Standpunkt des Herausgebers (2014): Spark-Neuheiten auf der Nürnberger Messe

Neuerscheinungen und Ankündigungen von Endurance-Renn- und Sportwagen der 1930er, 1950er und frühen 1960er Jahre – Gedanken zur Modellszene 2014

Im Januar 2014 fand wieder die alljährliche Messe in Nürnberg statt, wichtigstes Schaufenster für neue oder in Zukunft geplante Automodelle, u.a. im Maßstab 1:43. Eine umfangreiche Neuheitenliste würde hier den Rahmen sprengen, obwohl einige Beobachter der Szene von einem Rückgang der Ankündigungsflut früherer Jahre sprechen. Jedenfalls verstärkt sich der Eindruck, dass sich die Diecast- und Resincast-Welt im Preisbereich 30-60 Euro zunehmend auf wenige Marktführer konzentriert, die andere Hersteller zurückdrängen oder zumindest veranlassen auf kleinere Nischen oder andere Preislagen auszuweichen. Wenn andererseits das Segment der Handarbeitsmodelle oder der Bausätze seit mehreren Jahren seine einst überragende Position für den anspruchsvollen 1:43-Modellsammler verloren hat und hier auch kein Revival erkennbar ist, stellt sich zunehmend die durchaus kritische Situation ein, dass die Ergänzung einer Sammlung von 1:43-Rennsportwagen der Le Mans-Szene auf Neuentwicklungen des Resine-Marktführers Spark angewiesen ist, ergänzt um weitere Produzenten aus der Minimax-Familie (True Scale, Fujimi) und um die früheren Diecast-Riesen Minichamps und IXO. Ausnahmen wie Ebbro oder Neo Scale bzw. Premium Classics mit der Neuentwicklung des Borgward 1500 RS können diesem Trend nicht nennenswert begegnen.

Nun sind die im allgemeinen vorzüglichen Spark-Modelle für den Modellsammler, der nicht über die Fähigkeiten (oder die Zeit) verfügt, Kits in entsprechender Qualität zu bauen und der Vitrine zuzuführen, eine tolle Sache, bei der viele auch bereit sind 50-60 Euro zu investieren. Dies gilt fast uneingeschränkt bei den Vorbildern der jüngeren Vergangenheit, zumal Spark – anders als IXO oder Minichamps – meist recht zeitnah die Fahrzeuge der jeweils letzten Le Mans-Rennen anbieten kann. Bei Modellen älterer Epochen, etwa der 1950er oder der 1960er Jahre, muss man allerdings schon Abstriche machen. Lob und Kritik sind hier oft bei einem einzigen Modell gleichermaßen angebracht. Der Modellsammler freut sich einerseits über die Formen- und Maßstabtreue, über viele kleine Details der Karosserie, die bei früheren Diecast-Modellen fehlten, und über die zurückhaltende Lackierung – ganz nach dem Vorbild der alten Zeiten. Andererseits treten manchmal Fehler auf, die man angesichts des allgemeinen Standards der Spark-Modelle kaum verstehen kann: Zuvorderst die penetrant zu breiten Reifen der 1950er Jahre-Fahrzeuge, die den Sammler zum Umrüsten der Bereifung zwingen, wenn er – immerhin für 60 Euro Kaufpreis – ein korrektes Modell haben möchte.

X

Porsche 356 A Carrera Le Mans 1956 von Spark: Reifen viel zu breit

Und hinzu kommen manchmal Fehler, die man auch nicht mit Kostenaspekten begründen kann – es wird vermutlich einfach schlampig recherchiert, dies ist jedenfalls die einzige Erklärung, die mir dazu einfällt. Und wenn ich als Privatperson mit überschaubarer Fachbuchsammlung und Videothek und normalem Internetzugang bereits nach wenigen Recherchen auf Bilder – Originalbilder der jeweiligen Rennen versteht sich – stoße, die solche Fehler offenbaren, dann kann man sicher nicht mit dem Argument fehlenden Bildmaterials antworten.

x

Porsche 910 Achtzylinder, Targa Florio-Sieger 1967: Es fehlt die Öffnung zum Lüfterrad zwischen den beiden Grills auf dem Heck, und die beiden länglichen Grills müssten versetzt sein.

