Derek Bell, MBE – Master of Endurance

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Fünf Siege in Le Mans: von links 1975, 1981, 1982, 1986, 1987

Rennkarriere in Stichpunkten:

Geboren 1941 in Middlesex (England), 2013: 72 Jahre alt. Erste Rennen 1964. 1965 erste Renneinsätze in der Formel 3 (Lotus). Ab 1968 in der Formel 2 (Brabham, Ferrari), Starts in der F2-Europameisterschaft. Ende 1968 Werksvertrag bei Ferrari, Formel 1-Debut in Monza 1968. Bis 1974 neun Formel 1-Starts in verschiedenen Teams, ohne größere Erfolge.

Ab 1970 Sportwagenrennen: 1970 bei Ferrari, 1971 im Gulf-Porsche-Werksteam. Danach Starts mit dem Mirage-Team und mit Alpine-Renault, ab 1980 wieder bei Porsche. Porsche-Werksfahrer 1980-1988, danach in privaten Porsche-Teams (Joest, Kremer u.a.). In den USA (IMSA-Serie) Einsatz in diversen Teams, meist Porsche. Zuletzt zwei Le Mans-Starts 1995/96 mit dem McLaren BMW F1. 2001-2003 technischer Berater im Bentley-Team (Sieg in Le Mans 2003).

Sportwagen-Weltmeister 1985 und 1986  /  26 Starts in Le Mans (1970-1996), 5 Gesamtsiege, 2 zweite und 2 dritte Plätze  /  17 Starts in Daytona (1971-1997), 3 Siege und 4 zweite Plätze /  13 Starts in Sebring (1971-1995), kein Sieg, 4 zweite Plätze.

Nach Jacky Ickx, der Nummer 1 unter den Sportwagen-Piloten der Nachkriegszeit, und Tom Kristensen, dessen Sportwagen-Karriere (Stand 2013) noch nicht beendet war, rangierte Derek Bell 2013 an dritter Stelle der „ewigen“ Rangliste der Endurance-Rennen seit 1947. Mit 23 Endurance-Siegen lag er sogar auf Platz 2 hinter Ickx (36) und knapp vor Pescarolo (22), in der gewichteten Wertung der Siege (siehe Beitrag „Die erfolgreichsten Langstreckenpiloten 1947-2012“) nahm er Position 3 ein, und seine fünf Le Mans-Siege wurden bis 2013 nur von Ickx (6) und Kristensen (9) übertroffen.

Mit dieser eindrucksvollen Bilanz, in der nur ein Sieg in Sebring fehlt, und als zweifacher Sportwagen-Welt­meis­ter (1985 und 1986) wurde er von der Queen als „MBE“ („Master of British Empire“) geadelt und von den Rennsport-Anhängern als „Master of Endurance“ gefeiert.

Derek Bell war einer der Grundpfeiler des Porsche-Engagements der Gruppe C-Ära der 1980er Jahre, er war der Teamplayer, kongenialer Partner der Stars wie Jacky Ickx, Stefan Bellof oder Hans-Joachim Stuck. Er erreichte nicht immer und überall deren Grundschnelligkeit (mit Ausnahme von Spa, wo Derek immer besonders stark fuhr), konnte das Auto aber stets schnell, zuverlässig und behutsam bewegen, auch und besonders in den Nächten von Le Mans oder unter widrigen Bedingungen. Ausritte ins Kiesbett? Schaltfehler oder riskante Manöver? – Fehlanzeige: Ein „Master of Endurance“ eben.

So überzeugend sich seine Erfolge im Porsche 956/962 der 1980er Jahre auch darstellen – der Weg dorthin war alles andere als gradlinig: Erfolglose Versuche in diversen unterlegenen Formel-Rennwagen und wechselhafte Erfolge in den verschiedensten Sport- und Tourenwagenteams in den 1970er Jahren deuten noch in keiner Weise auf die späteren großen Erfolge hin: Derek Bell erging es wie Hans-Joachim Stuck – erst mit dem Wechsel zum Porsche-Werksteam fand er die Erfolgsspur, die seinem Fahrtalent entsprach.

