Als Zuschauer in Le Mans seit 1978

Bericht von 2012, aktualisiert 2016

Seit 1978 macht sich eine kleine Gruppe aus Norddeutschland, insbesondere Kiel und Hamburg, regelmäßig auf den langen Weg nach Le Mans, um den legendären Saisonhöhepunkt des Motorsports zu erleben – in unterschiedlicher personeller Besetzung und – zumindest bis 2010 – immer nur in Jahren mit gerader Jahreszahl. Seit 1998 geschieht dies unter dem Label „Minerva“, um der ursprünglich belgischen Traditionsmarke zu frischem Ruhm beim berühmten Langstrecken-Klassiker zu verhelfen.

Le Mans 2010: Start zur Einführungsrunde

 Bislang hat das Minerva-Team dieses Ziel zwar noch nicht erreicht, aber wir arbeiten weiter daran. Einstweilen werden unter diesem Thema die Le Mans-Expeditionen des Minerva-Teams notiert, eine Anregung für alle, die das Spektakel auch einmal „life“ sehen möchten, und natürlich mit den Modellen der Jahre, in denen wir persönlich dabei sein konnten.

Hier können die Berichte unserer Le Mans-Besuche aufgerufen werden.

Le Mans 1978

Le Mans 1980

Le Mans 1982

Le Mans 1984

Le Mans 1986

Le Mans 1988

Le Mans 1990

Le Mans 1996

Le Mans 1998

Le Mans 2000

Le Mans 2002

Le Mans 2004

Le Mans 2006

Le Mans 2010

Le Mans 2013

Wie alles begann…

Wie kommt es, dass sich bei einem einigermaßen vernünftigen Menschen die Idee festsetzt, sich alle 2 Jahre auf den 1300 km langen Weg in eine ländliche Gegend westlich von Paris zu machen, um ein Sportwagenrennen über 24 Stunden zu verfolgen, das dann am Montag danach in vielen deutschen Tageszeitungen kaum erwähnt wird? Warum nicht Formel 1 oder DTM?

Die Antwort ist sicher je nach Generation verschieden. Für mich liegt der Schlüssel fast 50 Jahre zurück, in einer Zeit, da ich mich begann für Motorsport zu interessieren. Damals waren die klassischen Langstreckenrennen für Prototypen und Sportwagen mindestens so populär wie die Formel 1, mit über 300 Tsd. Zuschauern beim 1000 km-Rennen am Nürburgring und ebenso vielen bei den 24 Stunden von Le Mans. Die Formel 1 war dagegen durch das Reglement stark eingeengt und – abgesehen von Ferrari und Honda – vor allem von „Garagisten“ dominiert , mit entsprechenden Ausfallquoten in den Rennen, die nicht einmal 2 Stunden dauerten.

Dagegen die Endurance-Rennen: Geprägt vom Kampf „David gegen Goliath“, Ferrari gegen Ford, gewürzt durch Exoten wie den Chaparral, Motoren mit 4 bis 7 Litern Hubraum und nicht mit kleinen 1,5 Liter-Maschinchen wie bis 1965 in der Formel 1, und aus deutscher Sicht bereichert um den stetigen Aufstieg Porsches von der Kleinwagenklasse zum Anwärter auf Gesamtsiege.  Die Prototypen sahen spektakulär aus, kein Vergleich zum Einheitsdesign der Formel 1, und sie waren technisch in vielen Details fortschrittlicher als die F1, bei den Prototypen war (fast) alles erlaubt! Ford GT 40, Mark II und IV, Ferrari P4, Chaparral 2F oder Lola T70 sind mittlerweile Legenden, ganz zu schweigen vom späteren Porsche 917. Kaum einer würde heute dagegen noch die Formel 1-Wagen jener Tage wiedererkennen. Und die Hersteller von Modellautos zogen die Prototypen und Sportwagen ohnehin der Formel 1 vor, sie waren optisch attraktiver und natürlich auch einfacher herzustellen als die filigranen F1-Renner.

