Fehlleistungen der Le Mans-Geschichte – Protokolle gescheiterter Teams

Bericht von 2013 (zwei Jahre vor dem „glorreichen“ Auftritt des Nissan LMP1-Teams in Le Mans 2015)

Le Mans 2011: Aston Martin AMR-One

Nr. 007 (Mücke–Turner–Klien), Ausfall nach 4 Runden / Nr. 009 (Primat–Hernandez–Meyrick), Ausfall nach 2 Runden

Die Renneinsätze der beiden Aston Martin AMR-One, mit denen Aston Martin Racing (Prodrive) 2011 erstmals von der GT- in die LMP1-Klasse wechselte, waren eine einzige Katastrophe. Schon der Saisonbeginn war von Pannen geprägt, weil die Neuentwicklung noch völlig unausgereift an den Start ging, von Defekten geplagt wurde und viel zu langsam war. So wurde das Saisondebut in Sebring abgesagt, und die beiden Auftritte in Le Castellet im April und beim Le Mans-Testtag Ende April brachten keinerlei Fortschritt. Die Le Mans-Generalprobe in Spa im Mai wurde daher abgesagt.

So kamen die beiden AMR-One, immerhin ein Werkseinsatz, nahezu ungetestet zur Le Mans-Woche im Juni, fuhren im Training hoffnungslos hinterher (Startplätze 22 und 25) und fielen im Rennen nach bereits 2 bzw. 4 Runden aus – nach 10 Minuten war der Auftritt also praktisch beendet, und die Aston Martin wurden danach nicht mehr eingesetzt. Ein Fahrzeug wurde von Pescarolo übernommen und lief 2012 in Le Mans als „Pescarolo 03“ LMP1 mit Judd-Motor, fiel aber nach mehreren Boxenstopps auch bereits nach 20 Runden aus. Das zweite Chassis diente als Basis für das skurrile „Delta Wing“-Projekt, auch hier ging der Le Mans-Start 2012 nach 75 Runden nach einem – allerdings unverschuldeten – Unfall daneben. Letztlich war es beim AMR-One eine Mischung aus mangelnder Rennreife und einem vermutlich völlig ungeeigneten Motorenkonzept (6 Zylinder in Reihe), das zum frühen Totalausfall des Teams in Le Mans führte.

Das Modell von IXO: Bei dieser eher mäßigen Renngeschichte des Aston Martin ist es nicht verwunderlich, dass das IXO-Modell in 1:43, das etwas später als die Replik von Spark auf den Markt kam, mittlerweile recht günstig im Handel oder über Ebay erhältlich ist – für eine „Le Mans-Flop“-Sammlung also ein preisgünstiges Einstiegsmodell, zumal das IXO-Modell sehr gut gelungen ist. Zwar sind die Gravuren in der Diecast-Karosse wie üblich nicht ganz so fein wie bei der Resincast-Konkurrenz, aber die Ausstattung mit Spoilern, Antennen oder anderen Anbauteilen hat bei IXO mittlerweile Spark-Niveau erreicht.

Aston Martin AMR-One, Le Mans 2011 (Modelle von IXO)

Aston Martin AMR-One, Le Mans 2011 (Modelle von IXO)

Weitere Flops der Le Mans-Geschichte

Lässt man die lange Le Mans-Geschichte Revue passieren, findet man ähnliche Beispiele, in denen mindestens zwei Fahrzeuge eines Teams schon früh im Rennen die Segel streichen mussten. Aber meist war das nicht so früh und nach einer ähnlich desolaten Vorstellung in den Tagen und Wochen vor dem Start des 24 Stunden-Klassikers wie beim Aston Martin-Team von 2011. Ungeachtet der Fälle, in denen Teams aufgrund verschiedener Probleme im Training erst gar nicht an die Startlinie gerollt sind (z.B. das Sauber-Mercedes Team von 1988), lassen sich einige vergleichbare Fälle gescheiterter Rennteams identifizierten – die folgenden Protokolle geben Zeugnis:

Le Mans 1931: Bugatti startet mit drei hochkarätig besetzten Typ 50, Fahrzeuge mit über 2 Tonnen Gewicht und mit 5-Liter-Kompressor-Motoren und 270 PS. Nach 20 Runden hat Maurice Rost einen schweren Unfall, nachdem sich die Lauffläche eines seiner Michelin-Reifen gelöst hat. Daraufhin werden auch die beiden anderen Bugatti 50, u.a. gefahren von Varzi, Chiron und Divo, die ebenfalls bereits von Reifenplatzern geplagt wurden, aus dem Rennen genommen – freie Bahn für Alfas ersten Le Mans-Sieg.

