Borgward 1500 RS von Premium Classics und Neo – eine verpasste Gelegenheit?

Borgward 1500 RS, 1000 km Nürburgring 1958, Nr. 24, Premium Classics

Borgward 1500 RS, 1000 km Nürburgring 1958, Modell auf Basis Premium Classics


Carl F. Borgward begründete seine Auto-Produktion in den 1920er Jahren mit dem „Blitzkarren“ (1924), einem Dreirad-Lieferanten-Vehikel mit 125 ccm-Motorradmotor. Es folgten der Goliath Pionier, ebenfalls als Dreiradfahrzeug, und der „Hansa“-Personenwagen. Ende der 1930er Jahre – Bremen war inzwischen der neue Firmenstandort – folgte der erste „Borgward“-Personenwagen (1938).
Nach dem Krieg startete Borgward 1949 mit einem neuen, modernen PKW, dem Typ Borgward Hansa 1500 (später 1800), dann kamen der etwas kleinere Goliath GP 700 und der Lloyd LP 300 Kleinwagen sowie Dreirad-Lieferwagen und Kleinlaster.

Borgward Hansa Kombi, Modell: BoS

Borgward Hansa Kombi (Modell: BoS)

Goliath GP 700 (Neo Models)

Goliath GP 700 (Neo Models)

Lloyd LP 300 (Neo Models)

Lloyd LP 300 (Neo Models)

Bis zum finanziellen Zusammenbruch der Borgward-Gruppe im Jahr 1961 – ein Trauerspiel bundesdeutscher Industriegeschichte – wurde eine Vielfalt von PKW- und LKW-Modellen unter den Namen Borgward, Goliath und Lloyd produziert. Die Borgward Isabella (1954-1961) war ein auch international anerkanntes Beispiel einer sportlichen Mittelklasse-Limousine, und die Isabella TS fand eigentlich erst mit dem neuen BMW 1500 im Jahr 1962 einen würdigen Nachfolger.

Borgward Isabella (Modell: XXX)

Borgward Isabella (Modell: SE)

Dass man bei Borgward in den Jahren 1952 bis 1958 auch technisch anspruchsvolle Rennsportwagen an den Start brachte, haben dagegen viele Menschen in Deutschland vergessen, und über die Grenzen des Landes hinaus sind die „Borgward RS“ mit ihren 1,5 Liter-Vierzylindermotoren ohnehin kaum bekannt. Daher war bislang auch das Modellangebot im 1:43-Bereich äußerst spärlich: Gelungene Modelle gab es nur von „Kaiser Models“ (Resine-Bausatz der Rennsport-Version von 1952) und von „Swiss Mini“ (Resincast-Fertigmodell des Le Mans-Coupés von 1953). Und die beiden genannten Hersteller sind heute auch nur noch wenigen Modellsammlern bekannt.

Vor kurzem hat sich diese Situation allerdings geändert: Im Gleichschritt haben die beiden etablierten Hersteller Neo und Premium Classics vier verschiedene Varianten des Borgward 1500 RS der Rennsaison 1958 aufgelegt. Premium Classics hatte dies bereits vor 1-2 Jahren angekündigt, nunmehr sind die Resincast-Fertigmodelle im Preisbereich um 60-65 Euro endlich lieferbar (Stand Sommer 2014). Mit dem Preis liegen sie etwas über dem Spark-Niveau. Die im allgemeinen vorzügliche Qualität der Neo-Modelle schürt die Erwartung eines gelungenen Modells des RS von 1958, der vor über 35 Jahren im Maßstab 1:43 nur in mäßiger Qualität von einem kleinen Anbieter („hm“) lieferbar war, ansonsten aber bislang noch nie von einem anderen Modellhersteller angeboten wurde.

