Porsche 718-047 alias 718 W-RS Spyder

Bericht von 2011, aktuelle Ergänzung zum RS 61 Spyder (718 W-RS) vom März 2017

Resine-Bausätze in 1:43 von Starter und Jade / Resincast-Modelle von Spark

RS 61, 718/8, W-RS, Großmutter: Der Porsche Spyder mit der Fahrgestellnummer 718-047 hatte viele Namen und eine ebenso bewegte Rennhistorie. Er war der letzte Rennsportwagen von Porsche im klassischen Design, mit Alu-Karosserie auf Stahlrohrrahmen, direkter Nachfahre der 550 Spyder der 1950er Jahre.

Porsche 718 W-RS Spyder, Achtzylinder, Targa Florio 1964 (Modell: Starter)

Er wurde in vier Rennsaisons eingesetzt (daher am Ende der Name „Großmutter“), in Le Mans, bei der Targa Florio, am Nürburgring, in den U.S.A. und bei der Bergeuropameisterschaft. Und er war einer der wenigen Porsche-Rennsportwagen, die von hochkarätigen Formel 1-Assen pilotiert wurden: Graham Hill, Dan Gurney, Joakim Bonnier.

Bei all den genannten Besonderheiten des 718 W-RS Spyder ist es schon verwunderlich, dass das 1:43-Modellangebot über viele Jahre nur spärlich war: Es gab Bausätze aus grauer Vorzeit (John Day, Grand Prix Models, Modellos 3J) und 1987/88 von Starter. Die Franzosen hatten die beiden Le Mans-Versionen des 718 W-RS Spyder im Programm, also von Le Mans 1961 und 1963, beide in gewohnter Starter-Qualität der 1980er Jahre. Mittlerweile sind diese aber längst nicht mehr im Handel erhältlich, und der Modellstandard der Starter-Bausätze ist auch nicht mehr auf neuestem Stand.

718 W-RS Spyder und 718 GTR Coupé – Modelle von John Day

Ab 2010 bot der französische Kleinserienhersteller Jade dann einen Resine-Bausatz des 718 W-RS Spyder an, wobei der Bausatz (angeblich) alle 1962 bis 1964 eingesetzten Achtzylinder-Versionen abdecken soll. Dazu später mehr. Ab 2011 kam dann sogar Resincast-Hersteller Spark mit verschiedenen Versionen des 718 W-RS auf den Markt, zunächst kam die Version Le Mans 1963, später auch weitere Varianten des Achtzylinder-W-RS. Das Modellangebot zu diesem Fahrzeug ist seitdem also besser als zuvor, es fehlt aber (Stand März 2017) immer noch ein aktuelles Modell zum 1961er Vierzylinder (RS 61).

Verfolgt man die Renngeschichte der Nr. 718 W-RS (718-047), so sind eigentlich weniger die Le Mans- sondern die Targa Florio-Versionen interessant: Hier zielte Porsche auf den Gesamtsieg. Allerdings gelang dies in den Jahren 1961-1964 nicht dem Spyder, sondern nur dem 718 GTR Coupé (1963 mit Bonnier–Abate), davon wurde auf dieser Internetseite bereits berichtet (Link). Wichtigster Rennerfolg des 718 W-RS Spyder bleibt damit der zweifache Gewinn der Bergeuropameisterschaft 1963 und 1964 mit Edgar Barth.

Einige Daten zur Renngeschichte des 718-047 in Stichworten:

1961: Debut zur Targa Florio im Mai 1961, mit längerem Radstand als das einen Monat später in Le Mans eingesetzte RS 61 Le Mans Coupé (2335mm statt 2200mm). Einsatz des herkömmlichen, z.T. auf 2 Liter vergrößerten Vierzylinder-Motors aus dem Vorjahr (ca. 165 PS). Der längere Radstand deutet aber schon darauf hin, dass der 718-047 für den Einsatz eines Achtzylinder-Motors ausgelegt ist, der 1961 für die Formel 1-Saison 1962 entwickelt wurde. Bei der Targa Florio hat der Spyder die Startnummer 134, er ist noch unlackiert, und die Heckpartie „schmückt“ ein aerodynamischer „Buckel“. Einsatz mit Bonnier und Gurney, 2. Platz hinter einem Ferrari 246 SP. Danach Einsatz am Nürburgring und in Le Mans (Startnummer 33, Gregory-Bob Holbert, 5. Platz), wieder mit dem Buckel auf dem Heck.

