Walter Glöckler und Max Hoffman

Dies ist ein Bericht über einen Autohändler und Rennfahrer aus Frankfurt, der in den ersten Nachkriegsjahren mit „Eigenbauten“ an den Start ging, die ab 1950/51 mit Porsche-Technik angetrieben und so zu Vorläufern des ersten Rennsportwagens aus Zuffenhausen (Typ „550“, später „Spyder“ genannt) wurden. Und über einen zweiten Autohändler, der aus Österreich in die USA auswanderte und in den 1950er Jahren zum wichtigsten Importeur europäischer Autos in den Vereinigten Staaten wurde. Die Rede ist von Walter Glöckler und Max Hoffman.

Über Walter Glöckler und seine auf Volkswagen- und vor allem Porsche-Technik basierenden Rennsportwagen wurde an anderer Stelle dieser Webseite bereits berichtet (Link). Man kann aus heutiger Sicht nur spekulieren, wie Porsches Einstieg in die Motorsport-Welt wohl ohne die Mittelmotor-Sportwagen von Glöckler ausgesehen hätte – ohne sie wäre der 550 Spyder vermutlich nicht oder jedenfalls nicht in dieser Form entstanden.

3 Glöckler-Eigenbauten mit Porsche-1,5-Liter-Motor, Rennsaisons 1951, 1952, 1953 (von links)

Und Max Hoffman, US-Importeur mit einer „Nase“ für europäische Sportwagen für die begierige amerikanische Kundschaft, war unstrittig eine der schillerndsten Figuren der Automobilgeschichte, speziell in den 1950er Jahren. Die Verbindungslinie zwischen beiden Persönlichkeiten entstand 1951/52, als Hoffman in kurzer Folge von Glöckler zwei seiner Eigenbauten erwarb und in  amerikanischen Sportwagenrennen einsetzte, wobei er anfangs selbst am Volant saß. Aber der Reihe nach…

ohne Max Hoffman als treibende Kraft hätte es diese Roadster vermutlich nie gegeben: Mercedes-Benz 300SL und 190SL, Porsche Speedster, BMW 507, Alfa Romeo Giulietta Spider

Im Jahr 1904 wurde Maximilian E. Hoffmann („MH“) als Sohn eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter in Wien geboren. MH arbeitete in den 1920er und frühen 1930er Jahren in der Fabrik seines Vaters, in der Nähmaschinen, Fahrräder und später Motorräder produziert wurden, er war dort auch an technischen Entwicklungen beteiligt und begann Motorradrennen zu fahren – der Motorsport wurde seine Passion. Gleichzeitig entwickelte er sein besonderes Verkaufstalent und wurde Generalimporteur für Volvo außerhalb Schwedens.

Die politische Lage in Deutschland und Ende der 1930er Jahre auch in Österreich führte dann dazu, dass sich sein Leben radikal ändert. MH flüchtete zunächst nach Paris und nach Kriegsausbruch nach New York (1941). Ohne wesentliche Geldmittel begann er dort als Modeschmuck-Designer und hatte damit sofort geschäftlichen Erfolg – Ergebnis seiner „Nase“ für Markttrends und seines Talents als Gestalter mit Sinn für Ästhetik.  Ab 1946 trat MH dann unter dem amerikanisierten Namen „Max Hoffman“ (mit einem „n“) auf und kehrte, nun bereits vermögend, zu seiner alten Leidenschaft zurück – dem Automobilgeschäft.

1947 gründete MH die „Hoffman Motor Car Company“ und bezog einen „Showroom“ in Manhattan, New York. Erstes Ausstellungsstück war ein mondänes Delahaye Coupé. Zunächst lag der Fokus auf Fahrzeugen britischer Premium-Hersteller (Rolls Royce, Bentley, Jaguar, Rover) und Sportwagen (Healey, Jaguar, MG, Morgan), auch der erste Volkswagen in den USA wurde von MH präsentiert (1949). Vor allem aber sah Hoffman bereits die Nachfrage nach kleineren sportlichen Roadstern voraus, die die amerikanischen Männer nach ihrer Rückkehr vom Kriegseinsatz in Europa als neues Spielzeug entdeckt hatten.

