Carrera Panamericana 1950-1954

Das Rennen – die Modelle in 1:43 / Renneinsätze von Porsche 1952-1954

Porsche 550, Carrera Panamericana 1953 (Modell: True Scale)

Seit Anfang 2012 ist das Porsche 550 Coupé (Fg-Nr. 001) von True Scale (TSM) auf dem Markt. Zum ersten Mal hat einer der beiden Resincast-Hersteller Spark und TSM damit ein Modell entwickelt, das bei der legendären Carrera in Mexiko am Start war. Bislang lag der Schwerpunkt der Rennsport-Modelle von Spark auf dem Thema Le Mans, zum Teil ergänzt um Modelle, die in Daytona, Sebring, in der IMSA- oder der CANAM-Serie gestartet sind. Und TSM hatte seinen Fokus auf den US-Rennen (Daytona, Sebring, CANAM).

Nun also die Carrera Panamericana – hoffentlich ein gutes Omen für künftige Modellentwicklungen der beiden Resincast-Marktführer. Denn die Carrera ist, obwohl nur 3-4 Jahre im Blickfeld des europäischen Rennsports, noch heute ein spektakuläres Element der Endurance-Geschichte, und das Thema ist für Modellsammler und -bauer aus zwei Gründen besonders reizvoll: Erstens ist die Zahl der dort gestarteten europäischen Rennsportwagen einigermaßen überschaubar und endgültig, die Chance auf eine komplette Sammlung der wichtigsten Vertreter dieser Kategorie ist also recht groß; und zweitens sind die Modelle der Fahrzeuge, die damals zur Carrera angetreten sind, optische Leckerbissen einer 1:43-Modellsammlung, da sie – viel früher als in Europa – mit verschiedenen Dekorationen und 1950er-Jahre-Logos mexikanischer und internationaler Firmen geschmückt waren: Rennsport war in dieser Epoche in Amerika bereits offen für Sponsoren.

Nachteil für den Modellsammler: Während man Modelle der Rennsportwagen der 1950er Jahre, die in Europa an den Start gingen, nur mit ein paar wenigen Decals (Startnummernfelder und Startnummern) ausstatten muss, die sich meist in der Grabbelkiste eines gut sortierten Modellbauers (oder in den Katalogen von Modellhändlern) befinden, besteht diese Option bei Carrera-Rennfahrzeugen in der Regel nicht: Hier ist man auf komplett dekorierte Fertigmodelle, auf Bausätze mit vollständigen Decalsätzen oder auf komplette Decalsätze im (Internet-) Handel angewiesen, ein Nachrüsten von „Blanco“-Modellen auf den Carrera-Status ist ohne diese Quellen fast unmöglich.

Sollten Spark und TSM nun weitere Carrera-Modelle entwickeln, freuen sich die Sammler auch deshalb besonders, weil bislang überwiegend entweder nur teure (und im Handel nur schwer lieferbare) Kleinserien-Modelle der BBR-Familie (BBR, Leader, Styling, Project 43) oder Diecast-Modelle in nicht mehr ganz aktueller Qualität (Brumm, Progetto K, Topmodel) lieferbar waren. Neue Resincast-Fertigmodelle im aktuellen Spark-/TSM-Standard sind dem Carrera Panamericana-Sammler also höchst willkommen.

Der hier folgende Bericht besteht aus vier Teilen:

1. Anmerkungen zur Historie der Carrera Panamericana

2. Porsche-Renneinsätze bei der Carrera – die ersten großen Erfolge des Typ 550

3. Die wichtigsten Teilnehmer (europäische Sportwagen) und Modelle in 1:43

4. Porsche 550 Coupé (Carrera 1953) – Das TSM-Modell im Detail

1. Carrera Panamericana Mexico 1950-1954 – Ein Rückblick

Carrera – ein Zauberwort für alle Endurance-Fans. Wir wissen zwar, dass der Name Carrera spanisch einfach nur für „Rennen“ steht, aber die Gedanken gehen natürlich nach Mexiko in die frühen 1950er Jahre zur „Carrera Panamericana Mexico“, jenem abenteuerlichen, charismatischen Straßenrennen quer durch Mexiko, das insgesamt nur fünf Mal stattfand