1962: Debut des 718 W-RS (047) mit dem neuen Achtzylinder-Motor bei der Targa Florio, zusammen mit dem 718 GTR Coupé, Einsatz unter dem Banner der Scuderia Venezia, Spyder in silber, Coupé in matt rot lackiert. Einige Daten: 1981ccm Hubraum, 210 PS (8400 U/min), später 225 PS. 6 Gänge, Gewicht 640 kg. Stahl-Gitterrohrrahmen, neue Scheibenbremsen (ein Bericht des GTR-Modells von Spark kann hier aufgerufen werden). Einsatz des Spyder bei der Targa Florio ohne den 1961er Buckel, mit Bonnier–Gurney, Startnummer 100, Ausfall mit Bremsproblemen. Das Coupé erreicht den 3. Platz (Vaccarella–Graham Hill). Danach Einsatz beim 1000km Rennen auf dem Nürburgring (Nr. 111, Graham Hill–Herrmann, 3. Platz). Kein Einsatz in Le Mans, dafür Einsätze in den U.S.A. (Sprintrennen) und bei der Bergeuropameisterschaft.

1963: Einsatz des 718 W-RS bei der Targa Florio: Nr. 156 (Maglioli–Baghetti), mit neuer Vorderradaufhängung. Nur Platz 7 nach technischen Problemen. Sieg des 718 GTR Coupé mit Bonnier–Abate (Nr. 160, Resine-Bausätze von Starter oder Jade, ein Bericht zum Jade-Bausatz kann hier aufgerufen werden). Danach Einsatz bei den 1000 km auf dem Nürburgring (Nr. 101, Edgar Barth–Linge, Ausfall) und in Le Mans (Nr. 28, Barth–Linge, 8. Platz nach technischen Problemen), Bausätze von Starter und Jade, Resincast-Fertigmodell von Spark. Mit Edgar Barth holt sich mit dem Spyder die Bergeuropameisterschaft.

1964: In der vierten Rennsaison wird der 718 W-RS vom Porsche Rennteam nur noch „Großmutter“ genannt. Neben der Bergeuropameisterschaft, die wiederum Edgar Barth gewinnt, erfolgten bei den Langstreckenrennen nur noch Einsätze in Sebring (Nr. 41) und bei der Targa Florio, wo der Spyder aufgrund der Abwesenheit des Ferrari-Werksteams Favorit ist. Der W-RS mit der Startnummer 188 (Graham Hill–Bonnier) ist dort Trainingsschnellster und führt in der 1. Runde, fällt dann aber in der 2. Runde aus. Mit dem Sieg des 904 GTS beginnt bei der Targa 1964 Porsches Zukunft, und die Epoche der Alu-Silberlinge findet ihr Ende. In den weiteren Rennen wird der Achtzylinder-Motor in den 904 verpflanzt, der als Prototyp neben den 904 GTS mit Vierzylinder-Motoren eingesetzt wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Insgesamt also eine Rennkarriere mit vielfältigen Einsätzen und gemischten Erfolgen – abseits der Bergeuropameisterschaft gelingt dem 718 W-RS Spyder bei den Langstreckenrennen leider kein durchschlagender Erfolg.

Variationen des 718 W-RS Spyder

Egal, auf welches Modell man zurückgreift – Bausatz von Starter oder Jade, Resincast von Spark – man muss je nach Einsatzjahr und Rennen genau die jeweiligen Karosseriebesonderheiten recherchieren, denn die Form der Front, des Heckbereichs und der Frontscheibe unterscheiden sich von Jahr zu Jahr und von Rennen zu Rennen, und Heckspoiler, Überrollbügel oder Zusatzscheinwerfer werden mal verwendet und mal nicht. Gelegentlich wurden in die Front auch zwei Hupen (!) eingebaut. Auch bei den Rückspiegeln und den Kühlschlitzen seitlich muss genau recherchiert werden. Und natürlich müssen die jeweils entsprechenden Startnummern beachtet werden.

Die folgende Übersicht kann dabei Hilfestellung leisten. Ich danke in diesem Zusammenhang übrigens meinem Modellbaukollegen PL für seine gründlichen Recherchen.