Hoffman und Porsche:

So war das Rendezvous mit Ferry Porsche beim Pariser Autosalon 1950 nur eine logische Konsequenz. Ergebnis dieses ersten Kontakts: 35 Porsche 356 wurden 1950/51 in die Staaten geliefert, und in der Folge waren die Exporte über MH in die USA eine wichtige Säule der Exportkarriere des 356. MH war auch einer der ersten, der mit einem 356 an Clubrennen der jungen amerikanischen Rennszene teilnahm; er überzeugte Ferry Porsche davon, ein attraktives Wappen zu entwerfen, das ab 1953 Lenkrad und Felgen zierte und bis heute präsent ist; und 1954 war er Initiator des „Speedster“, einer leichten, abgespeckten Version des 356 für die US-Boys (nicht zuletzt für James Dean), die damit ihrer Motorsport-Passion folgen konnten und dafür nicht mehr als 3000 Dollar anlegen mussten.

Porsche 356 Speedster (Modell: Corgi)

MH erschien wohl erstmals im Mai 1951 mit einem 356 (vermutlich ein Cabriolet) bei einem Bergrennen, und im Herbst des Jahres erwarb er von Walter Glöckler dessen „Eigenbau“ mit 1,5 Liter-Porsche-Motor aus der Saison 1951. Mit diesem Fahrzeug hatte Glöckler seine Klasse beim Bergrennen am Schauinsland und beim Rennen auf dem Grenzlandring gewonnen. Für die folgende Saison bereitete er bereits seinen nächsten Porsche-Eigenbau vor, daher konnte der Verkauf stattfinden. Hoffman startete mit dem Mittelmotor-Roadster erstmals im Dezember 1951 in Palm Beach, führte dort seine Klasse überlegen an, fiel dann aber mit technischem Defekt aus.

Glöckler Porsche 1500, Palm Beach 12/1951, Pilot: Max Hoffman (Modell: M.A. Scale)

1952 folgten weitere acht Einsätze des Fahrzeugs bei Berg- und Rundstreckenrennen, sechsmal mit MH am Steuer und zweimal mit Karl Brocken als Pilot, immerhin mit zwei Klassensiegen als Ausbeute. Weitere Rennen des Fahrzeugs folgten 1953. Einzelheiten zu den Renneinsätzen und zu den technischen und Karosseriemerkmalen dieses an MH verkaufen Glöckler Porsche werden im zweiten Teil des Berichts genannt. MH kaufte im Übrigen auch den 1952 folgenden Glöckler Eigenbau auf dem 356-Chassis und setzte ihn 1953 in US-Rennen ein, fuhr den Wagen aber nicht mehr selbst.

Glöckler Porsche 1500, Saison 1952/53 (hier: Nürburgring 1952, Helm Glöckler), Modell: Matrix

Hoffman und Mercedes-Benz:

Im Jahr 1952 etablierte sich eine zweite Verbindung mit einem deutschen Hersteller: Mercedes-Benz suchte nach der Präsentation der neuen Typen 220 und 300 im Jahr 1951 einen Partner für den Einstieg in den attraktiven US-Markt und setzte MH als Generalimporteur für die Ostküstenstaaten ein. Er vermisste allerdings offene Sportwagen im Daimler-Sortiment und verwies auf den 300 SL, den erfolgreichsten Rennsportwagen der Saison 1952, der für die neue Sportsaison 1953 bereits kräftig aufgerüstet wurde. MH gab den Stuttgartern eine Kaufgarantie von 1000 Sportwagen, möglichst in Roadster-Ausführung, bevor man dort überhaupt eine Straßenversion des 300 SL vorzeigen konnte.