Nun sind manche kleineren Fehler von einem einigermaßen geübten Modellbauer mit einem gut sortierten Lager an Kleinteilen und Decals sowie mit Pinsel und Farbe relativ leicht auszubessern – das ist ja manchmal sogar recht reizvoll. Es gibt aber auch Fehler, die man ohne Demontage des Modells oder ohne Risiko es zu zerstören nicht mehr korrigieren kann. Also liebe Leute von Minimax: Im Prinzip weiter so, aber bitte gerade bei älteren Vorbildern alle Möglichkeiten der Recherche ausschöpfen und dann auch in das Modell investieren. Und bitte keine breiten Schlappen mehr für Modelle aus den 1950er Jahren!

Entsprechendes gilt natürlich auch für die Epoche der 1930er Jahre, die nun erfreulicherweise stärker in den Fokus von Spark gerät: Viele Sammler freuen sich auf Le Mans-Boliden dieser Zeit, die bislang noch nie, in grauer Vorzeit oder nur als teure, komplexe Bausätze in 1:43 erhältlich waren. Hoffentlich in gewohnter Spark-Qualität und unter Nutzung aller heute möglichen Bild- und Textquellen.

Einige interessante Spark-Neuankündigungen, Modelle der Sportwagen-Szenen der 1930er, 1950er und frühen 1960er Jahre

Wie bei Spark üblich, konzentrieren sich die Neuentwicklungen überwiegend auf Le Mans-Fahrzeuge. Andere wichtige Endurance-Prüfungen aus jener Zeit, Mille Miglia, Targa Florio, Carrera Panamericana oder 1000 km Nürburgring, werden leider überwiegend links liegen gelassen – schade. Wer die 1:43-Modellszene seit ihren Anfängen in den 1970er Jahren verfolgt hat, wird feststellen müssen, dass viele Spark-Neuheiten in der Vergangenheit bereits z.T. mehrfach – als Bausatz oder Diecast – produziert worden sind. Echte Neuheiten sind also bei den Modellen der 1950er und 1960er Jahren kaum dabei. Immerhin: Viele Modellsammler, zumal diejenigen, die nicht selbst bauen, hoffen nun auf Fertigmodelle aktueller Qualität, die manche alte „Gurke“ ersetzen können.

Die 1930er Jahre: Alfa Romeo 8C 2300, Le Mans 1931 bis 1935, mehrere Modelle, nicht nur die Le Mans-Sieger (1931-1934). Die Le Mans-Sieger gab es bereits als Diecasts von IXO und als Fertigmodelle von Starter, von anderen Le Mans-Alfas dieser Jahre gab es aber nur teure Kleinserienmodelle.

x

Alfa Romeo 8C 2300, Le Mans-Sieger 1931 und 1934, hier die Modelle von IXO

Bugatti T57, Le Mans-Sieger 1937 und 1939. Beide Fahrzeuge gab es bereits als Diecasts von IXO sowie als Bausätze von Provence Moulage („PM“) oder als Fertigmodelle von Starter.

x

Bugatti T57C, links Le Mans-Sieger 1939 (Modell: Classic Cars), rechts: Le Mans-Sieger 1937 (Modell: IXO)

Delahaye 145 (12 Zylinder), Le Mans 1938. Bisher nur als Bausatz von MCM produziert, heute vermutlich nicht mehr im Handel.