Übersicht: Einsatz des 718 W-RS Spyder in Langstreckenrennen 1961-1964

Fassen wir die Details der Übersicht zusammen: Grundsätzlich sind drei Varianten zu unterscheiden: (a) Der 718 von 1961 (in der Presse wurde er meist „RS 61“ genannt) war noch mit dem Vierzylinder-Motor der älteren 718-Spyder-Generation ausgestattet, charakteristisch war der aerodynamische Buckel auf dem Heck des Fahrzeugs. Diese Variante gab es als 1:43-Modell von Starter als Le Mans 1961-Version, man kann auf Basis des Starter-Bausatzes aber auch die beiden anderen Fahrzeuge von 1961 (Targa Florio und Nürburgring) herstellen. Leider ist der Starter-Bausatz nicht mehr verfügbar (allenfalls mit viel Glück und Geduld im Inernet), und ein neueres Modell in 1:43 gibt es bis heute nicht.

(b) Die zweite Variante war dann 1962 mit dem neuen Achtzylinder-Motor ausgestattet, hatte nicht mehr den Buckel auf dem Heck, sondern zwei längliche Hutzen, dazwischen das Lüfterrad. Bei der Targa Florio 1962 waren über der Öffnung für das Lüfterrad noch Kühlrippen angebracht, am Nürburgring fehlten diese dann. Die Fronthaube verlief wie 1961 bis unter die Vorderkante. Die Version vom Nürburgring 1962 wird als Sondermodell von Spark über das Porsche Museum angeboten. Der Jade-Bausatz ist dafür nicht oder nur mit größeren Umbauarbeiten geeignet.

(c) Die dritte Variante schließlich unterscheidet sich von der zweiten durch eine kürzere Fronthaube, die deutlich vor der vorderen Öffnung für den Ölkühler endet. Diese Variante ist durch das Modellangebot am besten abgedeckt: Bausätze gibt es von Starter und Jade (das Starter-Modell ist aber heute kaum noch aufzutreiben), und Spark hat 2011 die Version Le Mans 1963 als Resincast herausgebracht. Eine weitere Spark-Version (ohne Startnummern, mit Heckspoiler, mit niedriger Frontscheibe), die über das Porsche Museum vertrieben wird, ist in dieser Ausfühung als Langstreckenversion ungeeignet.

Im Folgenden beschreibe ich drei 718 W-RS-Varianten: Im Teil (A), verfasst 2011, zwei Achtzylinder-Spyder der Jahre 1963 (Le Mans, Spark) und 1964 (Targa Florio, Starter), und danach im Teil (B), verfasst 2017, folgt ein Bericht zum Vierzylinder-Spyder (Starter) in der Version Targa Florio 1961.

Teil (A): 718 W-RS Achtzylinder, 1963/64 (Bericht von 2011)

Modell 1: Targa Florio 1964 (Nr. 188), Basis: Bausatz von Starter

Das Starter-Modell des 718 W-RS Spyder stellt ursprünglich die Le Mans-Version 1963 (Nr. 28) dar, mit Überrollbügel, Heckspoiler, hoher Frontscheibe (FIA-Reglement), einem Pantograph-Scheibenwischer und 2 Zusatzleuchten vorn. Auf dieser Basis habe ich die Version Targa Florio 1964 gewählt: Sie stellt den letzten Langstrecken-Ein­satz des 718 W-RS dar. Hier sind folgende Karosseriedetails zu beachten: Heckspoiler –ja-, Überrollbügel –ja-, Zusatzscheinwerfer vorn –nein-, Pantograph-Scheibenwischer –ja-, hohe (FIA-)Scheibe mit Rahmen –ja- (sowie kleine Seitenscheiben). Umstritten ist, ob das Fahrzeug am Heck ein deutsches Kennzeichen (S-MC 147) trug. Auf einem Foto der Targa Florio 1964 ist es vorhanden, dies kann aber eine Aufnahme vom Training sein.

Der Starter-Bausatz besteht, wie in den 1980er Jahren üblich, nur aus wenigen Teilen: Karosserie aus Resine, Unterteil (Bodenplatte mit Sitzen und Armaturenbrett) aus Resine, Auspuff-Endstück, Scheibe, Felgen (2-teilig) und Reifen. Kleinteile: Tankdeckel, Heckspoiler, Überrollbügel, Scheinwerfer („Glasbausteine“), Zusatzscheinwerfer vorn, Lenkrad (einfach), Rückspiegel, Decals.