Bei Mercedes zögerte man nicht lange und entwickelte aus dem Rennsport-SL für die Saison 1953 (der dann allerdings nie eingesetzt wurde) das straßengängige 300 SL-Coupé und parallel dazu gleich eine zivilere, preisgünstigere Version, den 190 SL, bereits in Roadster-Ausführung. Beide Fahrzeuge wurden im Februar 1954 bei der New York Motor Sports Show auf dem Max Hoffman-Stand präsentiert – eine Sensation! Der 300 SL als Roadster folgte allerdings erst drei Jahre später. Der berühmteste aller deutschen Sportwagen geht also letztlich auf die Intuition Max Hoffmans zurück, er spielte da eine ähnliche Rolle wie Emil Jellinek für Daimler und Maybach Ende des 19. Jahrhunderts.

Mercedes-Benz 300 SL Rennsportwagen, Saison 1952, Siege in Le Mans (Modell: Starter) und bei der Carrera Panamericana (Modell: Bang)

Mercedes-Benz 300 SL, Prototyp für die Rennsaison 1953 (Modell: Matrix), das Fahrzeug kam 1953 aber zu keinem Renneinsatz

Mercedes-Benz 300 SL Roadster 1957 (Modell: Schuco)

Mercedes-Benz 190 SL Roadster 1955 (Modell: Minichamps)

Hoffman und Alfa Romeo:

Bei Alfa Romeo war die 1954 neu geschaffene Giulietta-Baureihe nach dem Tipo 1900 die zweite Stufe auf dem Weg von der Manufaktur teurer Handarbeitsmodelle zum Großserienhersteller. Dabei wurde als kleiner Gruß aus der Küche zunächst das von Bertone entworfene Coupé (Giulietta Sprint) vorausgeschickt, das wie eine Rakete einschlug. Die „Berlina“ folgte dann erst 1955. MH war da bereits Alfa-Importeur in den Staaten, und natürlich verlangte er sogleich nach einer offenen Version für seine Kundschaft, verbunden mit einer Kaufgarantie von 600 Fahrzeugen und mit einigen Vorgaben: Im Interesse verwöhnter Amerikaner überzeugte MH die Italiener davon, vom spartanischen Charakter britischer Roadster abzuweichen und den Spider mit „ordentlichen“, per Kurbel absenkbaren Seitenscheiben, einer großen Frontscheibe, einem vernünftigen, leicht aufzubauenden Verdeck, einer Heizung und einem gewissen Federungskomfort auszustatten. Und trotz dieser Komfortzugeständnisse war der Alfa den Briten der entsprechenden Hubraumklasse in seinen Fahrleistungen und seiner technischen Brillanz hoch überlegen. Hätte es Alfas lange Spider-Tradition womöglich ohne MH gar nicht gegeben? Und womit wäre dann wohl Benjamin Braddock alias Dustin Hoffman in „The Graduate“ herumgefahren?

Alfa Romeo Giulietta Spider 1956 (Detail Cars)

Alfa Romeo Giulietta-Reihe: Sprint, Berlina und Spider

Alfa Romeo Spider-Tradition: Giulietta, Duetto und Fastback (Coda Tronca)

Hoffman und BMW:

Dasselbe Spiel fand Mitte der 1950er Jahre mit der deutschen Premiummarke BMW statt: Der eher konservative, aber modern motorisierte Typ 502 V8 lieferte – so MH – eine geeignete Basis für ein luxuriöses Coupé und einen attraktiven zweisitzigen Roadster. Aus der Idee entstanden dann der 503 und der 507. Erste Entwürfe von BMW zum 507 waren MH allerdings zu altbacken. Zusammen mit dem Designer Albrecht von Goertz setzte er einen deutlich moderneren, knackigen Gegenentwurf durch, der heute als Design-Ikone gilt: Der legendäre Typ 507 geriet dann aber doch recht teuer, nach heutiger Kaufkraft an die 200.000 Euro, und er erreichte sowohl in den Staaten wie auch in Europa bei weitem nicht die Stückzahlen des 300 SL, dessen Weltruf natürlich auch durch die Sporterfolge von Mercedes in den Jahren 1954/55 befördert wurde. Bis 1975 war MH Importeur von BMW-Fahrzeugen, und 1968 griff er ein letztes Mal in die Modellgeschichte ein, indem er BMW zum Einbau seines kräftigen 2 Liter-Motors in den kleinen 1602-Zweitürer riet: Der 2002 war geboren, endlich ein würdiger Konkurrent der Alfa Giulia und Ausgangspunkt vieler weiterer Sportlimousinen bei BMW.

