Rückblick: Sportwagenrennen – Episode 7 (1972 bis 1975)

Ein neues Reglement und der Weg in die Krise (Bericht von 2018)

Kurze Einführung:  Ähnlich wie schon 1967 wurde Ende 1971 wieder eine höchst attraktive Meisterschaft durch eine Reglementänderung für die kommenden Jahre beeinträchtigt – spätestens ab 1974 war dies offenkundig. Eine neue „Sportwagen“-Kategorie löste 1972 die bisherigen Klassen (Prototypen, Sportwagen) ab. Es galt nunmehr einheitlich ein Hubraumlimit von 3 Litern und ein Mindestgewicht von 650 kg. Letzteres trug dann dazu bei, dass sich Porsche mit seiner Leichtbautechnik werksseitig von den Sportwagen verabschiedete und sich auf die GT-Klasse (911, Carrera RS) konzentrierte.

Ferrari 312PB, von rechts: 1971 (Solido), 1972 (Brumm), 1973 (FDS)

Die schnellsten Sportwagen rückten nun näher an die Formel 1 heran: Es waren zweisitzige, offene Fahrzeuge mit Motoren, die ähnlich auch in der Formel 1 eingesetzt wurden – Beispiele: Matra, Ferrari, Lola Ford (bzw. Cosworth) und Mirage Ford – ein Trend, der ab 1974 zusammen mit der Ölkrise die Attraktivität der Sportwagen-Szene drastisch reduzierte.

1972 setzte sich Ferrari mit dem 312PB deutlich gegen die Alfa Romeo 33TT3 durch, während sich Matra mit seinem MS 670 erfolgreich auf Le Mans beschränkte, wo Ferrari wiederum fehlte.

Die folgende Saison 1973 war dann spannender, da sich Ferrari und Matra auf Augenhöhe duellierten und nebenbei auch andere Fahrzeuge (Mirage, Porsche) Siege einfahren konnten. Letztlich gewann Matra die WM und Le Mans, und Ferrari verabschiedete sich zum Saisonende vom Endurance-Sport.

So war Matra 1974 klar überlegen, die neuen Alfa 33TT12 hatten meist das Nachsehen. 1975 folgte ein weiterer Schritt in die Krise: Nach Ferrari zog sich nun auch Matra zurück und überlies den nunmehr privat eingesetzten Vorjahres-Alfas das Feld. Alfa Romeo bedankte sich mit dem überlegenen Gewinn der WM, nur gelegentlich bedrängt vom neuen Alpine Renault A442 und von privaten Porsche 908, beide mit einer neuen Technologie im Endurance-Sport: Turbo-Aufladung – ein Vorbote der dominierenden Motortechnik in den nächsten Jahrzehnten.

Ein paar statistische Daten zu den Rennergebnissen 1972-1975: Über den gesamten Vierjahreszeitraum fanden 40 Endurance-Rennen im Rahmen der WM statt, hinzu kam das Rennen in Le Mans 1975, das nicht zur WM zählte, hier aber berücksichtigt wird. Erfolgreichster Hersteller war Matra Simca mit 15 Siegen, gefolgt von Ferrari (12), Alfa Romeo (8) und Porsche (3). Zählt man alle Podiumsplätze (Plätze 1, 2 und 3) zusammen, ergibt sich die Reihenfolge Ferrari (32), Alfa Romeo (27), Matra (26), Porsche (18) und Mirage (9). 70% aller Podiumsplätze entfallen also recht gleichmäßig auf die drei Fabrikate, die in diesen Jahren den Titel holten (Ferrari 1972, Matra 1973 und 1974, Alfa Romeo 1975), allerdings waren die Resultate sehr unterschiedlich über die vier Jahre verteilt.

1972: Ferrari (10 Siege/20 Podiumsplätze), Matra (1/2), Alfa Romeo (0/7)

1973: Matra (5/10), Ferrari (2/12), Porsche (2/3)

1974: Matra (9/14), Alfa Romeo (1/8), Alpine und Mirage (1/3)

1975: Alfa Romeo (7/12), Porsche (1/9), Alpine und Mirage (1/3)

Erfolgreichster Pilot, gemessen an Siegen in den WM-Rennen der vier Jahre, war Henri Pescarolo mit 12 Erfolgen, dahinter liegen sein Partner Larrousse (10), Ickx (10) und Merzario (8). Jacky Ickx holte nicht nur 8 Siege mit Ferrari, sondern auch je einen mit Matra und Mirage. Die erfolgreichsten Fahrerteams waren Ickx/Andretti (Ferrari, 1972), Pescarolo/Larrousse (Matra, 1973, 1974) und Merzario/Laffite (Alfa, 1975). Eine offizielle Fahrer-Wertung gab es noch nicht. Folgt man der auf dieser Webseite angewendeten „Minerva-Wertung“, waren die jeweils Saisonbesten Ickx (Ferrari, 1972), Pescarolo und Larrousse (Matra, 1973, 1974) und Merzario (Alfa, 1975).

