2025: 25 Jahre Spark Resincast-Modelle

„Von Sammlern für Sammler“

2025 – aktuell vor 25 Jahren – wurde unter dem Namen „SPARK“ ein neuer Modellauto-Hersteller aus der Taufe gehoben, der heute im Bereich des 1/43-Maßstabs eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Der Gründer und „Erfinder“ der Resincast-Fertigmodelle mittelgroßer Serien war damals in der Modellwelt kein Unbekannter: Hugo Ripert war Modellentwickler bei Vitesse (Quartzo, Onyx), einem der Diecast-Marktführer, und ab 2001 bei IXO. Außerdem war bereits sein Vater André eine bekannte Größe. Er stand in den späten 1970er Jahren hinter den ersten wirklich guten Resine-Kits (MRF und Record), Vorläufer der später etablierten Hersteller Starter und Provence Moulage (MRF = „Miniatures Roues Fils“).

Stellt man die Entstehung von Spark in den Kontext der Geschichte der 1/43-Modelle (siehe Bericht auf dieser Webseite), wird die Bedeutung dieser Gründung auf dem Weg in die 2000er Jahre deutlich. Dabei zählt Hugo Ripert neben vier weiteren Persönlichkeiten zu den  Pionieren der 1/43-Szenerie. (1) John Day hob 1971 die gerade neu entstandene „Küchentisch“-Produktion von Weißmetall-Bausätzen in Kleinserien auf ein professionelles Niveau; (2) André Marie Ruf erreichte ab 1975 mit seinen AMR-Metallbausätzen eine bis dahin unerreichte Qualität; (3) André Ripert entwickelte zusammen mit Jean-Pierre Gauthier die ersten überzeugenden Resine-Bausätze (1977 MRF, 1979 Record); (4) Paul Lang schuf ab 1990 mit den Labels „Paul´s Model Art“ bzw. „Minichamps“ einen Qualitätsschub bei den Diecast-Fertigmodellen, die in großer Serie in China gefertigt wurden. (5) Und im Jahr 2000 setzte Hugo Ripert seine neue Resincast-Serie in Qualität, Stückzahlen und Preis genau zwischen die preisgünstigen, in hoher Auflage produzierten Diecast-Fertigmodelle und die in Kleinserie produzierten Bausätze, die allerdings nur in Händen versierter Modellbauer glänzen konnten oder als Fertigmodelle deutlich teurer waren als die neuen Spark Modelle.

Ripert traf also bei seiner Gründung von Spark auf einen zweigeteilten Markt für 1/43-Sammlermodelle: Der Diecast-Bereich wurde bei den Rennsport-Modellen von Minichamps und der Vitesse-Gruppe beherrscht (IXO trat erst 2001 als Vitesse-Nachfolger auf). Die Fertigmodelle kosteten damals etwa zwischen 50 und 70 DM. Daneben gab es die vielfältige Welt der Kleinserien-Bausätze aus Resine oder Metall. Die Produzenten Starter und Provence Moulage boten die umfangreichsten Programme an, den höchsten Qualitätsstandard lieferte die BBR-Gruppe in der Nachfolge der legendären AMR-Modelle. Die Bausatzpreise lagen damals im Schnitt bei 50 DM, für Fertigmodelle der Hersteller musste man mindestens 200 und bis zu über 300 DM investieren. Die Bandbreite hinsichtlich Qualität und Preis war in diesem Modellsegment besonders groß.

Ripert entwickelte seine spezielle „Spark-Philosophie“, indem er Resincast-Modelle zwar wie bei den Kleinserien-Fertigmodellen in Handarbeit produzierte, dabei aber deutlich unter dem Preisniveau der Kleinserien blieb. Entwicklung und Produktion fanden in China statt. Die Entwicklung neuer Modelle und die Qualitätskontrolle lagen in den Händen europäischer Spezialisten lagen (Modellbauer, Motorsport-Experten usw.), und die Fertigung (Guss, Montage, Lackierung) erfolgte durch heimische Belegschaft (meist Frauen) unter Nutzung der dortigen Kostenvorteile (Löhne!).