BMW 507 (Minichamps)

BMW 503 (Detail Cars) und 507 – beide entworfen von Graf von Goertz

Nach dem Ausstieg als BMW-Importeur  1975 war MH nur noch Privatier – der Autohändler, der viel mehr war als das, verstarb 1981.

Max Hoffman und der Glöckler Porsche: Bausatz von M.A. Scale in 1:43

MA Scale Bausatz

1978, also bereits im ersten Jahrzehnt der Geschichte der 1:43-Kleinserien-Bausätze, startete der Amerikaner Mike Arensdorf seine Serie von Bausätzen unter dem Namen „M.A. Scale Models“ (kurz: „MA Scale“). Mittlerweile, nach 40 Jahren, umfasst das Programm über 700 Modelle, Rennsportwagen der europäisch dominierten FIA-Meisterschaften sowie IMSA Rennsportwagen, CANAM Rennwagen und Rennwagen der Indianapolis-Formel.

Bestellungen können direkt bei Mike Arensdorf über seine sehr informative Webseite („mamodels“) erfolgen, ein europäischer Versand ist mir nicht bekannt (falls der Leser eine Adresse kennt, bitte ich um eine kurze Email). Das ist bedauerlich, denn aus dem relativ günstigen Preis für einen Bausatz (ca. 45 Dollar, zurzeit sind das ca. 37 Euro) wird bei erheblichen Kosten für den Versand nach Europa und für den Importzoll ein doppelt so hoher Endpreis, den man (mein Tipp) deutlich senken könnte, wenn das Modell an eine US-Adresse geliefert wird.

Wer bereits MA Scale-Kits gebaut hat, kennt die Machart und Qualität der Modelle. Sie sind bei weitem nicht so perfekt wie professionelle Bausätze aus jüngerer Zeit. Das gilt insbesondere für die Qualität der Gussteile (meist Resine für die Karosserie und Metall für Kleinteile): Die Strukturen der Karosserie (Hauben- und Türspalten, Grills) sind nicht so fein herausgearbeitet wie bei Provence Moulage-Kits oder neueren Resine-Bausätzen. Andererseits zeigen die MA Scale Kits die Handschrift eines passionierten Modellbauers, der die Modelle nicht auf Perfektion trimmt, ihnen aber doch ein besonderes Flair verleiht. Und schließlich findet man im umfangreichen Sortiment viele Sonderlinge, die woanders noch nie angeboten wurden oder ansonsten seit langem nicht mehr im Handel sind.

Ein solches Beispiel ist der hier präsentierte Glöckler Porsche, der im Herbst 1951 von Walter Glöckler an Max Hoffman verkauft und dann in US-Clubrennen eingesetzt wurde. Von ihm existiert – Stand Frühjahr 2018 – in 1:43 nur das hier gezeigte Modell, und es gibt bei MA Scale viele ähnliche Beispiele, nicht nur bei Fahrzeugen aus den US-Rennserien IMSA, CANAM oder INDY.