Die Reaktionen auf die Neulinge von Neo und Premium Classics waren dann aber zwiespältig: Einige Modellauto-Journals gaben positive Rückmeldungen, vom Forum der Web-Seite „1zu43“ blies aber auch kräftiger Gegenwind. Dieser Bericht soll vor dem Hintergrund mehrerer Quellen eine weitere kritische Betrachtung der neuen Borgward RS-Modelle liefern. Zunächst folgt aber ein kurzer Abriss der Einsätze der Borgward-Rennsportwagen in der Zeit 1952-1958 und der bislang produzierten Modelle in 1:43.

Rennsportwagen aus Bremen – Borgward 1500 RS (Kurzhistorie)

(siehe auch Bericht zu „Motorsport in Deutschland, Pionierjahre ab 1947“, Teil 2)

Borgward RS: links Le Mans Coupé (Swiss Mini), Mitte Nürburgring 1958 (Premium Classics), rechts RS von 1952 (Kaiser Models)

Borgward RS: links Le Mans Coupé (Swiss Mini), Mitte Nürburgring 1958 (Premium Classics), rechts RS von 1952/53 (Kaiser Models)

Wer sich für die Geschichte der Borgward-Rennsportwagen interessiert, steht zunächst vor dem Problem einer dürftigen Quellenlage – das hat sich auch in Zeiten des Internet nur wenig gebessert. Anders als beim Porsche Spyder – Borgwards Hauptkonkurrent in der 1500 ccm-Rennsportklasse der 1950er Jahre – der umfassend dokumentiert ist, müssen Details zum Renneinsatz der Bremer mühsam gesammelt werden. Die ausführlichste Quelle ist sicher immer noch das Buch von Heinrich Völker, „Silberpfeile aus Bremen – Rennsportwagen der Borgward-Werke“ (Verlag Peter Kunze, Bremen 2004), das sich auf die verschiedenen Varianten des RS konzentriert und insbesondere die technische Entwicklung gründlich und präzise darstellt. Dort fehlt allerdings ein umfassender Überblick über die Starts der Fahrzeuge in den Rennen der Jahre 1952-1954 und 1956-1958, mit genauer Zuordnung der Fahrgestellnummern der einzelnen Fahrzeuge und mit Nennung der Startnummern. Die beste Quelle für die Renneinsätze des RS ist die Webseite „racingsportscars“. Für Motorsport-Historiker bleibt also noch einiges zu tun, um endlich ein komplettes Bild zu erhalten. Weitere Quellen zum Thema Borgward RS werden am Ende dieses Berichts genannt.

Die Geschichte der technischen Entwicklung und der RS-Renneinsätze – hier in Kurzform – lässt sich in sechs Episoden aufteilen (Anmerkung: Der Einsatz des Borgward-Rennmotors im Cooper Formel 2-Rennwagen 1959 soll hier nicht Gegenstand sein):

1. INKA-Wagen (1950/51)
2. RS von 1952/53 — 3. RS Le Mans Coupé 1953 —4. RS von 1953/54                                    5. RS von 1956-1958 / 6. RS „Elektron“ 1958.

1. INKA-Wagen: 1950 – Entwicklung eines Hochleistungsmotors auf Basis des 1,5 Liter-Vierzylindermotors des Borgward Hansa, Bau eines „Rekordwagens“ unter der Bezeichnung „INKA“ (Ingenieur-Konstruktions-Arbeitsgemeinschaft), Entwicklung: Karl Ludwig Brandt und Martin Fleischer, Rekordfahrten in Montlhéry 1950. Im Jahr 1951 Bau des Rennsportwagens „RS“ auf Basis des INKA-Wagens, Vorstellung bei der IAA Frankfurt im Herbst 1951. Fahrzeug später verschrottet. 1:43-Modelle des IAA-Fahrzeugs vom Kleinserien-Hersteller Tin Wizard (Metallbausatz bzw. Fertigmodell) und von PE43 Models.