Aus heutiger Sicht mag es sonderbar erscheinen, dass der Carrera über viele Jahre, eigentlich bis heute, ein solch legendärer Ruf nachging, war sie doch nur eine kurze Episode, beginnend 1950, als rein amerikanische Veranstaltung für US-Tourenwagen, bis 1954, als eine Vielzahl schwerer Unfälle und ein organisatorisches Chaos zum Ende der Carrera führte. Es waren wohl vor allem die besondere Epoche und die Einmaligkeit des Rennens: In der ersten Hälfte der 1950er Jahre galt es für die Hersteller in Europa, mit motorsportlichen Pioniertaten zu überzeugen, um ausländische, zumal amerikanische Märkte zu erobern. Nicht von ungefähr war diese Periode ein Juwel in der Rennsport-Historie. Und zum anderen gab es ein solches Rennen auf internationaler Ebene noch nie zuvor: 3000 Kilometer durch Mexiko in fünf Tagen bzw. in 8 oder 9 Etappen als reines Straßenrennen, von Null bis 4000 Höhenmetern, mit endlos langen Geraden oder verwinkelten, abenteuerlichen Bergpassagen, Zuschauern in der Größenordnung von Millionen, 50 Tausend Personen Hilfspersonal – eine Paris-Dakar-Rallye der frühen Nachkriegszeit! Oder wie Daryl E. Murphy in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Carrera Panamericana – History of the Mexican Roar Race 1950-1954“ (Motorbooks International, 1993) schreibt: „In its day, it was the longest, the fastest, and probably the wildest automobile race on an international scale.”

1950: Anlass zur Carrera war die Fertigstellung des Panamerican Highways von Argentinien bis Alaska, zumindest auf mexikanischem Boden, im Jahr 1950. Der Mexikanische Automobilclub lud anlässlich der feierlichen Eröffnung zu einem Rennen quer durch das Land ein, und im Mai kamen viele amerikanische Teams mit ihren Cadillac, Chrysler, Hudson, Packard, Oldsmobile oder Studebaker, um sich dieser Prüfung zu stellen.

Das Rennen ging über 2135 Meilen (3435 km) und 9 Etappen. Insgesamt waren 132 Fahrzeuge am Start, 52 kamen am Ende ins Ziel. Zugelassen waren 1950 allerdings nur fünfsitzige Tourenwagen. Sieger wurde ein Oldsmobile 88 mit Hershel McGriff. Aus Europa waren zunächst nur wenige Tourenwagen am Start, ein Delahaye 175, ein Talbot-Lago und ein Jaguar, dazu zwei große Alfa Romeo 6C 2500 „Freccia d´Oro“ Limousinen mit den renommierten Piloten Taruffi und Bonetto, die allerdings mit den Plätzen 4 und 8 hinter ihren Möglichkeiten blieben.

Alfa Romeo 6C 2500 Freccia d´Oro (BBR)

1951: Die zweite Carrera fand im November 1951 statt. Zugelassen waren wieder nur Tourenwagen (vier Sitze), keine Sportwagen. Distanz 1933 Meilen (3110 km), 8 Etappen. 91 Fahrzeuge am Start, 35 im Ziel. Sieger: Ferrari 212 Inter (Taruffi – Chinetti).

1951 gingen trotz der immer noch bestehenden Beschränkung auf Tourenwagen ein paar Europäer mehr, vornehmlich aus Italien, an den Start, obwohl einige von ihnen eher als GT-Fahrzeuge anzusehen waren: Ferrari schickte zwei 212 Inter (Coupés mit 2+2 Sitzen) mit hochkarätigen Fahrern und landete gleich einen Doppelsieg mit Taruffi-Chinetti vor Ascari-Villoresi. Am Start außerdem zwei der damals hochmodernen Lancia Aurelia GT (B20) mit Bonetto und Bracco, GT-Fahrzeuge im echten Sinne, weiterhin ein bildschöner Alfa Romeo 6C 2500 Super Sport, sowie wie schon 1950 ein Delahaye 175 mit Chiron am Steuer und zwei Jaguar Mk VII, einer davon mit Bobby Unser (sr.) am Volant. Ascari gewann vier der acht Etappen, eine weitere ging an Taruffi.

1952: Die dritte Carrera fand zum Saisonende im November statt. Zugelassen waren nun auch Sportwagen (2 Sitze) und weiterhin Tourenwagen („Stock Class“, 4 Sitze). Distanz 1934 Meilen (3110 km), 8 Etappen. „Sports Class“: 27 Fahrzeuge am Start, 10 im Ziel, „Stock Class“: 64 Fahrzeuge. Sieger: Mercedes-Benz 300 SL (Fahrer Karl Kling, Beifahrer: Klenk).