Ich habe die zweiteiligen (Metall/Resine) Starter-Felgen durch schöneren einteilige Resine-Felgen aus dem Zubehör-Angebot ersetzt. Auch das simple Starter-Lenkrad musste einem mehr­teiligen Lenkrad aus dem Kleinteile-Angebot von Tron weichen. Die Zusatzscheinwerfer vorn werden nicht benötigt. Der Scheibenwischer stammt ebenfalls aus dem Kleinteile-Reservoir. Außerdem wurde in das Modell ein Fahrer (Graham Hill) gesetzt. Die Figur stammt von Denizen. Sie musste ebenso wie der Fahrersitz so verändert werden, dass sie hineinpasst und Graham nicht wie ein Sitzriese erscheint. Dazu mussten die Füße entfernt und die Hüftpartie verkleinert werden (sorry, Graham), außerdem wurde die Sitzmulde aus­gefräst.

Problematisch sind die Decals: Bei der Targa Florio wurden die Startnummern in Handarbeit und in unterschiedlichen Farben auf die Fahrzeuge gepinselt. Die Nummer 188 z.B. ist hellblau, und die Ziffern sind nicht alle exakt gleich. Ich hatte Glück, denn in meiner Decal-Kiste gab es noch ungenutzte Decal-Bögen mit blauen Targa Florio-Startnummern. Damit konnte ich die Nr. 188 herstellen. Ohne eine solche Basis wäre es weitaus schwieriger. Weitere Decals benötigt man für die Porsche-Wappen, evtll. das hintere Kennzeichen und einen gelben Punkt auf der Frontscheibe. Alles weitere zeigen die Bilder.

Modell 2: 718 W-RS Spyder Le Mans 1963 (Nr. 28), Resincast von Spark

Das seit 2011 von Spark angebotene Resincast-Modell stellt den in Le Mans 1963 gestarteten 718 W-RS Spyder dar. Wie zu erwarten, hat sich Spark traditionell zunächst auf Le Mans konzentriert. In Le Mans war der Spyder allerdings nicht sonderlich erfolgreich: Mit Edgar Barth (Vater von Jürgen Barth) und Herbert Linge konnte nur der 8. Platz erreicht werden, nachdem sich unterwegs ein Hinterrad gelöst hatte und Barth den Wagen mühselig zur Box schieben musste.

Das Spark-Modell zeigt eine für diesen Hersteller typische Qualität: grundsätzlich ein tolles Modell, allerdings mit ein paar kritischen Punkten, die angesichts der Mühe, die man sich bei Spark macht, eigentlich unnötig wären. Dabei halte ich die Tatsache, dass das Spark-Modell (übrigens ebenso wie das Starter-Modell) gemäß Radstand und Länge eher dem Maßstab 1:45 (und nicht 1:43) entspricht, für weniger kritisch, sofern man die Modelle nicht unmittelbar neben maßstabgetreue 1:43-Modelle stellt. Im übrigen waren früher kleinere Abweichungen in Richtung 1:45 bei vielen 1:43-Modellen üblich.

Auf der Haben-Seite des Modells steht die vorzügliche Alu-Lackierung – nicht zu glänzend (Hochglanz war damals im Motorsport nicht üblich) und sehr dünn aufgetragen, so dass alle Konturen voll erhalten bleiben. Sehr schön auch die Scheinwerfer, das Lenkrad, das Cockpit mit Armaturenbrett und Instrumenten, der Pantograph-Scheibenwischer, viele filigrane Einzelteile (Lüfterrad, Rückspiegel, Startnummern-Leuchte, Überrollbügel, Auspuffanlage), eine sehr klare Scheibe mit feinem schwarzen Rahmen, diverse Grills als Ätzteile, Zusatzleuchten vorn: Alles auf dem Niveau von Kleinserienmodellen.

Trotzdem gibt es – abgesehen vom Maßstab und vom nach meinem Geschmack etwas zu starkem Chromeffekt der Zusatzleuchten und der Rückspiegel – drei kritische Punkte anzumerken: (1) Die Farbe der Sitze ist rätselhaft. Internet-Fotos des Spark-Modells (offizielles Spark-Foto oder Fotos von Modellhändlern) zeigen mal dunkelgraue, mal sehr hell-beige gefärbte Sitze. Helle Sitze hat auch das Modell, das ich über den Handel erworben habe (siehe Fotos). Neuere Farbfotos des 718 W-RS zeigen rote Sitze, allerdings vom später restaurierten Spyder und nicht vom Original-Rennfahrzeug von 1963. Die korrekte Farbe der Sitzbezüge in Le Mans 1963 konnte ich bislang jedenfalls noch nicht einwandfrei recherchieren, die SW-Fotos aus der Zeit sprechen aber recht eindeutig für dunkle Sitze.

