Speicherstadt (Gewürzmuseum, Kaffeerösterei und vieles mehr). Aber für alle Attraktionen im Umkreis von wenigen 100 Metern (St. Pauli Landungsbrücken und alter Elbtunnel nicht zu vergessen) benötigt man sicher mehr als einen Tag. Übrigens: Wer in der Nähe übernachten möchte, kann eine großzügige Kabine auf dem historischen Bananenfrachter „Cap San Diego“ buchen und die maritime Welt der 1950er Jahre erleben.

Das Museum besteht aus einer Dauerausstellung, die alle Medien nutzt und modern, aber auch mit viel Liebe zum Detail präsentiert wird, aus einer Galerie historischer SW-Rennsportfotos der frühen Nachkriegsjahre sowie aus wechselnden Sonderausstellungen und Veranstaltungen, so z.B. eine Le Mans-Sonderausstellung (2009), die mit einem spektakulären „Le Mans Symposium“ eröffnet wurde, gespickt mit vielen Prominenten, insbesondere der Porsche- und Audi-Rennsportfamilie.

Besonderer Schwerpunkt der Dauerausstellung sind deutsche Renn- und Sportwagen der ersten Nachkriegsjahre, insbesondere solche Fahrzeuge, die auf der frühen VW- oder Porsche-Technik basierten oder einige „Kleinstrennwagen“ der Jahre um 1950. Ein paar Beispiele (Stand: Frühjahr 2011): Petermax Müller VW Spezial (1949), Porsche RS 60, Rometsch Porsche Spyder (1954), Porsche 904 GTS, Porsche 906. Der Porsche T 64 von Otto Mathé stand mehrere Jahre im Museum, heute steht dort ein zweiter T 64, der aus Originalteilen aufgebaut wurde. Besonders interessant ist der Teil der Ausstellung, der dem österreichischen Rennfahrer Otto Mathé gewidmet ist (Rennfahrzeuge, Renntransporter, Fotos, Alben, Pokale usw.).

Petermax Müller VW Spezial (1949), mit freundlicher Genehmigung des Prototyp Museums Hamburg

Petermax Müller VW Spezial (1949), mit freundlicher Genehmigung des Prototyp Museums Hamburg

Porsche T 64 Otto Mathé, mit freundlicher Genehmigung des Prototyp Museums Hamburg

Borgward 1500 RS (1958), mit freundlicher Genehmigung des Prototyp Museums Hamburg

Ergänzt wird die Ausstellung um viele Modellautos, darunter Raritäten wie ein 1:10-Modell des Porsche 718 RSK von Altmeister Michele Conti, eine umfangreiche Bibliothek (mit „Flip Books“), viele alte Fotos und Fotobände, automobile Kunst (Memorabilia), ein Filmstudio, eine gläserne Restaurationswerkstatt, ein Fahrsimulator sowie eine Schallkabine („Audio Box“), in der verschiedene Rennmotoren ihr Bestes geben.

Modell des Porsche 917, mit freundlicher Genehmigung des Prototyp Museums Hamburg

Für alle am historischen Motorsport Interessierte aus Norddeutschland und für Hamburg-Besucher ist das Prototyp-Museum eine höchst attraktive Adresse, die man nicht versäumen sollte. Weitere Informationen, insbesondere auch zu Sonderausstellungen und –veranstaltungen, unter „prototyp-hamburg“ im Internet.

 

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