Der Glöckler Porsche von MA Scale trägt die laufende Modellnummer 501, er gehört also zu den neueren Kits der Serie – ich schätze, er ist in den ersten Jahren nach 2000 aufgelegt worden. Die MA Scale-Version hat die Startnummer 77, er startete in Torrey Pines im Juli oder Dezember  1952, als er bereits nicht mehr von Hoffman gefahren wurde (ihm aber noch gehörte). Pilot war Karl Brocken. Anmerkung: In der Rennlegende dieses Fahrzeugs (auf der „racingsportscars“-Webseite) werden zwei Starts in Torrey Pines genannt (dort fanden Rennen im Juli und im Dezember 1952 statt), beide mit derselben Startnummer und mit Karl Brocken am Steuer. Ich vermute, das Fahrzeug sah bei beiden Events gleich aus. Die Farbfotos aus dem Buch von Tony Adriaensens, „Weekend Heroes“ (siehe Quellen), die dem MA Scale-Modell entsprechen,  stammen jedenfalls vom Dezember-Rennen.

Die hier gezeigte Version dieses Fahrzeugs stellt dagegen den ersten Renneinsatz in den Staaten dar: Hoffman fuhr ihn selbst Ende 1951 in Palm Beach mit der Startnummer 40, führte die 1,5 Liter-Klasse überlegen an, fiel aber am Ende aus. Der Palm Beach-Glöckler unterscheidet sich von der Torrey Pines-Version nicht nur durch die Startnummer, sondern durch diverse Karosseriedetails. Aufgrund der spärlichen SW-Fotos aus jener Zeit bleiben dabei noch einige Fragen ungeklärt, dazu gleich mehr.

Die Renneinsätze des Glöckler Porsche 1,5 Liter der Saison 1951/52 sind in einer Tabelle zusammengestellt worden, in der auch die Karosserievarianten, die Modellsituation und die mit Google-Suche (oder in einschlägiger Literatur) auffindbaren SW- und Farbfotos aufgeführt sind. Interessant sind dabei zwei Fotos, die nicht die übliche Ansicht von vorn oder von der Seite zeigen:  Ein Foto im Buch J. Sloniger (siehe Quellen) zeigt auf der Seite 3 das Cockpitinnere bei der Torrey Pines-Version, und ein anderes Foto aus dem Internet („Velocetoday“) zeigt die Heckpartie der Nr. 48 (Bridgehampton). Farbfotos sind mir nur von der Torrey Pines-Version (vermutlich vom Dezember 1952) bekannt. Die US-Versionen können ohne erheblichen Modellbau-Aufwand mit dem MA Scale-Kit hergestellt werden, dagegen sind die ersten Versionen, die von Walter Glöckler noch in Deutschland gefahren wurden, nur schwer herzustellen: Das offene Schauinsland-Fahrzeug hatte eine auf dem Heck auslaufende aerodynamische Kopfstütze, wie sie später in den 1950er Jahren bei Rennsportwagen häufig verwendet wurde. Und die Fahrzeuge vom Grenzlandring und von den Rekordfahrten in Montlhery hatten eine aerodynamische Fahrerkanzel, die im MA Scale-Kit nicht  vorhanden ist.

Karosserie-Eigenschaften der „Palm Beach“-Version im Vergleich zur MA Scale-„Torrey Pines“-Version:

Startnummer 40 statt 77: Die blauen „77“-Nummern im MA Scale Decalsatz sind durch Startnummern „40“ aus dem Decal-Reservoir des Modellbauers zu ersetzen. Zwei Fragen bleiben offen: (1) Welche Farbe hatten die Startnummern? Die SW-Fotos zeigen einen dunklen Farbton, daher wurden hier schwarze Ziffern verwendet. (2) War eine vierte Startnummer auf der Heckpartie angebracht? Und wo? Hier geben die mir bekannten SW-Fotos leider keinen Hinweis. Jedenfalls sollten die eckigen Enden der Ziffern „4“ abgerundet werden.

Querstreifen über die Fronthaube: Beim Torrey Pines-Auto war der Streifen hellblau (ist durch Farbfotos belegt). Für das Palm Beach-Modell wurde der blaue Streifen aus dem Decalsatz übernommen, obwohl die SW-Fotos natürlich keinen Hinweis auf die Farbe geben.