(2) Die Felgen und Reifen sind nicht gut gelungen: Das Spark-Modell hat zu große Vorderreifen, es steht daher vorn zu hoch. Außerdem waren die Felgen des 718 W-RS vorn und hinten unterschiedlich und auch nicht einfach nur einfarbig silbern. Vielmehr haben sie verschiedene Abstufungen von alu-silber über silbergrau bis schwarz. Ich habe das Modell entsprechend umgerüstet. Dazu wurden Resine-Felgen verwendet, die auch bei den Porsche-Bausätzen von Vroom Verwendung finden. Diese wurden aufwändig farblich gestaltet – so viel Zeit musste sein. Die Reifen wurden ebenfalls ausgetauscht, die vorderen sind nun kleiner und schmaler als die hinteren, und das Modell hat damit jetzt auch die korrekte Bodenfreiheit.

Porsche 718 W-RS Spyder Le Mans 1963, Modell Spark, Original-Felgen und Reifen von Spark

Porsche 718 W-RS Spyder Le Mans 1963, Modell von Spark mit umgerüsteten Felgen/Reifen

(3) Ein weiterer Kritikpunkt betrifft speziell das an mich gelieferte Modell: Dort ist die Scheibeneinheit (Front- und Seitenscheiben sind aus einem Stück) leider schief eingeklebt worden – das ist der Spark-Qualitätskontrolle entgangen, mir bei Anlieferung zunächst leider auch. Käufer dieses Modells sollten also genau diesen Punkt beachten und ggf. das Modell dem Händler zurückgeben.

Porsche 718 W-RS Spyder, Modelle von Starter (links) und Spark

 

Teil (B): 718 W-RS Vierzylinder (RS 61), 1961 (Bericht von 2017)

Modell: Targa Florio 1961, Bonnier-Gurney, Platz 2, Resine-Bausatz von Starter

718 W-RS Spyder (RS 61), Targa Florio 1961, Platz 2 (Bonnier-Gurney), Modell von Starter

Anmerkungen zum Thema „RS 61″: Während die letzte Generation der Porsche-Rennsportwagen mit Alu-Karosserie, die 718 Achtzylinder (718 GTR und W-RS) sowie die GT-Fahrzeuge (356 Carrera mit Abarth Karosserie oder als „Dreikantschaber“), mittlerweile recht gut von Resincast-Modellen ordentlicher Qualität (Spark) oder von aktuellen Bausätzen (Jade) repräsentiert werden, sieht die Situation beim RS61 der Saison 1961 heute (2017) deutlich schlechter aus – hier muss man versuchen, ältere Starter-Resinkits der 1980er Jahre aufzutreiben, die allerdings nicht in allen Punkten dem heutigen Standard entsprechen. Das gilt für alle drei RS 61-Varianten:

(a) Variante 1 – Aus dem Vorjahr übernommene RS 60 Spyder, die 1961 mit nahezu unveränderter Form als „RS 61″ eingesetzt wurden (RS 60-Werkswagen: 718-041 bis -044, als RS 61 Einsatz von 041, 043 und 044: kompakte, vorn rundliche Spyder-Karosserien, Radstand: 2,20m). Weitere ca. 10 Fahrzeuge gingen an Privatteams. Bausätze von Starter, sie waren z.T. unter dem Label „Porsche Model Exclusiv“ über den damaligen Porsche Modell Club erhältlich.

Porsche RS 60, Targa Florio-Sieger 1960 (Modell von Starter)

(b) Variante 2 – Das RS 61 Le Mans Coupé mit dem kurzen Radstand von 2,20m (718-045 und 718-046), wurde ebenfalls bislang nur als Starter-Modell produziert (Bericht zum Le Mans Coupé auf dieser Webseite)

Porsche RS 61 Le Mans Coupé, Le Mans 1961 (Modell von Starter)

(c) Variante 3 – Der neue RS 61 Spyder (718-047) mit längerem Radstand (2,335m), 1961 mit aerodynamischem Aufbau auf der Heckpartie, ab 1962 eingesetzt mit dem Achtzylinder-Motor ohne den Heckaufbau. Ein Modell der 1961er Version wurde in akzeptabler Qualität in den 1980er Jahren als Resine-Bausatz von Starter produziert.