2. Entwicklung des ersten „RS“ auf Basis des IAA Frankfurt-Sportwagens, Renneinsätze 1952 bis Mitte 1953 in der 1500ccm-Klasse der Deutschen Sportwagen-Meisterschaft bzw. in weiteren Rennen dieser Klasse in Deutschland mit zwei Fahrzeugen. Siege auf dem Grenzlandring und auf der Avus, Fahrer Hans Hugo Hartmann, sowie ein 2. Platz am Nürburgring (Hartmann). Verbleib der beiden Fahrzeuge unbekannt. 1:43-Modell von Kaiser Models, Resine-Bausatz.

Borgward 1500 RS 1952 (Kaiser Models)

Borgward 1500 RS 1952/53, hier: Eifelrennen 1953 (Kaiser Models)

3. 1953: Drei neue RS werden als Coupés für die 24 Stunden von Le Mans gemeldet. Zuvor (Mai 1953) wurde eines der drei Coupés (Fg-Nr. 345001) mit einem 1,8 Liter-Dieselmotor in Montlhéry bei Rekordfahrten eingesetzt. In Le Mans erscheinen – nun wieder mit dem Hansa-Rennmotor – zwei Fahrzeuge zur technischen Abnahme. Bei einem zerstört einer der Kommissare dabei die Frontscheibe, das Fahrzeug wird aber noch rechtzeitig zum Rennen repariert. Ein Wagen (Fg-Nr. 345001, Startnr. 42, Hartmann – Brudes) bleibt schon nach 30 Runden mit leerem Tank stehen, der zweite RS (345002, Nr. 41, Poch – Mouche) fällt erst in der letzten Stunde mit Motorschaden aus. Fahrzeug 345.002 existiert heute noch. 1:43-Modell von Swiss Mini (Resincast-Fertigmodell).

Borgward RS Le Mans Coupé 1953 (Swiss Mini)

Borgward RS Le Mans Coupé 1953 (Swiss Mini)

4. 1953: Neuer offener RS, gegenüber 1952 mit kleinerem Radstand und kompakterer Karosserie. Starts zweier Fahrzeuge in der 1500ccm-Klasse in der Deutschen Sportwagen-Weltmeisterschaft ab Mitte 1953: Sieg auf der Avus (Klenk), zweite Plätze am Nürburgring (Eifelrennen, Fahrer Bechem) und am Schauinsland (Bechem). Starts bei zwei Rennen der neuen Sportwagen-Weltmeisterschaft mit je zwei Fahrzeugen: 1000km Nürburgring (Brudes – Hammernick, 3. Platz in der Gesamtwertung und Klassensieg für Sportwagen bis 1,5 Liter / Bechem – Helfrich, Ausfall) und Carrera Panamericana (Hartmann, Disqualifikation nach Führung in der Klasse kurz vor dem Ziel / Brudes, Unfall am 1. Tag). Ein Fahrzeug wird für 1954 umgebaut, das zweite nach Unfall verschrottet. Modelle in 1:43 gab es bislang im Handel noch nie. Ein „Eigenbau“-Modell eines britischen Modellsammlers ist auf der Webseite „modelcarforum“ (über „Infos, News etc.“, „1:43“ und „Borgward“) abgebildet.

Borgward 1500 RS 1953, Gussteile eines englischen Modellbauers

Borgward 1500 RS 1953, Basis: Gussteile eines englischen Modellbauers

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Borgward 1500 RS 1953, 1000 km Nürburgring 1953 – hier das fertige Modell

Ein Bericht über das 1:43-Modell des Borgward RS, 3. Platz beim 1000 km Rennen am Nürburgring 1953 (zusammen mit dem Glöckler Porsche, der dort den 4. Platz erreichte),  folgt 2016.