Über die Jahre wuchs so bei mir die Faszination der Endurance Rennen und Sport-Prototypen, und im Zentrum steht natürlich Le Mans – die absolute Krone dieser Kategorie. Kein anderes Rennen blickt heute auf eine vergleichbare Tradition zurück, kaum ein anderes bietet eine solche Vielfalt an Fahrzeugen, und demjenigen, der gelernt hat, Endurance Rennen zu „lesen“, erschließt sich die Spannung dieses Klassikers, auch wenn sie nicht immer so offensichtlich ist wie bei Sprintrennen oder in Le Mans 2011. Und wer einmal selbst nach Le Mans gefahren ist und eine ganze Rennwoche dort erlebt hat, für den kommt das besondere „Life“-Erlebnis noch hinzu, das durch nichts zu ersetzen ist.

Meine Geschichte der Le Mans-Besuche beginnt 1978, da waren also über 10 Jahre vergangen, in denen ich das Rennen in den Medien, in Büchern, in Filmen (z.B. McQueens „Le Mans“) oder mit Modellen in meiner Vitrine bereits verfolgt habe.

Warum so spät?

Dafür gibt es zwei Gründe: Die über die Jahre schwankende Attraktivität des Rennens und die noch fehlenden eigenen Voraussetzungen. Den Jahren nach den epischen Duellen der großen 5-Liter-Sportwagen 1970/71 (Ferrari 512S vs Porsche 917) folgten in Le Mans eher „magere“ Jahre: Matra beherrschte die Rennen 1972 und 1974, danach folgte ein wenig attraktives Übergangsjahr 1975 und 1976 war der neue Porsche 936 schon recht früh im Rennen ohne nennenswerte Konkurrenz. 1977 kam es dann zum ersten Duell Porsche gegen Renault-Alpine auf Augenhöhe, vergleichbar mit der aktuellen Situation (Audi gegen Peugeot), und 1978 versprach mit der Neuauflage dieses Zweikampfes ein spannendes und hochklassiges Rennen zu werden. Zum anderen waren für meine Absicht, das Rennen zu besuchen, ernsthafte Hemmnisse zu überwinden. Zum einen die Entfernung  – 1300 km bis Le Mans. Da braucht man Geld, Zeit und ein passendes Fahrzeug, mindestens einen Campingbus – eine spontane Kurzvisite des Rennens war da kaum möglich, kam für mich auch nicht in Frage. Diese Voraussetzungen waren 1978 endlich erfüllt – ich war nun stolzer Besitzer eines (gebrauchten) VW T2a Camping mit Westfalia-Ausstattung.

Mit meinem VW T2a Camping 1978 nach Le Mans

VW T2a mit Original Westfalia Campingausstattung

Zeit und Geld waren auch vorhanden, es gab nur noch keine Mitstreiter. Also ein MFG-Angebot ans Info-Brett an der Kieler Uni geklemmt – schon war auch dieses Problem gelöst. 1978 kam es also endlich zum ersten Besuch des 24-Stunden-Klassikers, danach sollten noch viele weitere folgen, bis 2013 waren es 15 Besuche, bis auf einige Ausnahmen alle zwei Jahre. In den folgenden Abschnitten berichte ich über die persönlichen Eindrücke als „normaler“ Zuschauer in Le Mans, mit Fotos, die ich dort während der Renntage gemacht habe, und über die wichtigsten Modelle im Maßstab 1:43 (als Übersicht und mit Fotos).

Alle Fotos wurden von mir beim Rennen bzw. von Modellautos aus meiner Sammlung (oder solchen von Modellfreunden) gemacht, auch die Bilder von Programmheften oder Eintrittskarten habe ich von meinen eigenen Heften oder Tickets geschossen. Informationsgrundlage waren darüber hinaus die jeweiligen offiziellen Jahrbücher des ACO (Moity/Tessedre) sowie die Videobänder bzw. DVDs, die der ACO jährlich vom Rennen herausgibt.

Le Mans 2010 – Audi R15 Plus auf dem Weg zur Startaufstellung

 

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