Talbot-Lago T150C Roadster Le Mans 1938 und T150SS Coupé Le Mans 1938/39. Den T150C gab es vor vielen Jahren als Metallbausatz von Manou.

x

Talbot-Lago T150C, Le Mans 1938, alter Metall-Bausatz von Manou Le Mans

Mein Spark-Wunschmodell für die Zukunft, 1930er Jahre: Lagonda V12 Le Mans 1939 (3. und 4. Platz)

Die 1950er Jahre: Delage D6-3L Le Mans 1949 (2., 4. Platz), alle 4 Fahrzeuge. Den Delage gab es bislang nur als Kleinserien-Bausatz von GCAM (siehe Bericht im „Modellbau Forum“).

x

Delage D6-3L, 2. Platz Le Mans 1949 (Modell: GCAM)

Cadillac 61 (Cunningham-Team), Le Mans 1950. Den Cadillac gab es früher von AMR und als Diecast von Vitesse.

x

Cadillac 61, Le Mans 1950 (Modell: Vitesse)

Mercedes-Benz 300 SL, Le Mans-Sieger 1952. Den 300 SL gab es bislang bereits von diversen Herstellern, u.a. als Resine-Bausatz von Starter.

x

Mercedes-Benz 300 SL, Le Mans-Sieger 1952 (Modell: Starter)

Cunningham C4R, Le Mans 1954 (Nr. 1, Nr. 2-Platz 3). Den Cunningham gab es bislang von Provence Moulage und Top Model Collection.

x

Cunningham C4R, Le Mans 1954 (Modell: Provence Moulage)

Jaguar D, verschiedene Fahrzeuge, Le Mans 1955, 1957 und 1958. 1955: Nr.9 (Cunningham); 1957: Nr. 16 (Ecurie Belge); 1958: Nr. 57 (M. Charles). Die beiden weniger etablierten Jaguar D-Fahrzeuge (Le Mans 57 und 58) gab es bislang von Automany, den Cunningham-D Type von diversen Herstellern (u.a. Provence Moulage, IXO).

Aston Martin DB3S, Le Mans 1956 (Nr. 8, 2. Platz, und Nr. 9), Le Mans 1958 (Nr. 5, 2. Platz). Modelle gab es bislang von Provence Moulage und Pinko.

x

Aston Martin DB3S, Le Mans 1956, 2. Platz (alter Metall-Bausatz von John Day „Mini Auto“)

Porsche 718 RSK, Le Mans 1957 (Nr.32) und 1958 (Nr.29, 30 und 31). Den RSK gab es bislang von Starter oder als Metall-Bausatz von Precision Miniatures.

x

Porsche 718 RSK, Le Mans 1958 (Modell: Precision Miniatures)

Mein Spark-/True Scale-Wunschmodell für die Zukunft (1950er Jahre): Borgward Hansa 1500 RS, Carrera Panamericana 1953 und 1954. Fujimi-Wunschmodell: Ferrari 212 Inter, Carrera Panamericana 1951 (1. und 2. Platz).

Die frühen 1960er Jahre: Jaguar E2a (Cunningham), Le Mans 1960 (Nr. 6). Den Jaguar gab es bisher von Provence Moulage und Pinko.

x

Jaguar E2a Le Mans 1960 (Modell: Provence Moulage)

Porsche Abarth Carrera GTL, Le Mans 1961 (Nr. 36, 37) und 1962 (Nr. 30, 34, 35). Spark begann mit dem Carrera Abarth 1960 (Nr. 35) und setzt die Reihe nun mit den Varianten 1961 und 1962 fort. Die Carrera Abarth gab es je nach Fahrzeug von Starter, Provence Moulage, Jolly oder Best.

Aston Martin P212 (Le Mans 1962, Nr.11) und P214 (Le Mans 1963, Nr.7, 8). Die P212 und P214 gab es bisher von Provence Moulage, SMTS und Pinko

x

Aston Martin P212 Le Mans 1962 (Modell: Provence Moulage)

Porsche 718/8 GTR Coupé (Le Mans 1963, Nr.27). Den 718/8 gab es bisher als Coupé von Starter und Jade.

Porsche 904, Le Mans 1964 (4-Zylinder, Nr.34), Le Mans 1965 (6-Zylinder, Nr.33) und Le Mans 1965 (8-Zylinder, Nr.32, 35). Die Fahrzeuge gab es bislang von Starter, Provence Moulage und Record sowie z.T. von Vitesse.

Mein Spark-Wunschmodell für die Zukunft (1960er Jahre): Porsche RS 61 Spyder (718-047) Le Mans 1961.

Dieser Beitrag wurde unter 9 Kurzmeldungen und sonstige Themen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.