Beschreibung als Beilage des Starter-Bausatzes

Einige Daten zum RS 61 (718-047): Vierzylinder-Boxermotor (Mittelmotor), Hubraum 1,7 Liter oder 2,0 Liter. 2-Liter-Motor: 92×74 = 1966ccm, Luftkühlung, 2 OHC pro Zylinderreihe, 2 Doppelvergaser, ab 160 PS (7200 U/min), 5 Gänge, Trommelbremsen, Alu-Karosserie (gebaut bei Wendler) auf Gitterrohrrahmen. Radstand 2,335m, Länge 4,020m, Breite 1,510m (Maße der „alten“ RS 61 Spyder: Radstand 2,200m, Länge 3,700m), Gewicht knapp 600 kg. Felgen/Reifen vorn: 5,50×15 Zoll, hinten: 5,90×15 Zoll.

Renneinsätze der RS 60/61-Sportwagen in der Jahre 1960/61 (Endurance-Rennen zur Sportwagen-WM), siehe Übersicht

Die Bilanz der Renneinsätze 1961 war weniger erfolgreich als 1960, als Porsche mit dem RS 60 in Sebring und bei der Targa Florio zwei Gesamtsiege holte und am Ende nur knapp die Weltmeisterschaft gegen Ferrari verlor. Möglicherweise musste man in Zuffenhausen der Doppelbelastung Formel 1 und Sportwagen Tribut zollen, vielleicht war der alte Vierzylinder-Motor auch langsam am Ende seiner Entwicklung angelangt.

Höhepunkt der Saison war sicher die Targa Florio: Hier war Porsche mit drei Werks-RS 61 am Start, darunter zwei Fahrzeuge mit dem neu verfügbaren 2,0 Liter-Motor. (1) RS 61 718-044 mit der traditionellen Spyder-Karosserie des RS 60, gefahren von Moss und Graham Hill (Nr. 136), (2) RS 61 718-043, gleiche Form wie das Moss-Auto, mit Herrmann und Edgar Barth (Nr. 132) mit 1,7 Liter-Motor, und (3) RS 61 718-047, das neue Auto mit dem längeren Radstand und einem 2,0 Liter-Motor, mit Bonnier und Gurney (Nr. 134). Moss fuhr mit dem 718-044 die schnellste Trainingszeit und saß die meiste Zeit des Rennens am Steuer, lieferte einen weiteren Beweis, dass er 1961 eindeutig der weltweit schnellste Grand Prix- und Sportwagenpilot war. Acht Kilometer vor dem Ziel führte er mit einer Minute Vorsprung, dann streikte das Getriebe – aus! Den Sieg erbte Ferrari mit dem neuen 246 SP, gefahren von Gendebien und von Trips, Porsche kam dahinter auf Platz 2 mit dem Debutfahrzeug 047 und auf Platz 3 mit dem „alten“ Spyder 043. Es waren die besten Platzierungen bei den traditionellen Endurance-Prüfungen des Jahres.

Weitere Renneinsätze des RS 61 (718-047) nach der Targa Florio: 1000 km Nürburgring, hier mit 1,7 Liter-Motor, Bonnier und Gurney, Startnr. 21, Platz 10. Danach in Le Mans wieder mit dem 2,0 Liter-Motor, Gregory und Bob Holbert, Startnr. 33, Platz 5.

RS 61 Spyder (718-047), Targa Florio 1961 – Resine-Bausatz von Starter

Das Starter-Modell des RS 61 Spyder (718-047) stellte ursprünglich die Le Mans-Version 1961 (Nr. 33) dar, bei dem die Frontscheibe mit den beiden Seitenscheiben eine Einheit bildet. Auf dieser Basis kann man auch die Targa Florio-Version bauen, man muss dann die beiden Seitenscheiben weglassen. Außerdem ändern sich natürlich die Startnummern, und es sind ein paar weitere kleinere Karosserieunterschiede zum Le Mans-Modell zu beachten. Fotomaterial ist reichlich vorhanden, sowohl zum Le Mans- als auch zum Targa Florio-Fahrzeug, allerdings als Originalfotos fast ausschließlich in SW. Zu Fotoquellen folgen unten weitere Anmerkungen.