Mercedes-Benz 300 SL (Sieger 1952), Modell: Best

Mit dem Ferrari-Doppelsieg 1951 und der Öffnung des Reglements für zweisitzige Sportwagen 1952 war die Aufmerksamkeit für die europäischen Hersteller endgültig geweckt. Die Amis mussten sich nun auf die Tourenwagenklasse konzentrieren, die Musik spielte aber fortan in der „Sports Class“. Aus deutscher Sicht war der erfolgreiche Einsatz der neuen 300 SL Flügeltürer sicher einer der motorsportlichen Höhepunkte der frühen 1950er Jahre, er zählte in der Öffentlichkeit wohl mehr als der Le Mans-Sieg der 300 SL im Juni 1952 – am Ende des Jahres wurde Karl Kling sogar Sportler des Jahres 1952, und nicht Hermann Lang, der in Le Mans siegte und hier in Mexiko den 2. Platz belegte. Ein weiterer 300 SL startete mit offener Karosserie (John Fitch), wurde aber wegen eines Reglementverstoßes vorzeitig disqualifiziert.

Mercedes-Benz 300 SL Spider (Pilot: John Fitch), Modell Starter

Die Konkurrenz aus Europa bestand aus mehreren Ferrari, der „340 Mexico“  wurde sogar eigens für die Carrera gebaut. Außerdem: Ferrari 340 America, 250 S, 212 Export und Inter, sowie vier Lancia Aurelia GT, zwei schnelle Gordini, zwei private Jaguar XK 120 und die ersten Porsche bei der Carrera (siehe unten). Der Mercedes-Einsatz wurde von Rennleiter Neubauer penibel und aufwändig vorbereitet und begleitet, der Sieg kam dann auch weniger durch Schnelligkeit als durch absolute Zuverlässigkeit zustande – Beweis: Die ersten vier Etappen wurden von Ferrari (Villoresi im 340 Mexico, drei Siege) sowie vom Gordini (Behra) gewonnen, erst nach Ausfall der schnelleren Konkurrenz kam Kling zu vier Etappensiegen (4. bis 8. Etappe).

Ferrari 340 Mexico, 3. Platz 1952 (aus dem Modellmuseum, Modell: John Day)

Lancia Aurelia B20 GT, 4. Platz 1952, Modell: Spark (2018)

1953: Auch die vierte Carrera fand zum Saisonende im November statt, sie war nun letztes Rennen der 1953 neu geschaffenen Sportwagen-Weltmeisterschaft. Die Sportwagen- und Tourenwagenklassen wurden erstmals in jeweils zwei Kategorien aufgeteilt. In der „Small Sports Class“ waren die Motoren auf 1600 ccm begrenzt. Distanz 1912 Meilen (3080 km), 8 Etappen. „Large Sports Class“: 31 Fahrzeuge am Start, 9 im Ziel, „Small Sports Class“: 14 Fahrzeuge, 2 (!) im Ziel. Stock Class (large und small): 146 Fahrzeuge. Gesamtsieger: Lancia D 24 (Fangio).

Lancia D24, Sieger 1953 (Modell: Brumm)

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Lancia D24, Sieger 1953, hier das Modell von TopModelCollection

Gemischte Gefühle bei Lancia: Der aufwändige Einsatz mit fünf Werkswagen (drei neue D24 und zwei ältere D23, alle als Spider) und prominenten Fahrern brachte zwar den gewünschten Dreifacherfolg, der tödliche Unfall von Felice Bonetto im D23 verdarb aber die Freude am ersten Sieg eines Lancia in einem WM-Rennen. Am Ende gewann Fangio mit dem D24, ohne eine einzige Etappe für sich zu entscheiden. Die ersten fünf Etappensiege teilten sich zunächst die Lancia-Piloten Bonetto (1) und Taruffi (3 Siege) sowie ihr schärfster Konkurrent Umberto Maglioli mit seinem Ferrari 375 MM Coupé mit der Nr. 12. Dann fiel die 12 aus und Maglioli übernahm den weit zurückgefallenen 375 MM mit der Nr. 23, mit dem er sich trotz dreier Etappensiege am Ende nur noch auf den 6. Platz verbessern konnte. Lancia hatte somit am Ende leichtes Spiel. Auf die kleine Sportwagenklasse wird weiter unten eingegangen.

Ferrari 375 MM, aus dem Modellmuseum (Modell: John Day)

Ferrari 250 MM, Modell: Progetto K

Gordini T24S (Modell: Provence Moulage)

Talbot-Lago T26GS, Modell: Heco

1954: Die fünfte und – wie man 1954 noch nicht ahnen konnte – letzte Carrera fand wieder im November statt, da hate Ferrari den Sportwagen-WM-Titel bereits eingefahren. Die Tourenwagenklasse war nun dreigeteilt, neu installiert die „European Stock Class“, in der mehrere Alfa Romeo 1900 und VW sowie eine Borgward Isabella starteten. Distanz 1908 Meilen (3070 km), 8 Etappen. „Large Sports Class“: 20 Fahrzeuge am Start, 6 im Ziel, „Small Sports Class“ (bis 1500 ccm): 17 Fahrzeuge, 7 im Ziel. Tourenwagen (insgesamt): 109 Fahrzeuge. Gesamtsieger: Ferrari 375 Plus (Maglioli).