Die Resine-Gusstechnik wurde gewählt, da sie im Vergleich zum Druckguss der Diecast-Modelle feiner gearbeitete Karosseriemerkmale, z.B. Haubenspalten, kleine Belüftungsöffnungen und Spoiler, erlaubt. Und in Verbindung mit relativ kleinen Stückzahlen um oder knapp 1000 – Massenfertigung wäre mit Resine-Technik gar nicht möglich – kann man im Gegensatz zum Druckguss kleinere Karosserie-Unterschiede von Rennsaison zu Saison oder zwischen den Einsatzteams berücksichtigen, zumal die Herstellung der Gussformen bei Resine-Modellen deutlich kostengünstiger ist.

Die Entwicklung der ersten Spark-Modelle und der Produktionsbeginn fielen noch ins Jahr 2000, da waren die Rennsportwagen, die 1999 in Le Mans am Start waren, die aktuellen Vorbilder. In den Handel kamen die ersten Spark-Modelle ab 2001.

Die ersten Spark-Modelle wurden im Jahr 2000 im französischen Modell-Journal „Auto Modelisme“ vorgestellt, hier zwei Riley&Scott, Le Mans 1999.

Ripert begann erst einmal mit einer behutsamen Umsetzung seiner Idee, an mehreren kleinen Produktionsstandorten im Süden Chinas (Provinz Guangdong), mit knapp 100 Beschäftigten und mit „Nischenmodellen“, die in Le Mans als Außenseiter in den hinteren Startreihen zu finden waren und von den großen 1/43-Playern nicht beachtet wurden. Das waren offene Sportwagen wie Lola (B98/10) oder Riley&Scott (Mk IIIB) sowie Reynard oder Courage. Die Preise lagen in der Anfangsphase immerhin nahe bei 100 DM, sie waren damit etwas höher als bei den Diecast-Modellen (Quartzo 60 DM/Minichamps 75 DM), aber auch deutlich niedriger als bei einem gut gebauten Bausatz oder einem Kleinserien-Fertigmodell (Starter 140-210 DM/ BBR an die 400 DM). Nach dieser ersten Zeit fielen die Preise allmählich unter die 100 DM-Marke, als sich der Erfolg dieser neuen Art von Modellautos einstellte. Die frühen Spark-Modelle sind daran erkennbar, dass sie in einer silbernen Blechbox ausgeliefert wurden, die Acryl-Boxen kamen erst später.

Lola T98/10 DAMS-Team, Le Mans 1999. Eines der ersten Spark-Modelle, geliefert in der Blechbox

Anmerkung zu den Spark-Preisen: 2001 wurde die DM bekanntlich vom Euro abgelöst, ein Betrag von 100 DM ergab damals ca. 51 Euro. Die Geldentwertung über die letzten 25 Jahre hat dazu geführt, dass ein Betrag von 80 DM im Jahr 2000 heute (2025) mit etwa 60-65 Euro zu veranschlagen ist. Die aktuellen Spark-Preise sind davon also nicht weit entfernt.

Wie ging es nun weiter? Die Spark-Idee wurde schon bald zum Erfolgsmodell: Der „dritte Weg“ zwischen Diecast-Großserienmodellen und Bausätzen bzw. Fertigmodellen in kleiner Auflage („European Cottage Industry“) entwickelte sich vom Nischenkonzept zu einer tragenden Säule im 1/43-Bereich – auf Kosten der in den 1980er Jahren noch dominierenden Bausätze. Mancher versierte Modellbauer mag es bedauert haben, dass man die meisten Spark-Modelle mit ihrem hohen Qualitätsstandard einfach so aus der Verpackung nehmen und in die Vitrine stellen konnte. Für andere, weniger geschickte Bastler war dieses neue Angebot dagegen höchst willkommen. Viele hatten – auch aufgrund der Arbeitsverdichtung der letzten 30 Jahre – nicht mehr die Zeit, einen Bausatz in ein Modell im Qualitätsniveau der Spark-Modelle zu verwandeln. Jedenfalls expandierte Spark kräftig, die Zahl der Beschäftigten stieg bis 2013 schnell auf einen Bereich um die 1000, konzentriert auf einen Firmenstandort in Zhuhai. Pro Jahr entstanden dort schon 2013 über eine Million Modelle.