Dabei begann seine Sportwagen-Karriere durchaus vielversprechend, zunächst 1970 mit dem Ferrari 512 S und dann bereits bei Porsche: Mit Jo Siffert bildete Derek Bell 1971 eines der beiden Fahrer-Teams der Gulf-Porsche 917. Allerdings sprang dabei nur ein Sieg in Buenos Aires heraus.

Le Mans 1971: Porsche 917 Langheck, Bell und Siffert (Modell: Minichamps)

Le Mans 1971: Porsche 917 Langheck, Bell und Siffert (Modell: Minichamps)

Es folgten Jahre beim Gulf Mirage-Team von John Wyer mit gelegentlichen Erfolgen, Abstecher ins Renault-Werksteam (Le Mans 1977 und 1978) oder in den Alfa Romeo 33 TT12-Sportwagen (1975). Immerhin gelang in dieser Zeit der erste Le Mans-Sieg zusammen mit Jacky Ickx im Gulf Mirage 1975 – Dereks wichtigster Erfolg der 1970er Jahre.

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Mirage Ford – vorn: Le Mans 1974, Bell-Hailwood, 4. Platz (Spark), hinten: Le Mans 1975, Sieger Bell-Ickx (IXO)

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Mirage Ford M10, Le Mans 1979, Bell-Hobbs-Schuppan (Mini Racing)

1980 folgte dann die Rückkehr zu Porsche, zunächst im seriennahen 924 GT in Le Mans. 1981 gelang dann sein zweiter Le Mans-Sieg, wieder mit Jacky Ickx, im Porsche 936/81.

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Sieg in Le Mans 1981: Porsche 936/81, Ickx-Bell (Trofeu)

Es folgten fünf erfolgreiche Jahre im Rothmans-Team als Partner von Ickx (1982/83), Bellof (1983/84) und Stuck (1985/86). In dieser Zeit gewann Derek Bell nicht weniger als 14 Rennen der Gruppe C-Weltmeisterschaft, darunter allein sieben mit dem unvergessenen Stefan Bellof, und er schaffte die Le Mans-Siege Nr. 3 (1982 mit dem 956 und Partner Ickx) und 4 (1986 mit dem 962C und den Partnern Stuck und Holbert).

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Sieg in Le Mans 1982: Porsche 956 (Ickx-Bell) (Modell: Record)

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vorn: Porsche 962C Hockenheim 1985 (Stuck-Bell), Starter (Porsche Model Exclusive); hinten: Porsche 956 1983 (Bell-Bellof), Minichamps

Le Mans 1986: Sieg im Porsche 962C mit Stuck und Holbert :

Le Mans 1986: Sieg im Porsche 962C mit Stuck und Holbert (Modell: Quartzo)

Sein fünfter Le Mans-Sieg 1987, wie 1986 im 962 C mit Stuck und Holbert, erzielt gegen die starke Konkurrenz von Jaguar, war vielleicht einer der schönsten Erfolge.

Le Mans-Siege 1986 und 1987 mit dem Porsche 962C, Copiloten Stuck und Holbert.

Le Mans-Siege 1986 und 1987 mit dem Porsche 962C, rechts der Siegerwagen 1987 (Nr. 17, Modell: Starter), Copiloten Stuck und Holbert.

Nicht vergessen sollte man aber auch die äußerst knappen Niederlagen in Le Mans 1983 (im 956 mit Ickx) und 1988 (im 962 C mit Stuck und Ludwig), Derek Bell bezeichnete einmal in einem Interview das Rennen von 1983 als seine stärkste Le Mans-Vorstellung. Eigentlich konnte man fast immer sicher sein, dass ein mit Derek Bell besetztes Auto in Le Mans auch ans Ziel kommt.