1954 hätte die Carrera zum absoluten Gipfeltreffen vieler Werksteams werden können, da neben Ferrari auch Jaguar und Mercedes mit dem 300 SLR einen Einsatz in Mexiko planten. Aber aus verschiedenen Gründen kam es nicht dazu – der neue 300 SLR war gerade erst in seiner Testphase, und Lancia war mit der Entwicklung des neuen Formel 1-Wagens für 1955 beschäftigt. So war Ferrari in der großen Klasse fast allein, man gewann folgerichtig mit Maglioli und dem offenen 375 Plus (fünf Etappensiege) das Rennen vor den  Amerikanern Phil Hill und Richie Ginther (drei Etappenerfolge) mit ihrem weißen 375 MM Spider. Die eigentliche Sensation aber war Porsche: Die beiden vom Werk eingesetzten 550 mit dem neuen 2 OHC-Rennmotor gewannen nicht nur überlegen die kleine Sportwagenklasse, sondern erreichen sogar Platz 3 und 4 in der Gesamtwertung – weiter unten dazu mehr.

Porsche 550, Platz 3 in der Gesamtwertung (Modell: Starter)

1955: „The End of the Mexican Fiesta“ (siehe Yves Kaltenbach, Triumph and Tragedy, The 1955 World Sports Car Season, Automobiles Historiques, 2004). Für November 1955 war die sechste Carrera als letzter Lauf zur Sportwagen-WM angesetzt. Mercedes plante einen Großeinsatz von vier 300 SLR, darunter zwei Coupés (die berühmten „Uhlenhaut Coupés“) und zwei offene Wagen, Ferrari wollte mit einem 5-Liter-V12-Monster (Typ 410S) dagegen halten. Dann kam es übers Jahr 1955 zu Finanzengpässen und politischen Querelen der mexikanischen Rennorganisation, der schwere Unfall in Le Mans 1955 und der Rücktritt von Mercedes verbesserten die Situation ebenfalls nicht. Man sprach von einer Verlegung der Carrera auf Anfang 1956, dann schließlich, im Oktober, kam das Aus, die Carrera war ein für alle Mal Geschichte. Wie das 300 SLR Coupé wohl ausgesehen hätte?

vielleicht so? (Modell: Resine-Bausatz von MRF)

2. Porsche-Renneinsätze bei der Carrera – die ersten Erfolge des Typs 550

Für Porsche-Anhänger schlug die Carrera-Stunde Null beim Rennen im November 1952 mit dem Debut zweier Porsche 356. Sie waren die Vorboten dessen, was in den beiden folgenden Jahren aus Zuffenhausen noch kommen sollte. Ich zitiere aus dem Buch „Porsche – Renngeschichte in Bildern“ von Carlo Demand und Michael Riedner (Motorbuch Verlag, 1990): „Auch zwei Wagen der noch jungen Stuttgarter Firma Porsche fanden den Weg nach Mexiko. Tatsächlich waren die beiden 356 Super – einer davon ein Coupé, der andere ein Cabriolet – die ersten Porsche, die überhaupt nach Mexiko importiert wurden. Hinter der ganzen Aktion stand… der mexikanische Volkswagen-Importeur Alfons zu Hohenlohe. Und weil man in Adelskreisen gerne unter sich bleibt, vertraute er die beiden Fahrzeuge Graf Berckheim (Coupé, Startnummer 10) und Fürst Alfons von Metternich (Cabrio, Nummer 11) an. Beide Porsche hatten den Anderthalbliter-Motor im Heck, der ganz serienmäßig 70 PS leistete.“, Zitat Ende.

Schließlich erreichte das blaugraue Cabrio einen beachtlichen 8. Platz in der Gesamtwertung. Leider gibt es bis heute (2017) im Maßstab 1:43 kein Modell dieses historisch wichtigen 356-Fahrzeugs.