Resincast- und Kleinserienmodell (Bausatz): links Riley&Scott Ford, Daytona-Sieger 1999 von Spark; rechts Riley&Scott Oldsmobile, Daytona-Sieger 1996 von Provence Moulage

Resincast- und Kleinserienmodell (Bausatz): links Kremer Porsche K8, Daytona-Sieger 1995, Provence Moulage; rechts Kremer Porsche K8, Le Mans 1996 von Spark

Natürlich blieb es im Zuge dieser Expansion nicht bei den Le Mans-Sportwagen der „hinteren Startreihen“. Sukzessive wurde das Modellprogramm erweitert. Bei den Sportwagen kamen alle Teile des Le Mans-Starterfelds sowie als neue Themen weitere Rennkurse und Wettbewerbe hinzu (Daytona, Sebring, Targa Florio, IMSA-Serie). Parallel zu diesem Kernprogramm wuchs das Programm um Formel-Rennwagen, Renntourenwagen, Rallye-Autos und Motorräder, außerdem kamen Straßensportwagen und PKW dazu, und in jüngerer Zeit spezielle Länderserien. Auch andere Maßstäbe (1/18, 1/87 usw.) wurden aufgegriffen, und über die Jahre kamen verschiedene Industrieaufträge hinzu, u.a. für Mercedes-Benz.

Betrachtet man das Modellprogramm von Spark, z.B. die Le Mans-Autos betreffend, ist bemerkenswert, dass man sich von Beginn an nicht auf die „Selbstgänger“ beschränkt hat, sondern der ursprünglichen Idee, auch Fahrzeuge aus den hinteren Startreihen und kleiner Hubraumklassen zu beachten, bis heute treu geblieben ist. Bei solchen „Exoten“ mit geringer Nachfrage bzw. Auflage ist die Kosten-Ertragsrechnung sicher ungünstig, was dann durch populäre Modelle auszugleichen ist. Die Produktplaner sind bei Spark offenbar nicht nur auf Business fokussiert, das Motto „Von Sammlern für Sammler“ wurde also auch heute noch nicht über Bord geworfen.

Zur jüngeren Entwicklung gehört auch die Eröffnung einer neuen Produktionsstätte in Madagaskar (2021), was offenbar ohne nennenswerte Qualitätsprobleme gelang. Es ist schon erstaunlich zu sehen, welches Personal sich hinter der Montage der Spark-Modelle verbirgt.

Im Verlauf der Jahre entstanden verschiedene Produktlinien, die der Spark-Idee folgten, z.T. unter dem Dach von Spark, z.T. in unterschiedlich enger Kooperation. In der Zeit 2004 bis 2009 gab es die Spark-eigene Linie „Red Line“, die sich auf Ferrari-Modelle konzentrierte, später übernahm „Looksmart“ diese Rolle. Spark selbst hat dagegen keine Ferrari-Modelle im Programm, vermutlich aufgrund der speziellen Lizenzbedingungen.

Ein anderes Beispiel ist „Bizarre“. Der Portugiese Fernando Pinto hat diese Firma gegründet, die Fertigung und der Vertrieb der Bizarre-Modelle laufen aber über Spark. Vor kurzem ist z.B. Schuco dazu übergegangen, einen Teil seines Modellprogramms bei Spark zu entwickeln und zu fertigen.