4.: 1954 Einsatz von zwei, später von drei offenen 1500RS, Fahrzeug 1 – Umbau aus einem 1953er RS, Fahrzeuge 2 und 3 Neubauten. Form ähnlich wie 1953, aber ohne „Beule“ auf der Motorhaube und nun mit je 3 Lüftungslöchern seitlich. Einsatz in der Sportwagen-WM: Buenos Aires 1000km, 1 Fzg. (Hartmann – Brudes, Ausfall), Carrera Panamericana, 2 Fzg. (Bechem – Herzog bzw. Hammernick – Jüttner, beide ausgefallen). Deutsche Sportwagen-Meisterschaft, 1,5 Liter-Klasse: Sieg beim Eifelrennen (Bechem, Nr. 52), 2. Platz von Hartmann. Avus: 3. Platz (Bechem). Zwei Fahrzeuge nach Unfällen wohl verschrottet, beim dritten (Umbau von 1953) ist der Verbleib unbekannt. Die Modellsituation entspricht der des RS von 1953.

5.: 1955/56 Entwicklung eines „echten“ 1,5 Liter-Vierzylinder-Rennmotors mit 2 obenliegenden Nockenwellen, 4 Ventilen pro Zylinder, Einspritzung und Doppelzündung, bis zu 150 PS, Konstrukteur Karl Brandt. Ab 1956 Renneinsätze in neuem 1500 RS mit flacher offener Karosserie. Zwei Fahrzeuge. Debut im Juli: Solitude, Rennen für Sportwagen bis 1,5 Liter, 2 Fahrzeuge, Schulze (Startnummer 6, 6. Platz) / Bauer (Nr. 7, Ausfall). Kein weiterer Start 1956.

5.: 1957 Weiterentwicklung der beiden 1956er Fahrzeuge, mit zusätzlichem Gitterrohr-Hilfsrahmen. Scheibe geht nun über die gesamte Fahrzeugbreite. Einsatz in der FIA-Berg-Europameisterschaft (Sportwagen bis 2 Liter Hubraum), Fahrer: Hans Herrmann. Zweite Plätze am Gaisberg (Nr. 18) und am Mont Parnes (Nr. 2), dritte Plätze am Schauinsland (Nr. 60) und am San Bernardo (Nr. 134), Gesamtwertung: 2. Platz hinter Daetwyler, Maserati 200SI. Beide Fahrzeuge werden für die Saison 1958 modifiziert. Bis heute keine Modelle des RS von 1956/57 in 1:43 vorhanden. Die neuen Premium Classics-Modelle könnten für den Modellbauer als Basis dienen.

5.: 1958 Einsatz der beiden 1957er RS, für 1958 modifiziert. Karosserieänderungen gegenüber 1957: Auspuff (Austritt rechte Seite – nur noch ein Rohr statt vier), Austritt nicht mehr seitlich hinter dem Vorderrad sondern seitlich vor dem Hinterrad. Dafür hinter dem Vorderrad Lüftungsöffnung. Zum Saisonende (Avus-Rennen) mit „Rucksack“ (aufgesetztes Kamm-Heck) und mit Rundumverglasung. Renneinsätze 1958 (Rundstreckenrennen, Europa-Bergmeisterschaft): siehe gesonderte Übersicht. Beide Fahrzeuge existieren noch, eins davon gehört heute Ralf Jüttner (Joest Racing), dem Sohn von Borgward-Ingenieur und Pilot Fritz Jüttner.

Borgward RS 1958, vorn: "hm" Modell, hinten: Premium Classics

Borgward RS 1958, vorn: „hm“ Modell, hinten: Premium Classics

6.: 1958 Neubau mit Elektron-Karosserie (90% Magnesium), Einsatz ab 1. Juni 1958 (1000 km Nürburgring). Unterschied zu den beiden „normalen“ Alu-RS: geänderte Trennlinie der Fronthaube gegenüber dem Mittelteil, länglicher Auspuff seitlich rechts, keine Lüftungsöffnung seitlich. Zum Avus-Rennen: Modifikationen durch Ingenieur Focke – Rucksack-Heck (Kamm-Heck), Rundumverglasung, neue Aero-Frontpartie mit verkleideten Scheinwerfern. Renneinsätze 1958 (Rundstreckenrennen, Europa-Bergmeisterschaft): siehe gesonderte Übersicht. Das Fahrzeug existiert heute noch. 1:43-Modell: bislang Fehlanzeige!