Für 1953 hatte Porsche sich dann mehr vorgenommen, zumal die Carrera zur neuen Sportwagen-WM gehörte und weil es nunmehr zwei Sportwagenklassen gab: Ein Sieg in der „Small Sports Class“ war also möglich. Zum ersten Mal wurde der 550 in der WM in offener Form (später als „Spyder“ benannt) präsentiert, nachdem er sein internationales Debut im Juni in Le Mans noch als Coupé gab. 1953 fuhr er zwar noch mit dem weniger komplexen OHV-Motor des 356, aber bereits in der für die kommenden Jahre so typischen Spyder-Form. Vorjahressieger Karl Kling und das junge Talent Hans Herrmann fuhren die beiden Werkswagen mit den Fahrgestell-Nummern 03 (Kling) und 04, gesponsort von „Fletcher Aviation“, einer texanischen Hubschrauber-Firma, die in ihre Helikopter Porsche-Motoren einsetzte. Unterstützt wurden sie durch die beiden 550 Coupés, die das Werk im Sommer erfolgreich in Le Mans eingesetzt hatte (Fg-Nr. 01 und 02). In Mexiko fuhren sie unter der Flagge Guatemalas als Privateinsatz des Porsche-Importeurs Jaroslav Juhan, eines Tschechen, der nach Guatemala ausgewandert war. Weitere sechs 356 komplettierten die beachtliche Porsche-Armada, darunter auch zwei Gmünd-Alu-Coupés („356 SL“).

Porsche 550, Carrera Panam. 1953, Pilot: Hans Herrmann (Modell: BBR-Leader)

Die private Unterstützung war ein gelungener Schachzug, fielen doch die beiden neuen Werkswagen, die schnellsten Fahrzeuge in der Klasse, schon während der 2. Etappe aus. Die führende Rolle übernahmen nun das 550 Coupé mit der Startnummer 154 (Fg-Nr.01) mit Juhan und der Borgward 1500 RS Roadster mit Hartmann. Beide gewannen je drei der nächsten sechs Etappen. Vor der letzten Etappe führte der Borgward überlegen vor dem Juhan-Porsche. Im Verlauf dieser Etappe überschlugen sich dann die Ereignisse: Hartmanns Borgward hatte zunehmend mit Motorproblemen zu kämpfen, Juhans Porsche musste das Rennen ganz aufgeben. Hartmann erreichte das Ziel, hatte in der Gesamtabrechnung über eine Stunde Vorsprung vor dem letzten im Rennen verbliebenen 550 Porsche, dem Coupé mit der Nr. 152 und dem Fahrer Juan Herrarte Ariano (Fg-Nr. 02), aber die Maximalzeit der letzten Etappe (3 Stunden) hatte der Borgward um ganze 7 Sekunden (!) überschritten – Disqualifikation! Es war einer jener traurigen Momente des Motorsports, die mit dem Gerechtigkeitsempfinden so gar nicht vereinbar sind. Am Ende blieben nur noch zwei Konkurrenten übrig, der Herrarte-Porsche gewann vor einem fast serienmäßigen 356 mit Fernando Segura.

Porsche 356, Carrera Panam. 1953 (Modell: BBR-Project43)

Die meisten der 1953er Porsche-Modelle wurden vor mehreren Jahren bereits im Maßstab 1:43 als hervorragende Bausätze oder Fertigmodelle von BBR in den Reihen „Leader“ bzw. „Project 43“ präsentiert. Die Werkswagen und die 550 Coupés wurden auch von Starter produziert, das 550 Coupé mit der Nummer 154 nun wie gesagt auch von True Scale (siehe weiter unten). Sie alle bestechen insbesondere durch die in Europa damals völlig unüblichen Sponsor-Aufkleber. Besonders schön ist der zweifarbige 356 Super mit der Startnummer 162 (Fahrer Lippmann), er ist bei True Scale als Resincast-Modell angekündigt, ebenso der offene Werkswagen Typ 550 mit der Nummer 159 (Stand 2012).

Beim Borgward 1500 RS (Startnummern 155 und 156), dem großen Herausforderer Porsches, warten wir bis heute (2017) auf ein 1:43-Modell – eine der letzten Lücken auch im Kleinserienbereich, obwohl der RS mit dem auf dem Heck montierten Reserverad ein attraktives Modell abgeben würde. Im Internet kann man unter „Modelcarforum“ ein Modell des Borgward sehen (am besten in Google über „Borgward 1500 RS Carrera 1953“ im Bildermodus suchen), es handelt sich hier allerdings um ein Einzelstück eines britischen Modellbauers.

1954 setzte das Porsche-Werk drei offene 550 ein, dieses Mal mit dem 2 OHC-Rennmotor von Fuhrmann, mit zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderreihe, daher „2 OHC“, und ca. 110 PS. Hans Herrmann pilotierte den Vorjahreswagen (Fg-Nr. 04), und Jaroslav Juhan sowie Fernando Segura fuhren zwei 1954er 550 (Fg-Nr. 05 und 06), die sich in einigen Details (insbesondere in der Frontpartie) vom 1953er Herrmann-Wagen unterschieden. Hinzu kam Lopez-Chavez mit dem offenen, aus dem Coupé umgebauten 550 (Fg-Nr.01) und „Calzado Canada“-Aufklebern.

