John Fitch – 1917-2012

Am 31. Oktober 2012 verstarb John Fitch, einer der letzten Zeitzeugen der Sportwagenszene der 1950er Jahre, im Alter von 95 Jahren. Mit ihm sind 2012 auch bekannte Größen wie Carroll Shelby und Roy Salvadori von uns gegangen.

Gesamtsieg bei den 12 Stunden von Sebring 1953: John Fitch und Phil Walters mit dem Cunningham C4R (TopModel)

Shelby wurde 89, Salvadori 90 Jahre alt, beide verbindet ihr gemeinsamer Le Mans-Erfolg 1959 mit dem Aston Martin DBR1/300. Wie man sieht, wird die erlesene Gruppe von Grand Prix- und Sportwagenpiloten der goldenen 1950er Epoche von Jahr zu Jahr kleiner. Umso erfreulicher, dass die Rennfahrerlegenden Stirling Moss (Jahrgang 1929) oder Dan Gurney (Jahrgang 1931) und bei uns in Deutschland Hans Herrmann (Jahrgang 1928) im Jahr 2012 noch immer ein vitaler Teil des historischen Motorsports sind und uns mit ihren Erinnerungen an die schönste und spektakulärste Epoche des Motorsports begeistern.

John Fitch ist bei uns vielleicht nicht so bekannt, er war aber vor allem in den Jahren 1951 bis 1955 eine feste Größe in der amerikanischen Sportwagen-Szene rund um den Sports Car Club of America (SCCA) und bei den Endurance-Klassikern wie Sebring, Le Mans oder Carrera Panamericana. 1955 engagierte Mercedes-Benz ihn sogar für das Fahrerteam der Renneinsätze in der Formel 1 und insbesondere der Sportwagen-WM.

Nach seinen Jahren als Pilot der US Air Force begann Fitch 1949 mit dem Motorsport und gewann 1951 gleich die erste Meisterschaft des SCCA mit dem großen Cunningham C2R (mit Chrysler-Motor) und privat eingesetzten Ferraris. Im Juni 1951 folgte dann auch bereits der erste Start in Le Mans, wieder mit dem Cunningham C2R. Auch 1952 war Fitch zunächst Pilot im Team von Briggs Cunningham, mit dem neuen C4R startete er bei den 24 Stunden von Le Mans. Zum Jahresende setzte Mercedes-Rennleiter Neubauer ihn im 300 SL Prototyp bei der Carrera Panamericana ein. Er fuhr dort einen SL mit Roadster-Karosserie, wurde aber aufgrund einer Regelwidrigkeit des Mercedes-Teams kurz vor Schluss – an vierter Stelle liegend – disqualifiziert.

Le Mans 1951: Cunningham C2R (Provence Moulage)

Carrera Panamericana 1952: Mercedes-Benz 300 SL Roadster (Modell von Starter)

1953 war dann ein besonders erfolgreiches Jahr, erneut vor allem durch die Starts mit dem Cunningham Team. Im März erreichte Fitch zusammen mit Phil Walters bei den 12 Stunden von Sebring einen historischen Erfolg: Er gewann den ersten Lauf zur neu geschaffenen Sportwagen-WM mit dem C4R. Im Juni kam er, wiederum mit Walters, mit dem neuen C5R auf den 3. Rang in Le Mans, geschlagen nur von zwei Jaguar C mit den neuen Scheibenbremsen. Auch 1954 folgten Einsätze mit dem Cunningham oder wie in Le Mans mit einem von Cunningham modifizierten Ferrari 375 MM.

Le Mans 1953: Cunningham C5R (Bizarre)

Nochmals C5R in Le Mans 1953, hier das alte Dinky-Modell

Le Mans 1954: Einsatz eines von Cunningham modifizierten Ferrari 375 MM (Modell: Top Modell Collection)

1955 kam Fitch zum Mercedes-Rennteam, war Ersatzpilot bei den Grand Prix-Rennen und Teil der Sportwagen-Mannschaft rund um den 300 SLR Prototyp und den „normalen“ 300 SL Flügeltürer. Größter Erfolg war der Sieg bei der Tourist Trophy zusammen mit Stirling Moss, bemerkenswert auch sein fünfter Platz bei der Mille Miglia mit einem seriennahen 300 SL Coupé. Im Juni war er als Copilot von Pierre Levegh im dritten 300 SLR vorgesehen. Bekanntlich war dies der Mercedes, der nach zwei Rennstunden in den folgenschwersten Unfall der Motorsportgeschichte verwickelt war. Der Unfall kostete auch Levegh das Leben, und Fitch blieb in Le Mans 1955 ohne Renneinsatz. Dafür schaffte er zusammen mit Titterington am Saisonende mit dem 300 SLR noch einen vierten Platz bei der Targa Florio.

1956 kehrte Fitch in die amerikanische Rennszene zurück und wurde Werksfahrer bei Chevrolet (Corvette), fuhr aber auch für private Teams, u.a. Jaguar D (1956) und später Maserati, Cooper Monaco, Jaguar E und am Ende seiner Rennkarriere (1965/66) den Porsche 904. Beim Versuch von GM/Chevrolet, mit einem reinrassigen Rennsportwagen in den internationalen Langstreckensport einzugreifen, kam es 1957 nur zu einem kurzen Renndebut der Corvette SS bei den 12 Stunden von Sebring, die dort von Fitch und Taruffi pilotiert wurde. Danach zogen sich die US-Konzerne nach gegenseitiger Absprache für viele Jahre aus dem Spitzensport zurück (siehe Bericht zur Corvette SS).

Sebring 1957: Corvette SS (Auto Art)

Biographie über John Fitch (Antiquariat): James Grinnell, John Fitch – Racing through Life, Bookmarque Publ., 1993.

Modelle in 1:43, Pilot John Fitch (Stand 2012):

Cunningham C2R (1951) – Bizarre (Resincast), Provence Moulage (Resine Kit)

Cunningham C4R (1952, 1953) – TopModel (Resincast), Provence Moulage (Resine Kit)

Mercedes-Benz 300 SL Roadster (1952) – Starter (Resine Kit), Max Models (Diecast)

Cunningham C5R (1953) – Bizarre (Resincast), Provence Moulage (Resine Kit)

Cunningham Ferrari 375 MM (1954) – TopModel (Resine Kit), Provence Moulage (Resine Kit), BBR Leader (Metal Kit)

Mercedes-Benz 300 SL Mille Miglia (1955) – Schuco (Diecast)

Mercedes-Benz 300 SLR (1955) – SMTS (Metal Kit)

Chevrolet Corvette SS Sebring (1957) – Auto Art (Diecast), Provence Moulage (Resine Kit)

Chevrolet Corvette Le Mans (1960) – Spark (Resincast)

Das 1:43-Modellangebot ist beim Mercedes-Benz 300 SLR leider ein Trauerspiel angesichts der Tatsache, dass der SLR einer der wichtigsten Rennsportwagen des 20. Jahrhunderts war. Industriemodelle (Diecasts, z.B. von Minichamps oder Norev) entsprechen nicht mehr dem Standard aktueller Resincast-Modelle, außerdem werden immer nur die Varianten „Le Mans“ oder „Mille Miglia“ modelliert, nicht die Sieger der Tourist Trophy oder der Targa Florio. Der recht gute Kleinserien-Bausatz von SMTS ist über den Einzelhandel nicht mehr erhältlich und auch über Ebay nur schwer zu beschaffen. Es wird also Zeit für ein neues Modell in aktueller Resincast-Qualität, aber bitte nicht wieder als Le Mans- oder Mille Miglia-Version!

 

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