Das Targa Florio-Fahrzeug trug auf der Fronthaube ein deutsches Kennzeichen (S-MC 147), und zwar sowohl beim Training als auch im Rennen. Dagegen war das Heck-Kennzeichenschild nur beim Training angebracht. Das Schild muss man sich mit einem im Handel käuflichen Decalsatz selbst zusammenstellen.

Der Starter-Bausatz besteht, wie in den 1980er Jahren üblich, nur aus wenigen Teilen: Karosserie aus Resine, Unterteil (Bodenplatte mit Sitzen und Armaturenbrett) aus Resine, Auspuff-Endstück, Scheibe (Front und Seiten), Felgen (2-teilig) und Reifen. Kleinteile: Scheinwerfer („Glasbausteine“), Zusatzscheinwerfer vorn, Lenkrad (einfach), Decals und ein paar Ätzteile. Die Leitbleche an den hinteren Radausschnitten und den Fliegenschutz auf der Fronthaube hatte das Le Mans-Auto, beide Teile fehlten allerdings bei der Targa-Version.

Starter-Bausatz des RS 61 Spyder, Le Mans 1961

Bei der Vorbereitung der Karosserie für die Lackierung ist zu beachten, dass die Alu-Leisten zwischen den Türen und den Seitenscheiben nur in Le Mans montiert waren. Bei der Targa-Version (und am Nürburgring) fehlten die Seitenscheiben und auch die Leisten. Das wurde bei dem hier abgebildeten Modell leider nicht beachtet (mea culpa). Die Lackierung der Karosserie in silbergrau-metallic sollte ohne nachträgliche Klarlackschicht erfolgen. Rennsportwagen der Nachkriegszeit (bis etwa Mitte der 1960er Jahre) waren ja meist nicht hochglänzend lackiert. Spark zeigt bei vielen seiner (Porsche-) Modelle aus dieser Epoche, wie es sein soll.

Felgen/Reifen: Ich habe die zweiteiligen (Metall/Resine) Starter-Felgen durch schönere einteilige Resine-Felgen ersetzt (Nachgüsse vom Modellbau-Kollegen PL nach dem Vorbild der Felgen aus den Vroom-Bausätzen, herzlichen Dank dafür). Man beachte, dass die vorderen Felgen anders aussehen als die hinteren und dass die Felgen farblich bearbeitet werden sollten (alu-silber als Grundfarbe, dazu unterschiedlich dunkle alu-Farbtöne, siehe Fotos). Hinten waren die Reifen etwas breiter als vorn, die hinteren Felgen waren entsprechend etwas stärker geschüsselt. Die Reifenmaße waren beim RS 61: 5,50 Zoll vorn, 5,90 Zoll hinten, auf 15 Zoll-Felgen – die Reifen/Felgen waren also besonders hinten nicht so breit wie beim 718/8 der Jahre 1962/63.

Das simple Starter-Lenkrad musste einem mehr­teiligen Lenkrad aus dem Kleinteile-Angebot von Tron weichen. Der Scheibenwischer stammt ebenfalls aus dem Kleinteile-Reservoir. Ein Ätzteil für den Heckgrill fehlt beim Starter-Modell, da muss der Modellbauer also mit eigener Farbgestaltung nachhelfen (stark verdünnter schwarzer Mattlack, den man vorsichtig in die Grill-Vertiefungen laufen lässt). Auch die Heckleuchten sind im Karosserieguss enthalten, sie müssen also ebenfalls farblich gestaltet werden.

Die vorderen Scheinwerfereinheiten werden – typisch für Starter – durch „Glasbausteine“ (GBS) dargestellt. Dies entspricht sicher nicht aktuellem Modellstandard. Wenn man die GBS akzeptiert und nicht auf die heute übliche Ausführung zurückgreifen möchte (was zwei passende Transparentabdeckungen erfordern würde), sollte man bei den GBS wie folgt vorgehen: Scheinwerferhöhlen in einem gegenüber der Karosseriefarbe etwas dunklerem Alu lackieren. Die einzelnen Scheinwerfer auf die innere Rückseite der GBS kleben (Rückseite vorher etwas aushöhlen) und die Innenflächen der GBS ebenfalls in dunklem Alu lackieren. Dann die GBS in die Karosserie einsetzen und schwarz umranden. Danach die gesamte Außenfläche mit einem dünnen Film „Kristall Klear“ überziehen, der auch in die Ritzen am Rand der Flächen eindringen sollte. Abwarten, bis die weiße Flüssigkeit getrocknet ist und damit transparent wird. Am Ende die Fläche noch mit Klarlack überziehen.