Porsche 550 (Fg-Nr. 01), Carrera Panam. 1954  (Modell: BBR-Leader)

Der Herrmann-Werkswagen trug Fletcher Aviation- und Telefunken-Werbung und hatte rot abgesetzte Heckflossen, der Juhan-Porsche war ohne Werbung, mit blauen Heckflossen. Seguras 550 war nicht alu-silber lackiert, sondern schwarz mit weißer Fronthaube und weißen Heckflossen, zum Teil fuhr er mit Abdeckungen der Hinterräder.

Porsche hatte Erfolg auf der ganzen Linie: In der Small Sports Class besetzte man mit den 550 und weiteren 356 sechs der ersten sieben Plätze, darunter Platz 1 und 2, und im Gesamtklassement lag man mit dem Herrmann- und dem Juhan-550 auf den Plätzen 3 und 4 – dies sollte Porsches größter internationaler Erfolg bis zum Gesamtsieg bei der Targa Florio 1956 bleiben: Der Name „Carrera“ wurde damit im Zusammenhang mit dem neuen Fuhrmann-Rennmotor zum Synonym für besonders sportliche Fahrzeuge des Hauses. Seit 1955 werden die Spitzenwagen bei Porsche mit diesem Zusatz bezeichnet, beginnend mit dem 1955 vorgestellten 356 A, in den der von Ernst Fuhrmann konstruierte 2 OHC-Rennmotor eingebaut wurde: Der 356 Carrera war geboren, ein potentes Sportgerät mit einem 1,5 Liter-Motor mit mehr als 100 PS, damals eine Sensation!! Seitdem ist der Name „Carrera“ sehr zum Leidwesen vieler Konkurrenten fest in Zuffenhausener Hand.

Auch die Porsche-Modelle 1954 wurden vor allem von BBR und Starter produziert. Starter und BBR (unter dem Label „Leader“) haben bzw. hatten alle drei Werkswagen und auch den 550 Nr. 01 „Canada“ mit der Nr. 51 im Programm. Unter den 356 wurde meines Wissens nur die Nr. 100 von BBR (Project 43) angeboten. Bei Borgward wieder Fehlanzeige – siehe 1953.

Porsche bei der Carrera Panamericana – Modelle in 1:43 (Stand 2012)

1952:

Porsche 356 (Nr. 10, Coupé) Graf von Berchheim (ex=ausgefallen),                               Porsche 356 (Nr. 11, Roadster) von Metternich (8. Platz)

Modelle in 1:43: Fehlanzeige, man muss sich mit Umbauten von 356-Serienfahrzeugen behelfen.

1953:

Porsche 550 (offen) (Nr. 159) Kling (ex=ausgefallen) FGN 04

Porsche 550 (offen) (Nr. 160) Herrmann (ex) FGN 03

Porsche 550 Coupé (Nr. 154) Juhan (ex) FGN 01

Porsche 550 Coupé (Nr. 152) Herrarte (1. Sport 1600) FGN 02

Porsche 356 (Nr. 151) Lopez-Chavez

Porsche 356 SL (Nr. 153) Suhr Contreras

Porsche 356 (Nr. 158) Segura (2. Sport 1600)

Porsche 356 (Nr. 162) Lippman (zweifarbige Lackierung)

Porsche 356 SL (Nr. 199) Castillo

Porsche 356 (Nr. 200) Evans (mit Evita Peron-Bild auf der Fronthaube)

Modelle in 1 :43:

550 (offen) (159, 160): Modelle von Leader (BBR) und Starter, als Diecasts von Brumm. Nr. 159 von True Scale.

550 Coupé (152, 154): Modelle von Starter, Nr. 152 von BBR (Leader), Nr. 154 von True Scale (Resincast)

356: Modelle von BBR (Project 43) (153, 162, 199, 200); Nr. 200 auch von Brumm und CDC als Diecast. Angekündigt von True Scale: Nr. 162 und 200 (Stand 2012).