Borgward 1500 RS 1958, Fahrzeuge mit Alu-Karosserie: 1:43-Modelle von Neo und Premium Classics (PC)

Die neuen Resincast-Modelle von Neo und PC sollen nach den Angaben der beiden Hersteller vier Versionen der Rennsaison 1958 darstellen. Allerdings sind drei dieser vier Angaben falsch – man hat bei Neo und PC also offenbar unzureichend recherchiert! Angesichts des Preisniveaus der Modelle und der Chance auf erstmals korrekte und ansprechende 1:43-Modelle des Borgward RS ist das – so meine anfängliche These – in der Tat eine „verpasste Gelegenheit“. Im Einzelnen:

(1) Neo-Modell, Startnummer 2 (mit Rucksack), Angabe von Neo: „Avus 1958“: falsch! Auf der Avus hatten die beiden RS die Startnummern 32 und 33 (die Nr. 31 war der „Elektron-RS“ mit der abweichenden Karosserie). Ein RS mit der Startnummer 2 ist auf aktuellen Fotos zu sehen, z.B. stand er vorübergehend im „Prototyp“-Museum in Hamburg. Ich vermute, es ist der Borgward RS, der sich heute im Besitz von Ralf Jüttner befindet.

Prototyp1Prototyp2Prototyp3(2) Neo-Modell, Startnummer 33 (mit Rucksack), Angabe von Neo: „Schauinsland 1958“: falsch! Ein RS mit Rucksack-Heckpartie und der Startnummer 33 fuhr nie am Schauinsland, vielmehr lief ein solcher RS beim Avus-Rennen 1958, pilotiert von Fritz Jüttner (5. Platz). Dann wäre auch die Rundumverglasung des Neo-Modells korrekt.

(3) PC-Modell, Startnummer 14 (ohne Rucksack), Angabe von PC: „Schauinsland 1958“: wieder falsch! Die Nr. 14 fuhr zwar dort mit Herrmann am Steuer, das war aber der Elektron-RS mit einer anderen Karosserie. Würde man beim PC-Modell die Startnummer 14 in die Nummer 15 umwandeln und die Rundumverglasung zu einer einfachen Frontscheibe reduzieren, hätte man das korrekte Modell des Schauinsland-Siegers Bonnier und damit ein Modell des erfolgreichsten Renneinsatzes der 1958er Borgward RS.

Borgward RS, Schauinsland 1958, Original-Premium Classics-Modell

Borgward RS, Schauinsland 1958, Original-Premium Classics-Modell

Borgward RS, Nürburgring 1958, neu lackiertes Premium Classics-Modell

(4) PC-Modell, Startnummer 35 (ohne Rucksack), Angabe von PC: „Nürburgring 1958“: fast richtig! Der Borgward RS mit der Nr. 35 fuhr beim Großen Preis von Rheinland-Pfalz, einem Rahmenrennen zum Großen Preis von Deutschland (Formel 1), im August 1958 mit Bonnier am Volant und erreichte dort Platz 2 hinter Jean Behra im Porsche RSK. Der RS fuhr hier ohne Rucksack – korrekt – allerdings nicht mit der Rundumverglasung des PC-Modells, sondern mit einer „normalen“ Frontscheibe. Ob die beim PC-Modell angebrachten Kennzeichenschilder nur im Training oder auch im Rennen montiert waren, konnte ich nicht ermitteln.

Fazit: Die beiden Neo-Modelle (ohne/mit „Verschmutzung“) sind nur für die Borgward RS geeignet, die zum Saisonabschluss am 21. September auf der Avus gestartet sind (Nr. 32, Mahle, 4. Platz / Nr. 33, Jüttner, 5. Platz). Nur hier hatten die RS die aerodynamische „Rucksack“-Heckpartie und die Rundumverglasung. Ob die Fahrzeuge auf der Avus am Ende des relativ kurzen Rennens allerdings derartig „verschmutzt“ waren, sei dahingestellt.
Die beiden PC-Modelle müssen verändert werden: Die „Schauinsland“-Version müsste die Startnummer 14 tragen und eine „normale“ Frontscheibe haben, dann hätte man den Schauinsland-Sieger 1958. Bei der „Nürburgring“-Version müsste man ebenfalls auf eine „normale“ Frontscheibe umrüsten.