Im Folgenden sind die wichtigsten Informationen zu den vier Jahren zusammengetragen worden: Ergebnislisten und ein kurzer Text zum Ablauf der jeweiligen Saison. Sie können hier aufgerufen werden:

Saison 1972

Saison 1973

Saison 1974

Saison 1975

Die Jahre 1972-1975 – Modelle in 1:43 (Übersicht)

 

Weltmeisterschaft 1972 – Modelle in 1:43 im Bild

Weltmeister: Ferrari 312PB (Brumm)

Le Mans-Sieger: Matra Simca MS670 (Solido)

Le Mans 1972: links der zweitplatzierte Matra, rechts der Sieger (beide Modelle: Solido)

Alfa Romeo 33TT3, Le Mans 1972, Platz 4 (de Adamich-Vaccarella), Modell: FDS

Zum Saisonauftakt fuhr Alfa z.T. noch mit dem Vorjahresmodell 33.3/71: hier die Daytona-Version (Modell: M4)

Lola Ford T280 (Buenos Aires 1972, 7.), Wisell-Craft-Larrousse (Solido)

Porsche 908/03 Joest, Monza 1972, Platz 2 (Jöst-Schüler), Modellbasis: Mercury

Porsche 908 L, Privateinsatz in Le Mans 1972, Platz 3 (Jöst-Weber-Casoni), Modell: Solido Transkit

Ford Capri RS, Le Mans 1972, Mass-Stuck (Modell: Trofeu)

Ferrari 365 GTB, Le Mans 1972, Platz5 (Andruet – Ballot-Lena), Detail Cars

Weltmeisterschaft 1973 – Modelle in 1:43 im Bild

Le Mans 1973: Duell Matra gegen Ferrari. Matra von Provence Moulage, Ferrari von Styling (BBR)

WM-Duell 1973: Ferrari und Matra am Nürburgring. Ferrari von FDS und Matra von Provence Moulage

Nürburgring 1973: Ferraris am Adenauer Forst

Matra Simca MS670B, Watkins Glen 1973 (Pescarolo-Larrousse), Modell: Spark

Ferrari 312PB, Nürburgring 1973 (Ickx-Redman), Modell: FDS

Alfa Romeo 33TT12, Targa Florio 1973 (Stommelen-deAdamich), Modell: Maydero

Matra Simca 670B, Le Mans-Sieger 1973 (Pescarolo-Larrousse), Modell: Provence Moulage

Mirage Ford (Cosworth) M6, Sieger in Spa 1973 (Bell-Hailwood), Modell: Solido im Maßstab 1:45

Porsche 908/03, Le Mans 1973 (Platz 5), Modell: Spark

Porsche Carrera RS, Sieger in Daytona 1973 (Gregg-Haywood), Modell: Minichamps

Porsche Carrera RSR, Sieger der Targa Florio 1973 (vanLennep-Müller), Modell: Spark

Porsche Carrera RSR, Le Mans 1973, Platz 4 (vanLennep-Müller), Modell: Spark

Weltmeisterschaft 1974 – Modelle in 1:43 im Bild

Matra Simca MS670C, Le Mans-Sieger (Pescarolo-Larrousse), Modell: IXO

Matra Simca MS670C, Sieger am Nürburgring 1973 (Beltoise-Jarier), Modell: MRF

Matra Simca MS 680, Beltoise-Jarier, Le Mans 1974 (Modell: Bizarre)

Alfa Romeo 33TT12, Zeltweg 1974 (Ickx-Merzario), Modell: Solido

Mirage Ford (Cosworth) GR7, Le Mans 1974 (Bell-Hailwood), Modell: Spark im Maßstab 1:41

Porsche carrera RSR Turbo, Platz 2 in Le Mans 1974 (Müller-vanLennep), Modell: Ebbro

Ferrari 365 GTB, Le Mans 1974, Platz 6 (Cudini-Heinz), Provence Moulage

Porsche Carrera RSR, Le Mans 1974, Platz 7 (Eagles Race)

Weltmeisterschaft 1975 – Modelle in 1:43 im Bild

Weltmeister 1975: Alfa Romeo 33TT12, Willi Kauhsen Racing Team, Modell: Brumm

Mirage Ford (Cosworth) Gr.8, Le Mans-Sieger 1975 (Ickx-Bell), IXO

Alpine Renault A441 Turbo), Sieger in Mugello 1975 (Larrousse-Jabouille), Solido

Porsche 908/03 Turbo, Spa 1975 (Müller-Kinnunen), Modell: M.A. Scale

Porsche 908/03 Joest, Le Mans 1975, Pltz 4 (Jöst-Casoni-Barth), Modell: TopModel

Porsche 908/03 Turbo Joest, Interserie 1975 (Jöst), Modell: Meri

Mirage Ford (Cosworth) GR7, Nürburgring 1975, Platz 2 (Schenken-Ganley), GELO-Team, Modellbasis: Solido, im Maßstab 1:45

Ligier Ford (Cosworth) JS2, Le Mans 1975, Platz 2 (Lafosse-Chasseuil), Spark

Porsche Carrera RSR, Le Mans 1975 (GELO-Team), Modell: Minichamps

BMW 3,5 CSL, Sebring 1975 (Stuck-Posey), Modell: Minichamps

Quellen:

Siehe Rubrik „Über diese Seite“ → „Anmerkungen zu Minerva Endurance“

Neben Internet-Recherchen wurden folgende Bücher besonders genutzt: Paul Parker, Sportscar Racing in Camera 1970-1979, Haynes Publishing, 2009  /  Antony Pritchard, Directory of Classic Prototypes and Grand Touring Cars, Aston Publications, 1987.

Für die Ergebnislisten wurden insbesondere die Webseiten „racingsportscars“ und „wsrp.cz“ herangezogen.

 

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