1954:

Porsche 550 (offen) (Nr. 55) Herrmann (1. Sport 1500, 3. der Gesamtwertung) FGN 04

Porsche 550 (offen) (Nr. 56) Juhan (2. Sport 1500, 4. Gesamt) FGN 05

Porsche 550 (offen) (Nr. 58) Segura-Linge (4. Sport 1500, 12. Gesamt) FGN 06

Porsche 550 (offen) (Nr. 51) Lopez-Chavez (5. Sport 1500, 28. Gesamt) FGN 01

Porsche 356 (Nr. 53) Hirz (7. Sport 1500, 70. Gesamt)

Porsche 356 (Nr. 59) Beckert Estrada (6. Sport 1500, 67. Gesamt)

Porsche 356 (Nr. 100) Evans de Lopez

Modelle in 1 :43:

550 Nr. 55, 56, 58 und 61 von BBR (Leader) und von Starter

356 Nr. 100 von BBR (Project 43)

3. Die wichtigsten Teilnehmer (europäische Sportwagen) als Modelle in 1:43

Die als 1:43-Modelle lieferbaren (oder früher produzierten) Porsche wurden oben bereits genannt, die folgende Übersicht konzentriert sich daher auf die übrigen wichtigen europäischen Fahrzeuge, die bei der Carrera starteten. Der Sieger des ersten Rennens, der Oldsmobile 88, wurde übrigens von Tron (made by Provence Moulage) als Bausatz produziert.

Übersicht (Stand 2012)

Eine schöne Übersicht über die 1:43-Modelle der Carrera Panamericana (Porsche und andere Marken) findet sich zusammen mit vielen Modellfotos in einem Artikel in „Auto Miniatures“ Nr. 11 (Dezember 1996).

4. Porsche 550 Coupé (Carrera 1953) – Das TSM-Modell im Detail

Der Porsche 550, Fahrgestell-Nr. 01 und 02, ist für Modellsammler des Maßstabs 1:43 keine unbekannte Größe: Als Werkseinsatz in Le Mans 1953 oder als Privateinsatz bei der Carrera Panamericana Mexiko desselben Jahres war das Coupé schon vor 30 Jahren Thema für Modellhersteller, angefangen mit Metallbausätzen (Classic Cars) über Resine-Kits (Vroom, Starter) bis hin zu Kleinserien-Fertigmodellen (BBR-Leader). Es gab auch Großserien-Modelle, z.B. von Jolly Models, und seit 2010 von Spark das Le Mans-Coupé in aktueller Resincast-Qualität. Nun hat True Scale nachgezogen und das Coupé in der Version der Carrera Panamericana 1953 auf den Markt gebracht.

Porsche 550 Coupé, Fg-Nr. 01 und 02, Renneinsatz 1953

Die beiden ersten echten Rennsportwagen von Porsche mit Mittelmotor wurden 1953 wechselweise mit oder ohne Coupé-Dach eingesetzt. Debut war im Mai am Nürburgring (Eifelrennen) in offener Form, dann kamen Le Mans im Juni (Einsatz als Coupés) und das Rennen zur Deutschen Sportwagenmeisterschaft auf der Avus im Juli (wieder als Coupés), danach wieder in offener Form beim Bergrennen am Schauinsland. Am Ende wurden die beiden 550 an Jaroslav Juhan in Guatemala verkauft und starteten wieder als Coupés bei der Carrera im November 1953. Alle Renneinsätze erfolgten noch mit dem einfachen und standfesten 1500 Super-OHV-Motor, der neue Fuhrmann-2 OHC-Rennmotor wurde zwar bereits ab Sommer 1953 im neuen 550 (Fg-Nr. 03) getestet, aber erst 1954 international in Rennen eingesetzt.

Le Mans (Juni) – Sportwagen-WM: Fg-Nr. 01, Startnr. 44, Herrmann – Glöckler, 16. Platz  / Fg-Nr. 02, Startnr. 45, von Frankenberg – Frere, 15. Platz (Klassensieg 1500 ccm).

Avus (Juli) – Deutsche Sportwagenmeisterschaft: Fg-Nr. 01, Startnr. 131, Glöckler (ausgefallen)  /  Fg-Nr. 02, Startnr. 132, Herrmann, 2. Platz hinter Klenk auf einem Borgward 1500RS

Carrera Panamericana (November) – Sportwagen-WM: Fg-Nr. 01, Startnr. 154, Juhan (ausgefallen)  /  Fg-Nr. 02, Startnr. 152, Herrarte (Klassensieg 1600 ccm)

True Scale hat die Nr. 154 mit dem Piloten Jaroslav Juhan ausgewählt. Das Fahrzeug existiert in genau dieser „Kriegsbemalung“ noch heute, Fotos sind reichlich im Internet abrufbar. Vermutlich hat True Scale deshalb diesen Wagen als Vorbild genommen. Dieser Wagen kam in Mexiko zwar nicht ans Ziel (Ausfall auf der letzten Etappe), nach dem frühen Ausfall der beiden Werks-550 war er aber zusammen mit dem Borgward 1500RS von Hartmann das schnellste Fahrzeug in der 1,6 Liter-Klasse.