Abgesehen von der Frage, welche Rennversionen die Neo- und PC-Modelle darstellen sollen, zeigen sie Licht und Schatten. Die Grundformen scheinen angesichts alter und aktueller Fotos der Originale zu stimmen, die meisten Karosseriedetails sind korrekt wiedergegeben, und die Innenraumgestaltung (Sitze, Armaturenbrett, Lenkrad) ist sehr schön. Felgen und Reifen sind korrekt dimensioniert, also nicht zu breit wie bei vielen Spark-Modellen dieser Epoche, die Felgen könnten allerdings etwas stärker ausgeformt sein.
Es gibt aber auch Kritikpunkte: Das Auspuffende müsste in der Öffnung auf der rechten Karosserieseite deutlich zu sehen sein, der Tankdeckel auf dem Heck war vermutlich mittig angeordnet (so zeigen es jedenfalls Fotos vom 1000 km Rennen auf dem Nürburgring), und die Frontscheibe ist viel zu dick (das erinnert an frühere Diecast-Modelle) und in der Mitte zu hoch. Problematisch ist auch die Lackierung in hochglänzendem Alusilber mit Blaustich. Tatsächlich waren die Borgward RS in der Saison 1958 unlackiert. Diese Optik lässt sich aber mit einer Resine-Karosserie kaum realistisch darstellen. Vermutlich ist die bläuliche Alu-Farbe der Versuch einer Annäherung, der allerdings nicht gelungen ist. Die beste Lösung wäre hier eine unlackierte Metallkarosserie gewesen, die man entsprechend dem Vorbild schmirgelt und poliert. Das wäre aber wohl nur bei einem Metallbausatz (und mit dem Know-How eines versierten Modellbauers) realisierbar.

Beim hier abgebildeten Borgward RS von Premium Classics wurde die Lackierung jedenfalls (noch) nicht geändert, allerdings sind die Seitenscheiben dem Vorbild entsprechend entfernt worden. Da diese Webseite den Namen „Endurance“ trägt, wurde als Version des RS der einzige 1958er Auftritt der Borgward-Sportwagen bei einem internationalen Langstreckenrennen gewählt – den 1000 km auf dem Nürburgring am 1. Juni 1958. Die Bremer starteten dort mit allen drei vorhandenen Sportwagen, also mit den beiden Alu-Fahrzeugen (Nr. 23 und 24) und dem neuen Elektron-RS, der hier seine Rennpremiere feierte. Die Alu-RS hatten hier die „normale“ Karosserie ohne Rucksack und eine normale Frontscheibe, passend zum PC-Modell „Schauinsland“.

Borgward 1500 RS am Nürburgring 1958 (1000 km Rennen)

Borgward 1500 RS am Nürburgring 1958 (1000 km Rennen)

Folgende Änderungen sind – abgesehen von der Frontscheibe und evtll. der Lackierung – nötig: Neue Startnummer (Nr. 23 oder 24) und ein blauer Querstreifen auf der vorderen Karosserie. Der Querstreifen war übrigens bei der Nr. 23 anders positioniert als bei der 24: Bei der 23 direkt über dem Frontgrill, bei der 24 etwas weiter hinten. Beide Fahrzeuge fielen früh aus, die Nr. 23 bereits in Runde 1, die Nr. 24 in Runde 9 (von 44). Vermutlich kamen daher im Rennen nur Hans Herrmann und Fritz Jüttner zum Fahren. Einziger Sieg eines Borgward RS blieb in der letzten Rennsaison der Bremer also der Erfolg von Joakim Bonnier am Schauinsland.