Die Abdeckung über dem Beifahrersitz, vermutlich aus Aluminium, ist beim MA Scale-Modell gegenüber der Karosserie erhöht. Das ist (jedenfalls in diesem Ausmaß) nicht korrekt, daher ist hier Schleifarbeit nötig, und die Fugen zwischen Abdeckung und Karosserie müssen entsprechend nachgezeichnet werden. Außerdem hatte die Palm Beach-Version auf der Fahrerseite (zwischen Fahrer und Tür) zusätzlich eine schmale Abdeckung aus Stoff oder Leder (aufgeknöpft), Farbe hellgrau oder beige. Diese müsste also nachgebaut werden.

Die Motorbelüftung auf der Heckpartie (zwei Grillgitter) ist bei der Torrey Pines-Version teilweise durch zwei Hutzen abgedeckt, die die Kühlluft zum Motorraum kanalisieren sollen. Diese fehlten noch bei der Palm Beach-Version, dort sind die beiden Grills voll sichtbar. Leider enthielt mein MA Scale-Kit nicht diese Grills, daher musste dort mit Hilfe von Resine-Nachgüssen improvisiert werden. Meines Wissens gibt es für die typischen Porsche Spyder-Grills auf der Heckpartie kein Angebot im 1:43-Kleinteilesortiment – oder doch?

Der MA Scale Kit im Detail:

Der Bausatz besteht aus folgenden Elementen: Bausatzteile, 1 A4-Blatt einer Explosionszeichnung , 1 Farbfoto des gebauten Kits (Torrey Pines-Version), 1 Decal-Blatt. Bausatzteile: Karosserie und Bodenplatte (Resine); weitere Teile als Metallgüsse: 2 Sitze, Türinnenseiten, Lenkrad, Felgen, Armaturenbrett, Kleinteile (Radmuttern, Rückspiegel, Heckleuchten, Schalthebel, Auspuff); Reifen; keine Ätzteile!

Über die Gussqualität wurde bereits berichtet, sie entspricht dem üblichen MA Scale-Standard. Die Karosserie ist in ihren Proportionen allem Anschein nach gelungen. Das Modell hat umgerechnet (1:43) einen Radstand von ca. 2,05 m, ist also wohl maßstabgerecht. Die Frontscheinwerfer vom Typ Volkswagen sind im Guss integriert, also kein separater Teil des Kits. Das kann man unter Verwendung von 1:43-VW-Scheinwerfern nachträglich ändern, oder man begnügt sich mit einer entsprechenden Farbgestaltung. Für die einfachere zweite Variante spricht die auf einigen SW-Fotos des Hoffman-Glöcklers sichtbare Abdeckung der Scheinwerfer mit einer (Alu?) Kappe.

Die sehr guten Decals umfassen die Startnummern, den blauen Querstreifen (Front), die Belüftungsschlitze und das schwarze Kennzeichenfeld auf dem Heck, die Löcher auf den Magnesiumfelgen und einen dünnen Kreis auf der Front. Natürlich wären „echte“ Löcher in den Felgen besser gewesen, aber die Lösung mit Decals ist auch recht gut gelungen. Wofür der schwarze Kreisrand vorn steht, weiß ich nicht – war auf der Front vielleicht eine runde Öffnung für Flüssigkeitswartung vorgesehen?

Die beiden Sitze sind in Metallguss, sie haben unterschiedliche Ausmaße, und die zum besseren Seitenhalt vorgesehenen Metallrohre wurden ebenfalls nicht vergessen. Allerdings ist der Fahrersitz zu groß geraten. Das SW-Foto des Cockpits (im Buch J. Sloniger, siehe Quellen, S. 3) zeigt, dass als Fahrersitz wie beim Beifahrer nur eine kleine Sitzschale diente und dass zwischen beiden Sitzen eine größere Lücke bestand. Die MA Scale-Sitze passen durch den zu breiten Fahrersitz nur bündig, also ohne Zwischenraum, ins Cockpit – das kann man akzeptieren oder man kann andere Sitze aus der Modellbauer-Grabbelkiste nehmen.