Da die Spark-Le Mans-Version und das True Scale-Carrera-Modell offenbar Ergebnisse derselben Entwicklung darstellen, decken sich viele der folgenden Anmerkungen mit jenen Rudi Seidels auf der Internetseite „auto & modell“ zum Spark-Le Mans-Coupé.

Pluspunkte: Das Modell erfüllt, gemessen am Radstand, den Maßstab 1:43, und seine Dachlinie und die Höhe der Windschutzscheibe entsprechen eher dem Original als etwa beim Vroom-Modell, bei dem die Frontscheibe zu schmal und das Dach etwas zu flach ist. Hervorzuheben ist außerdem die vorzügliche Lackierung in alu-silber, gerade weil sie nicht, wie sonst häufig üblich, durch einen Klarlacküberzug „glänzt“, sondern vorbildgerecht seidenmatt ist. Die Karosseriefugen sind, typisch für ein Resine-Modell, sehr fein, und sie wurden hier schwarz unterlegt – das mag Geschmackssache sein, ist aber sehr sauber und dezent ausgeführt, und die Fugen sind auch im Bereich der Startnummern sichtbar. Die Anbauteile (Scheinwerfer, Haubenverschlüsse, Lüftungsgitter usw.) erreichen Kleinserien-Standard. Die Decals sind einwandfrei platziert und korrekt. Das gilt im Besonderen für die „Siegel“, die über die Türen und die Front- und Heckhaube geklebt sind: Die Karosseriefugen werden hier – korrekterweise – überdeckt. Das Modell stellt also den 550 dar, so wie er im „Parc Ferme“ z.B. zwischen zwei Etappen der Carrera stand – hier hat True Scale sehr gut recherchiert. Das gilt ebenso für die Carrera-Schilder vorn und hinten, die nicht wie bei anderen Modellen als Decals auf der Karosserie kleben sondern auf separaten Metallplättchen. Die geteilten Seitenscheiben mit Lüftungsöffnung in der Mitte sind ebenfalls korrekt wiedergegeben, auch hier ist das True Scale Modell besser als andere Modell-Vorgänger.

Die Felgen sind beim True Scale-Modell recht ordentlich. Ich mag die filigranen Resine-Felgen von Vroom zwar lieber, sofern sie farblich korrekt gestaltet sind, aber True Scale ist hier jedenfalls besser als andere Modelle des 550. Durch einen leichten „Grauschleier“ über dem Alu-Lack (Straßen- und Bremsstaub) kommen die Konturen der Felgen recht gut zur Geltung.

Minuspunkte: Die Liste der Minuspunkte ist deutlich kürzer, und bis auf einen kritischen Punkt stören die Mängel kaum bzw. sie können nachträglich leicht ausgeräumt werden. Das gilt zum einen für den zwar filigranen, aber zu langen Scheibenwischer – es gibt Alternativen im Zubehörangebot zum Umrüsten. Zum anderen ist die rot-metallic-Farbe für die Heckleuchten nicht schön, sie sollte durch „normales“ Rot ersetzt werden. Schwerwiegender und störender ist die Ausrüstung mit 5mm starken Breitreifen – sie wären umgerechnet im Original ca. 22 cm breit, tatsächlich hatte der 550 aber vorn/hinten 5,0/5,25 Zoll-Reifen, umgerechnet 12,7/13,3 cm im Original bzw. 2,9/3,1 mm im Modell. Diese Fehlausstattung wird vor allem beim Blick von vorn oder hinten auf das Modell deutlich. Eine Korrektur wäre mit Reifen aus dem Modellbauer-Ersatzteillager sicher möglich, dazu müsste das Modell aber zerlegt werden – schade, ein blöder Fehler bei einem ansonsten sehr schönen Modell.

Quellen für den Bericht: Siehe Rubrik “Über diese Seite” → “Anmerkungen zu Minerva Endurance”. Weitere Quellen: Neben zahlreichen Internetquellen und den hilfreichen Hinweisen vom Modellbaukollegen PL haben mir insbesondere die folgenden Bücher bei den Recherchen geholfen:

Peter Morgan, Porsche in Motorsport, The First Fifty Years, Haynes, 2000.

Brian Long, Porsche Racing Cars 1953 to 1975, Veloce Publishing, 2008.

Daryl E. Murphy, Carrera Panamericana – History of the Mexican Roar Race 1950-1954, Motorbooks International, 1993.

Carlo Demand, Michael Riedner, Porsche – Renngeschichte in Bildern, Motorbuch Verlag, 1990.

 

 

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