Borgward 1500 RS, 1000 km Nürburgring 1958 (Premium Classics)

Borgward 1500 RS, 1000 km Nürburgring 1958 (Premium Classics)

Das neu lackierte Modell

Quellen
Siehe Rubrik “Über diese Seite” → “Anmerkungen zu Minerva Endurance”
Spezielle Quellen zum Thema Borgward RS: Heinrich Völker, „Silberpfeile aus Bremen – Rennsportwagen der Borgward-Werke“ (Verlag Peter Kunze, Bremen 2004); Motor Klassik Heft 2/2006 („Die Borgward Renngeschichte“, auch auf der Motor Klassik Webseite); Powerslide Heft 04/2012 („Die silbernen Renner aus dem Norden“).

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2 Kommentare zu Borgward 1500 RS von Premium Classics und Neo – eine verpasste Gelegenheit?

  1. Ernst-Horst Goldammer sagt:

    Lieber HH,

    das sehe ich auch so: Eine verpasste Chance! Als ich die beiden Premium-Classixxs
    Borgwards #14 und #35 in Händen hielt, war ich doch sehr überrascht, entspricht
    doch Wagen #14 nicht dem Vorbild. Bei den Vorankündigungen im Internet war ja
    nach meiner Erinnerung das Originalfahrzeug mit Hans Hermann am Steuer des
    Elektron-Wagens ( 6.Generation des Borgward RS in der Variante „kurze Haube,
    ohne Rucksack“) abgebildet. Das jetzige Modell stellt hingegen eine RS der
    5.Generation dar.
    Außerdem ist die Rundumverglasung bei #14 und #35 nicht den Originalfahrzeugen
    entsprechend.
    Auf meine Nachfrage im Februar d.J. erhielt ich von premiumclassixxs die Antwort,
    „….#14 ist eine Version des Basismodells #35, #14 hätte man komplett neu
    entwickeln müssen. Dadurch wären aber die Kosten für beide Modelle so hoch
    gewesen, dass keines von beiden zu verwirklichen gewesen wäre.“
    Unter diesem Gesichtspunkt wäre mir lieber gewesen, auf das ( wie beschrieben: „falsche“) Fahrzeug #14 auf den Markt gebracht worden wäre, sondern dafür
    das historisch korrekte Fahrzeug mit Startnummer 24, Fahrer Joakim Bonnier,
    und das ganze dann auch noch ohne Rundumverglasung, sondern mit einfacher,
    aber flacheren Windschutzscheibe!

    So ist, wie Sie es richtig festgestellt haben, eine gute Chance vertan worden.

    Lieber HH, herzlichen Dank dafür, daß Sie die Borgward-Renngeschichte und
    die Borgward Rennsportwagen-Modelle 1:43 so ausführlich dargestellt haben.

    Mit freundlichen Grüssen

    Ernst-Horst Goldammer

  2. Ernst-Horst Goldammer sagt:

    Lieber HH,

    zu meiner gestrigen e-mail möchte ich nachtragen, daß es sich bei dem von mir als „historisch korrekt“ bezeichneten Fahrzeug um den Borgward RS der 5. Generation handelt, mit dem Joakim Bonnier 1958 den Großen Bergpreis von Deutschland auf dem Schauinsland bei Freiburg in der Klasse bis 1500 ccm gewonnen hatte. Wie Sie es ja schon längst richtig dargestellt haben, war der Siegerwagen unter der #15 gefahren und
    nicht etwa unter der #24, wie ich gestern fälschlicherweise geschrieben habe.
    Nachzutragen bleibt noch, daß zur Umwandlung des heutigen PC Schauinsland-Wagens
    in den Siegerwagen von Bonnier auch noch die Kfz-Kennzeichen von HB-EA 178 (in der Realität waren dies die Kennzeichen des drittplatzierten Borgward-Elektron-Wagens der 6.Generation) in HB-DY 909 ausgetauscht werden müßten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ernst-Horst Goldammer

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