2. Platz in Le Mans 1988: Porsche 962C mit Stuck und Ludwig (Starter)

2. Platz in Le Mans 1988: Porsche 962C mit Stuck und Ludwig (Modell: Starter)

Le Mans 1988, vor dem Start (John Nielsen, Klaus Ludwig, Hans Stuck, Derek Bell, Martin Brundle), Foto des Herausgebers

Le Mans 1988, vor dem Start (John Nielsen, Klaus Ludwig, Hans Stuck, Derek Bell, Martin Brundle), eigenes Foto des Autors

Le Mans 1990: 4. Platz mit dem Joest Porsc he 962C (Modell: Spark), Copiloten: Stuck und Jelinski

Le Mans 1990: 4. Platz mit dem Joest Porsche 962C (Modell: Spark), Copiloten: Stuck und Jelinski

Le Mans 1991: 7. Platz mit dem Joest Porsche 962C (Modell: Spark), Copiloten: Stuck und Jelinski

Le Mans 1991: 7. Platz mit dem Joest Porsche 962C (Modell: Spark), Copiloten: Stuck und Jelinski

Le Mans 1994: 6. Platz im Kremer Porsche K8 (Modell: Provence Moulage), Copiloten: Donovan und Lässig.

Le Mans 1994: 6. Platz im Kremer Porsche K8 (Modell: Provence Moulage), Copiloten: Donovan und Lässig.

Die Gesamtbilanz stellt sich so dar: 23 Siege in wichtigen internationalen Endurance-Rennen (Gruppe C-WM, IMSA u.a., siehe Liste der für die Minerva Endurance-Fahrerwertung gewerteten Rennen), im Einzelnen: 1971 (1 Sieg), 1973 (1), 1975 (3), 1981 (1), 1982 (2), 1983 (3), 1984 (4), 1985 (3), 1986 (2), 1987 (2), 1989 (1).

Bei den drei klassischen Endurance-Prüfungen (Le Mans, Daytona, Sebring) war Derek Bell zusammen achtmal erfolgreich, allerdings fehlt ihm ein Sieg in Sebring in der Sammlung, dort wurde er zwar viermal Zweiter, konnte aber nie gewinnen.

Die Tabelle, die hier geöffnet werden kann, konzentriert sich auf die Le Mans-Einsätze der Jahre 1970-1996 und die Modelle in 1:43 – eine illustre Reihe verschiedener Sportwagen, darunter in der Zeit zwischen 1980 und 1994 fast durchweg Porsche-Fahrzeuge.

Am Ende seiner langen Karriere fuhr Bell in Le Mans zweimal mit dem McLaren BMW F1 GTR, 1995 sogar zusammen mit seinem Sohn Justin, und dort erreichte er noch einmal mit Rang drei einen Platz auf dem Podium. Noch eindrucksvoller ist die Spannweite der Fahrzeuge, die er in Daytona bewegt hat: Es begann 1970 mit dem Gulf Porsche 917 und endete 1997 mit dem Ferrari 333 SP.

Sieg in Daytona 1987: Porsche 962 IMSA (Modell: Starter), Copiloten: Unser Jr. und Robinson

Sieg in Daytona 1987: Porsche 962 IMSA (Modell: Starter), Copiloten: Holbert, Al Unser Jr. und Robinson

Sieg in Daytona 1989: Porsche 962 IMSA (Modell: Spark), Copiloten: John Andretti und Bob Wollek

Sieg in Daytona 1989: Porsche 962 IMSA (Modell: Spark), Copiloten: John Andretti und Bob Wollek

Daytona 1991: Gunnar Porsche 966 (Modell: MaScale), Copiloten: Justin Bell, Cochran

Daytona 1991: Gunnar Porsche 966 (Modell: MaScale), Copiloten: Justin Bell, Cochran

P962C 1988 ReifenstQuellen
Siehe Rubrik “Über diese Seite” → “Anmerkungen zu Minerva Endurance”.

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