Anmerkungen zur Qualität der Spark-Modelle (Rennsportwagen)

Zwei Bemerkungen vorweg: (1) In diesem Bericht stehen – dem Schwerpunkt der Minerva-Webseite folgend – Rennsportwagen im Fokus. Dabei ist es sinnvoll, bei der Beurteilung nach verschiedenen Epochen zu unterscheiden: Sportwagen der 1950er Jahre, Prototypen und GTs der 1960er Jahre, Gruppe 5- und 6-Fahrzeuge (1970er), Gruppe C-Autos (1980er) und die modernen Autos (WSC, LMP, GT, 1990er und folgend). (2) Wer nach ehrlichen Beurteilungen von Spark-Modellen sucht, sollte die meist von Rudi Seidel verfassten, sehr gründlichen Darstellungen auf der „auto-und-modell“ Webseite heranziehen: Hoch kompetente und durchaus kritische Beurteilungen, garniert mit Ausführungen zur Geschichte der Vorbilder und mit vielen Modellfotos. Mittlerweile umfasst das „Archiv“ fast 500 Berichte zu Spark-Modellen.

Um es kurz zu fassen: Bei vier der fünf genannten Kategorien von Rennsportwagen kann man fast immer von korrekten Modellen in sehr guter Qualität ausgehen. Das gilt insbesondere für die jüngste Kategorie der Modelle ab 1990 (Le Mans Prototypen, GT1, GT2, GT3), bei denen man auf eine umfangreiche Information, auch digital, zurückgreifen kann. Bei den Autos der Zeit Mitte 1960er bis 1980er Jahre sind die Recherchen etwas schwieriger, da nicht alle Vorbilder mehr existieren. Andererseits ist das Bildmaterial  in modernen Internet-Zeiten umfangreich genug. Die Qualität der Spark-Modelle ist auch hier fast durchweg sehr gut. Bei den Modellen der Zeit bis etwa Mitte 1960 sind die Eindrücke dagegen gemischter Natur. Neben sehr schönen und korrekten Modellen (z.B. Aston Martin DBR1) gibt es auch solche mit Fehlern, die sich bei sorgfältiger Recherche vermeiden ließen. Es geht dabei u.a. um nicht korrekte Maße (Länge, Breite, Radstand), um falsche Reifendimensionen und um Kleinigkeiten, Fehler, die man angesichts der Professionalität bei Spark, der üppigen Preise und der hohen Qualität der Modelle neuerer Vorbilder eigentlich nicht nachvollziehen kann. Fazit von Rudi Seidel: „Vielleicht sollte Spark bei historischen Rennautos mehr Zeit in die Recherche stecken und auch mal Spezialisten konsultieren.“

Der Gesamteindruck des Spark-Modellprogramms bleibt aber alles in allem positiv, zumal sich diese vor 25 Jahren neu ins Leben gerufene Variante der Resincast-Fertigmodelle zu einem Riesenerfolg entwickelte und viele neue Anbieter hervorgebracht hat (z.B. True Scale, Neo Models, Autocult und andere). Für eine Modellsammlung zum Thema Rennsportwagen und Le Mans ist das Sortiment von Spark jedenfalls schon über viele Jahre unverzichtbar geworden.

Quellen

Spark-Webseite („sparkmodel“): „About Us“ → „Spark History“.

Journal „Motorsport Aktuell“, Artikel „Meisterwerke aus feinster Hand“, Nr. 11/2003.

Journal „Auto Modelisme“, 2000: Erste Fotos von Spark-Modellen (Lola, Riley&Scott) / 05/2001: Neue Spark-Modelle – Lola T98/10 (Konrad, DAMS, Le Mans 1999).

Webseite „1zu43.net“: „Spark – Ein Blick hinter die Kulissen“, 2014.

Journal/Webseite von Grand Prix Models: „Four Small Wheels“, 2009: „Meet the Manufacturers → Spark.“

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