Das MA Scale-Lenkrad wurde ebenfalls als Metallguss gefertigt. Wenn man sich die Mühe macht, die Gussgrate sorgfältig zu entfernen, kann daraus ein recht schönes Teil werden. Die Anordnung der Speichen ist aber – wieder gemessen an dem Cockpit-Foto – nicht korrekt. Das Originalfahrzeug hatte drei dünne (Alu?) Doppelspeichen im gleichmäßigen Winkel von 1200 und einen hellen Lenkradkranz. Das hier in Fotos gezeigte Modell wurde mit einem geätzten Lenkrad aus dem 1:43-Kleinteileangebot ausgestattet, das allerdings einen zu dicken Lenkradkranz aufweist.

Die Felgen und Reifen haben die korrekte Größe, die Reifen sind also nicht zu breit, wie sonst häufig bei Modellen dieser Epoche. Die Felgen sehen mit den Loch-Decals  am Ende gut aus, sie sollten aber mit schöneren Radmuttern ausgestattet werden, die MA Scale-Muttern (Metallguss) sind dagegen nicht gut gelungen.

Dem Kit wurde außerdem ein Gussteil für das Armaturenbrett beigefügt. Dieser ist – so meine Erfahrung beim Bau des Kits – gänzlich ungeeignet, also weg damit. Tatsächlich sind die Armaturen beim Original auf einem schlichten Alu-Brett angebracht, wiederum hilft hier die SW-Cockpitaufnahme. Das kann man recht einfach selbst nachrüsten.

Es fehlen nun nur noch die beiden Porsche-Schriftzüge vorn und hinten, dazu gibt es passende Ätzteile im 1:43-Zubehörangebot, und die halbrunde, plane Frontscheibe.

Letztlich muss der Modellsammler angesichts dieser recht durchwachsenen Qualität des MA Scale-Kits selbst entscheiden, ob man geduldig auf ein Resincast- oder Kit-Angebot aktueller Qualität warten will oder ob man den Bausatz kauft und mit mehr oder weniger Aufwand korrigiert und verfeinert.

Bausatzanleitung von M.A. Scale

Bild vom fertigen Modell als Beilage zum M.A. Scale Kit: Version Torrey Pines 1952

Glöckler Porsche 1500, Palm Beach 1951, Fahrer: Max Hoffman

Quellen:

Brian Long, Porsche Racing Cars 1953 to 1975, Veloce Publishing 2008  /  Carlo Demand, Michael Riedner, Porsche – Renngeschichte in Bildern, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1990  / Reinald Schumann, Motor­sport in Deutschland 1945-1955, Motorbuch, 1992 /  Reinald Schumann, Deutscher Automobil-Rennsport 1946-1955, Monsenstein und Vannerdat, Münster 2013  /  Jerry Sloniger, Porsche – The 4-Cylinder, 4-Cam Sports & Racing Cars, Dean Batchelor Publ., Reno (Nevada) 1977  /  Tony Adriaensens, Weekend Heroes,  CorsaResearch BVBA, Antwerpen-Belgien, 2007.

Webseiten (eine Auswahl, Suche am besten über Google oder andere Suchprogramme, hier werden nur Kurznamen genannt):

Zu Hoffman: steinerag, nytimes (Report vom 18.3.2007), kulturgut-mobilitaet, stern.de (auto-fahrberichte, vom 26.9.2014), drivetoamerica, motor1, racingsportscars, wikipedia

Zu Glöckler: wikipedia, racingsportscars, porsche-frankfurt und porsche-badhomburg (Webseiten des Glöckler Porsche Zentrums Frankfurt), derrit, velocetoday, pinterest, weinberg-oldtimer (zum Glöckler Coupé von 1954)

 

 

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