Für die Startnummern kann man handelsübliche Decalsätze verwenden, die Nummern waren 1961 beim Porsche schwarz und nicht „von Hand“ gepinselt, wie ansonsten manchmal bei der Targa üblich.

Passform und Qualität der Frontscheibe entsprechen dem Standard der 1980er Jahre und nicht heutiger Qualität. Da ist einige Mühe und Anpassungsaufwand erforderlich. Bevor die Frontscheibe eingesetzt wird, sollte man den Scheibenrahmen farblich gestalten (alu-farbiger Rahmen mit schwarzem Rand). Da sind wieder Geduld, eine ruhige Hand und ein feiner Marderhaarpinsel gefragt.

Am Ende bleiben allerdings zwei größere Probleme bestehen, die nicht bzw. nur mit entsprechendem Fotomaterial zu lösen sind.

  1. Das Fahrzeug hatte im Rennen (nicht im Training) zwei Diagonalstreifen auf der Fronthaube. Ich kenne leider kein Foto, das die Farben zeigt. Auch das umfangreiche Fotomaterial der „targapedia“-Webseite liefert hier keinen Anhaltspunkt. Ich habe mich für die Farben entschieden, die der von Joakim Bonnier pilotierten Formel 1-Porsche beim Solitude-Rennen an der Frontpartie hatte – blau und gelb (Quelle: Farbfoto in B. Long, Porsche Racing Cars 1953 to 1975, S. 99). Blau könnte auch für den zweiten Piloten Gurney stehen. Zugegeben, das ist ein „Schuss ins Blaue“, aber irgendeine Entscheidung musste nun einmal getroffen werden. Wer Zweifel hegt, sollte sich am besten an der SW-Aufnahme des Modells orientieren (siehe unten).
  2. Das Modell ist insgesamt zu klein und insbesondere zu kurz geraten! Schon die 718/8 Spyder und Coupé-Modelle von Starter ebenso wie die entsprechenden aktuellen Modelle von Spark entsprechen beim Radstand eher dem Maßstab 1:45 als 1:43, und bei korrekten Proportionen gilt dies dann auch für die Fahrzeuglänge. Dieselbe Abweichung gilt für das Starter-Modell des RS 61 Le Mans Coupés. Starter hat nun beim RS 61 Spyder (718-047) denselben Radstand gewählt wie beim Le Mans-Coupé, obwohl dieser beim Spyder im Original um 13,5cm bzw. in 1:43 um gut 3mm länger sein müsste. Damit entspricht das Starter-Modell bei Radstand und Länge sogar einem Maßstab von 1:47! Das ist nun doch außerhalb einer tolerierbaren Marge, insbesondere, sofern man das Modell neben andere 1:43-Modelle in die Vitrine stellen will. Ein Grund mehr, dass man sich einen Modellhersteller wünscht, der endlich ein maßstabgerechtes Modell in aktueller Qualität entwickelt – es ist an der Zeit!

718 W-RS (RS 61) Spyder, Targa Florio 1961, Modell von Starter

Das Starter-Modell in SW – passend zu den SW-Fotos vom Originalfahrzeug

…und hier die Aufnahme in Farbe

Quellen:

Siehe Rubrik „Über diese Seite“ → „Anmerkungen zu Minerva Endurance“

Weitere Quellen zum Thema 718 W-RS Spyder (Texte, Fotos): Neben zahlreichen Internetquellen und den hilfreichen Hinweisen vom Modellbaukollegen PL (der mir auch die schönen Felgen zur Verfügung gestellt hat) haben mir insbesondere die folgenden Bücher bei den Recherchen geholfen:

Peter Morgan, Porsche in Motorsport, The First Fifty Years, Haynes, 2000  /  Brian Long, Porsche Racing Cars 1953 to 1975, Veloce Publishing, 2008  /  Janos Wimpfen, Winged Sportscars & Enduring Innovation, David Bull, 2006  /  Paul Parker, Sports Car Racing in Camera 1960-1969, Haynes, 2007.

Eine große Hilfe leisteten die beiden Webseiten „racingsportscars“, mit ausführlichen Statistiken zum Renneinsatz der 718-047-Fahrzeuge, sowie „targapedia“, mit vielen Fotos der Targa Florio-Rennen 1961 bis 1964 sowie der 1:43-Modelle der dort gestarteten Porsche-Fahrzeuge.

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