Modelle in 1:43:  Bausatz von S.L.M.43 bzw. MCM

Le Mans 1952: Vorjahressieger Jaguar kommt mit drei Fahrzeugen des Typs XK 120C als Favorit nach Le Mans, aber die zugunsten eines niedrigeren Luftwiderstands geänderte Karosserie, begleitet von einer konstruktiven Veränderung des Kühlsystems, führt zu Motorüberhitzungen – alle drei Jaguar fallen in der 2., 3. und 4. Rennstunde aus.

Modelle in 1:43: John Day/Mini Auto (alter Bausatz), Heco, Top Model, Provence Moulage

Jaguar C Le Mans 1952, Modell: John Day (Mini Auto)

Jaguar C Le Mans 1952, Modell: John Day (Mini Auto)

Le Mans 1956: Erneut sind drei Werks-Jaguar Favoriten auf den Gesamtsieg. Nach dem Erfolg des D-Typ beim Unglücksrennen im Vorjahr folgt mit Le Mans 1956 der für viele Jahre letzte Auftritt des Werks bei den 24 Stunden. Aber schon in Runde 2 sind zwei Katzen in den Esses gestrauchelt, als Paul Frère dort seinen Jaguar verliert und den nachfolgenden Jack Fairman mit dem zweiten Werks-Jaguar gleich mitreißt. Nach technischen Defekten beim dritten Werkswagen muss es in diesem Jahr der D-Typ des privaten Ecosse-Teams richten.

Modelle in 1:43: Provence Moulage, Automany

Le Mans 1958: Wieder trifft es die Jaguar D Types hart, dieses Mal aber in Abwesenheit des Werks die von der Ecurie Ecosse eingesetzten Fahrzeuge, immerhin Sieger der beiden Vorjahre. Aber der durch das neue Reglement auf 3 Liter Hubraum reduzierte Jaguar-Motor hält nur 2 bzw. 7 Runden, dann ist der Einsatz des Ecosse-Teams Geschichte.

Modelle in 1:43: Provence Moulage, JPS (Nr. 6) / Automany (Nr. 7)

Le Mans 1987: Eine gegenüber dem Training mindere Sprit-Qualität wird bereits in der Anfangsphase des Rennens mehreren Porsche-Teams zum Verhängnis. Die beiden Joest-Porsche 962C stranden schon nach 2 bzw. 7 Runden. Auch je ein Fahrzeug des Kremer-Teams und des Werksteams (mit Wollek und Mass) erwischt es in der Startphase des Rennens. Nach zwei Le Mans-Siegen 1984 und 1985 und einer starken Vorstellung im Vorjahr ist man bei Joest Racing nach einer halben Stunde nur noch Zuschauer.

Modelle in 1:43: Nr. 7 (TakaQ) von Spark und Provence Moulage / Nr. 8 – kein Modell vorhanden.

Le Mans 1998: AMG Mercedes tritt in Le Mans mit zwei brandneuen CLK-LM gegen die Werksteams von Toyota (GT-One), Porsche (911 GT1), Nissan (R390) und BMW (V12LM) an. Bernd Schneider ist Trainingsschnellster und liegt nach einer guten Stunde vorn, dann verendet sein CLK vor großer Kulisse auf der Start-Zielgeraden: Motorschaden. Dasselbe Schicksal ereilt 10 Runden später auch den zweiten CLK – identischer Defekt, gleiche Wirkung: Ausfall des Teams nach gerade einmal zwei Stunden.

Modelle in 1:43: Maisto, Spark, Provence Moulage, BBR

Mercedes-Benz CLK-LM, Le Mans 1998 (Modell: Spark)

Mercedes-Benz CLK-LM, Le Mans 1998 (Modell: Spark)

Le Mans 1999: Erneut tritt AMG Mercedes mit drei neu entwickelten CLR gegen Toyota, BMW, Panoz und Neueinsteiger Audi an und scheitert ein zweites Mal, in diesem Jahr mit furchterregenden Abflügen beim Training, im Warm Up und schließlich im Rennen als Folge einer fehlerhaften Aerodynamik. Viele Schutzengel müssen bemüht werden, um Mark Webber, Peter Dumbreck und die Streckenposten vor schweren Verletzungen oder Schlimmerem zu bewahren. Webbers CLR war schon vor dem Start zurückgezogen worden, und Dumbrecks Flugeinlage in der 5. Rennstunde führt zur Aufgabe auch des dritten Mercedes mit Chefpilot Bernd Schneider.

Modelle in 1:43: Spark, Provence Moulage, BBR

Mercedes-Benz CLR, Öe Mans 1999 (Modell: Provence Moulage)

Mercedes-Benz CLR, Le Mans 1999 (Modell: Provence Moulage)

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